Bitcoin-Streit um BIP-110 und Luke Dashjr spitzt sich zu
Bailey verweist auf einen Blacklist-Vorfall aus 2014, während Dashjr BIP-110 gegen Ordinals-Inscriptionen unterstützt. Im Mittelpunkt stehen Bitcoin-Governance und das Risiko einer neuen Spaltung.

Wichtigste Erkenntnisse
- David Bailey greift einen Konflikt aus dem Jahr 2014 um Luke Dashjr erneut auf, während die Debatte um BIP-110 an Dynamik gewinnt.
- BIP-110 soll zufällige Daten in Bitcoin-Transaktionen für rund ein Jahr begrenzen, stößt bislang aber nur auf geringe Unterstützung.
- Im Kern geht es um die Frage, wie viel Einfluss Entwickler, Miner und Node-Operatoren auf die Bitcoin-Governance haben sollten.
Nakamoto-CEO David Bailey hat einen alten Streit aus dem Jahr 2014 wieder ins Zentrum gerückt, um Bitcoin-Entwickler Luke Dashjr unter Druck zu setzen. Das geschieht ausgerechnet in einer Phase, in der die Diskussion um BIP-110 an Fahrt gewinnt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur ein einzelner Vorschlag, sondern die grundsätzliche Frage, wer bei Bitcoin mitbestimmt und wie weit dieser Einfluss reichen darf.
Alte Blacklist-Rüge
Bailey verwies am Freitag auf einen Vorfall aus dem Jahr 2014. Damals soll Dashjr nach Baileys Darstellung heimlich Address-Blacklists in die von ihm betreute Gentoo-Linux-Version eingebaut haben. Die Funktion war standardmäßig aktiviert, sodass Zahlungen unter anderem an den Glücksspielanbieter SatoshiDice in diesem Build der Bitcoin-Software blockiert wurden.
Node-Operatoren bemerkten das erst, als Transaktionen fehlschlugen. Danach nahm die Kritik schnell zu. Ein Core-Entwickler erklärte damals, solche Eingriffe gehörten nicht in die Standardsoftware, sondern in eine separat gekennzeichnete Version. Dashjr zog die Standardeinstellung später zurück, machte die Blacklist optional und entschuldigte sich. Bitcoin Core hat diese Blacklist nie selbst veröffentlicht.
BIP-110 erhöht den Druck
Der alte Streit bekommt nun zusätzliche Brisanz, weil Dashjr BIP-110 unterstützt. Der Vorschlag, der auch als Reduced Data Temporary Softfork bekannt ist, soll zufällige Daten in Transaktionen für etwa ein Jahr begrenzen. Er richtet sich gegen Ordinals-Inscriptionen, bei denen Nutzer Bilder und Texte auf Bitcoin speichern. Befürworter sehen darin Spam, Kritiker sprechen von einem zu starken Eingriff ins Netzwerk.
Dashjr leitet außerdem Bitcoin Knots, eine alternative Softwareversion, die diese Begrenzung bereits durchsetzt. Laut Daten lief Knots im Jahr 2025 während des Spam-Streits auf etwa einem Fünftel der öffentlichen Nodes. Miner können die Änderung aktivieren, indem sie Unterstützung für die von ihnen geminten Blocks signalisieren. Für BIP-110 sind jedoch 55 Prozent nötig, und seit Dezember 2025 lag die Zustimmung unter 1 Prozent, mit einem Höchstwert von 0,79 Prozent.
Auch das Timing dürfte die Debatte verschärfen. Ab Anfang August können Nodes, auf denen die Software läuft, Blocks ablehnen, die keine Unterstützung zeigen. Das erinnert an das SegWit-Upgrade von 2017. Damals gab es breite Marktunterstützung, bei BIP-110 ist das bislang nicht der Fall.
Warum das für Bitcoin wichtig ist
Die Auseinandersetzung berührt eine größere Frage, die auch für europäische Krypto-Anleger relevant ist: Wie weit lässt sich Bitcoin anpassen, ohne dass der soziale Konsens auseinanderbricht? Das ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine Governance-Frage. Sie dürfte mitbestimmen, wie Entwickler, Miner und Node-Operatoren künftig miteinander umgehen.
Prominente Kritiker warnen bereits vor Risiken. MicroStrategy-Chef Michael Saylor bezeichnete das Vorhaben als selbst auferlegtes Protokollrisiko, während Blockstream-Gründer Adam Back vor Fork-Risiken warnte. Bailey legte noch nach und erklärte, die Wall-Street-Welt verstehe aus seiner Sicht nicht, wie Bitcoin-Governance funktioniert. Zudem stellte er die provokante Frage, wie cash-settled Futures an der CME bestimmen sollten, welche Kette als das echte Bitcoin gilt.
Bitcoin kommt derzeit auf einen Marktwert von rund 1,3 $ Billionen (1,1 € Billionen). Die Debatte zeigt dennoch, dass selbst bei dieser Größe das Ergebnis eines Governance-Konflikts weiterhin von einer vergleichsweise kleinen Gruppe aus Entwicklern und Operatoren abhängen kann. Dashjr ist zudem nicht der einzige Maintainer von Bitcoin Core, auch wenn sein Einfluss über Knots und dessen Nutzer weiter spürbar bleibt.