Finst

Chainalysis will einen Standard für Blockchain-Tracing setzen

Die Analytics-Firma will Onchain-Beweise für Strafsachen und Aufsicht nachvollziehbarer machen. Dabei verweist Chainalysis auf den Sterlingov-Fall und die Grenzen des Wallet-Tracings.

Chainalysis will einen Standard für Blockchain-Tracing setzen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Chainalysis hat einen Vorschlag für einen einheitlicheren Ansatz beim Blockchain-Tracing und bei Wallet-Clustern vorgelegt.
  • Das Modell soll deutlicher abgrenzen, was Onchain-Daten belegen können und was nicht, und setzt dafür auf eine zweistufige Bewertung von Graphstruktur und Vertrauen.
  • Chainalysis betont, dass sich Geldflüsse zwar nachverfolgen lassen, sich ohne zusätzliche Informationen aber nicht feststellen lässt, wer eine Wallet kontrolliert.

Chainalysis hat einen Vorschlag vorgestellt für einen Standardansatz beim Blockchain-Tracing. Die Analytics-Firma will damit Forschern und Staatsanwälten mehr Orientierung geben, wenn sie Krypto-Adressen mit Wallet-Clustern verknüpfen. Ziel ist ein Rahmen, der klarer einordnet, was Onchain-Daten tatsächlich belegen können und wo ihre Aussagekraft endet. Gerade im Umfeld von Strafsachen und der Aufsicht über verdächtige Geldflüsse gewinnt Blockchain-Forensik schließlich immer mehr an Bedeutung.

Ontologie für Wallet-Cluster

Im Zentrum des Vorschlags steht eine Ontologie, die beschreibt, wie Forscher Wallet-Cluster erkennen und welche Annahmen dabei zugrunde liegen. Nach Angaben von Chainalysis ist die Begriffswelt rund um Cluster in der Branche bislang nicht einheitlich, weshalb verschiedene Tools und Teams teils mit leicht abweichenden Definitionen arbeiten.

Das Modell von Chainalysis setzt zunächst bei Wallet-Segmenten an, etwa bei einer Deposit Address oder einer Change Address. Anschließend folgt eine zweistufige Bewertung: zuerst wird die Graphstruktur analysiert, danach das Vertrauen in das Ergebnis eingeordnet. Laut Chief Scientist Jacob Illum soll dadurch besser sichtbar werden, was sich aus den Daten ableiten lässt und wo die Grenzen der Methode liegen.

Lehre aus dem Sterlingov-Fall

Chainalysis verweist dabei ausdrücklich auf den US-amerikanischen Fall gegen Roman Sterlingov, den Mitgründer des Mixing-Service Bitcoin Fog. In diesem Verfahren wurde das Reactor-Tool des Unternehmens in einer Daubert-Anhörung auf seine Zuverlässigkeit geprüft. Richter Randolph Moss kam anschließend zu dem Schluss, dass es ausreichend Belege für die hohe Verlässlichkeit der Software gibt.

Der Fall ist vor allem deshalb relevant, weil Blockchain-Analytics nicht nur technisch funktionieren, sondern auch vor Gericht belastbar sein muss. Nach Darstellung von Chainalysis soll die Ontologie dabei helfen, die Methode für Parteien nachvollziehbarer zu machen, die Onchain-Beweise in einem Strafverfahren einsetzen wollen.

Warum das für Europa wichtig ist

Für europäische Krypto- und Compliance-Teams dürfte der Vorschlag vor allem deshalb interessant sein, weil Standardisierung in der Blockchain-Forensik auch außerhalb der USA an Bedeutung gewinnt. In den Niederlanden und in Europa werden Untersuchungen häufig mit Onchain-Daten, Informationen von Krypto-Exchanges, Open-Source-Intelligence und weiteren Offchain-Quellen kombiniert. Ein klarerer Rahmen kann dazu beitragen, Diskussionen über Zuverlässigkeit und Beweisführung weniger von einzelnen Tool-Entscheidungen oder Interpretationen abhängig zu machen.

Gleichzeitig betont Chainalysis selbst die Grenzen des Tracings. Das Unternehmen kann Geldflüsse etwa bis zu einer Krypto-Exchange nachverfolgen, aber nicht eigenständig feststellen, wer der Endnutzer ist, wenn keine zusätzlichen Informationen wie eine Vorladung oder Kundendaten vorliegen. Tracing bleibt damit ein wichtiger Baustein der Untersuchung, aber eben nicht die vollständige Antwort darauf, wer eine Wallet tatsächlich kontrolliert.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.