Grayscale hält HYPE im Vergleich zu Fintech-Aktien für günstig
Grayscale setzt bei HYPE auf ein Earnings-per-Token-Modell und bewertet den Token als Cashflow-Asset. Abflüsse aus Spotfonds und jüngste Unstaking-Aktivitäten drücken jedoch auf die Stimmung.

Wichtigste Erkenntnisse
- Grayscale Research hält HYPE im Vergleich zu Fintech-Aktien möglicherweise für günstig und bewertet den Token auf Basis von Cashflows.
- Das Unternehmen nutzt ein Earnings-per-Token-Modell und schätzt für 2027 einen Gewinn von rund 1 $ Milliarden und 3,25 $ bis 3,75 $ Gewinn pro Token.
- HYPE fiel im vergangenen Monat um mehr als 13 Prozent, während Abflüsse aus Spotfonds und Unstaking durch große Akteure die Stimmung belasteten.
Grayscale Research kommt zu dem Schluss, dass der Hyperliquid-Token HYPE im Vergleich zu Fintech-Aktien weiterhin günstig erscheinen könnte. Der Vermögensverwalter betrachtet den Token dabei nicht nur als spekulatives Krypto-Asset, sondern bewertet ihn ähnlich wie eine Aktie anhand seiner Cashflows. Damit rückt Grayscale die Diskussion um HYPE stärker in Richtung Bewertung als in Richtung reiner Marktstory.
Bewertung über Earnings per Token
In einer Notiz vom Dienstag setzte Chefanalyst Zach Pandl auf eine sogenannte Earnings-per-Token-Methode. Sie lehnt sich an den bekannten Earnings-per-Share-Ansatz aus dem Aktienmarkt an, ist bei Hyperliquid aber angepasst, weil das Protokoll keine Aktien ausgibt. Grayscale geht davon aus, dass das Protokoll im Jahr 2027 rund 1 $ Milliarden (0,9 € Milliarden) an Gewinn erzielen kann, also etwa 20 Prozent mehr als 2025.
Nach Einschätzung der Analysten kommen zwei weitere Faktoren hinzu, die das Wachstum stützen dürften: sich erholende Krypto-Handelsvolumina und Erträge aus Stablecoin-Reserven innerhalb von Hyperliquid's Aligned Quote Asset-Framework. Pandl erwartet, dass der umlaufende Bestand bis Ende 2027 bei 270 Millionen bis 310 Millionen Tokens liegen dürfte. Auf dieser Grundlage rechnet Grayscale mit 3,25 $ (2,86 €) bis 3,75 $ (3,30 €) Gewinn pro Token. Bei einem Kurs von 54 $ (48 €) entspräche das einem Forward-Multiple von etwa 15x bis 18x.
Die Research-Notiz weist allerdings auch auf Risiken hin. Ein schwächeres Wachstum der Netzwerkeinnahmen und ein schnellerer Anstieg des Tokenangebots könnten das Ergebnis belasten.
Druck auf HYPE bleibt hoch
Die Bewertungsanalyse erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem HYPE unter Druck steht. Der Token hat im vergangenen Monat mehr als 13 Prozent verloren und notiert weiterhin deutlich unter dem Allzeithoch von 76,02 $ (67 €) aus Juni. Damit entwickelt sich HYPE schwächer als große Krypto-Assets, die sich im selben Zeitraum robuster gezeigt haben.
Auch institutionelle Bewegungen haben die Stimmung belastet. Multicoin Capital und Paradigm haben in der vergangenen Woche zusammen rund 291 $ Millionen (256 € Millionen) an HYPE unstaked. Parallel dazu verzeichneten Spot-HYPE-Fonds in der vergangenen Woche Abflüsse von 8,6 $ Millionen (7,6 € Millionen). Das war bereits die zweite Woche in Folge mit Nettoabflüssen, während das verwaltete Vermögen seit dem Höchststand vom 10. Juli um 18 Prozent zurückging.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Leser ist vor allem relevant, dass HYPE zunehmend als Token mit einem Cashflow-Profil diskutiert wird und nicht nur als Handels-Asset. Das passt zu einem breiteren Trend, bei dem große Verwalter und institutionelle Akteure Tokens mit Modellen bewerten wollen, die näher an der traditionellen Finanzwelt liegen. Gleichzeitig zeigt der jüngste Abfluss, dass ein solches Bewertungsnarrativ nicht automatisch bedeutet, dass der Markt es sofort übernimmt. In der breiteren Debatte über die Rolle von Hyperliquid am Markt spielt auch die Frage eine Rolle, wie sich die Börse als Handelsplattform entwickelt, was auch in der Diskussion über den 24/7-Krypto-Handel auftaucht.