Ist Gary Gensler heimlich ein Bitcoin-Maximalist?
Für Gary Gensler ist eines schon lange klar: Bitcoin, kein Krypto.

Für Gary Gensler ist eines schon lange klar: Bitcoin, kein Krypto. Er vermittelt das auch seinen Studierenden als Dozent am MIT im Jahr 2018. Aber ist der Vorsitzende der SEC auch ein echter Bitcoiner?
Die Zulassung für den Bitcoin-Spot-ETF misslang nahezu. Die Entscheidung über den Bitcoin-Spot-ETF war äußerst knapp, mit drei Stimmen dafür und zwei dagegen. Zwei Republikaner waren dafür, zwei Demokraten dagegen. Das Pendel entschied sich am Ende beim Chef der US-Börsenaufsicht SEC selbst: Gary Gensler. Es wird gemunkelt, seine Entscheidung sei politisch motiviert. Doch vielleicht ist Gary Gensler auch ein Bitcoiner, der die Adoption der größten Kryptowährung voranbringen möchte. Diese Argumente sprechen für sich.
Bitcoin, kein Krypto: Gary Gensler geht gegen Altcoins vor
Was für den Bitcoin-Maximalisten Gary Gensler spricht, ist seine Haltung gegenüber Ethereum und Co. In dem Brief, der Bitcoin als ETF legitimiert, geht die SEC-Chefin auch gegen Altcoins vor.
"Wichtig ist, dass die heute ergriffene Maßnahme der Kommission auf ETPs abzielt, die einen Rohstoff besitzen, nämlich Bitcoin", steht in dem Brief vom 10. Januar. Die Genehmigung von Bitcoin-ETFs dürfte "keineSIGNAL sein, dass die Kommission bereit ist, Notierungsstandards für Crypto-Wonds gutzuheißen." Gensler fährt fort: "Wie ich früher gesagt habe, ist die überwiegende Mehrheit der Krypto-Assets ein Investitionsvertrag. Als solche fallen sie unter die bundesweiten Wertpapiergesetze."
Effekt vs. Rohstoff
Gensler hat schon lange Kritik an Kryptowährungen mit ICO-Hintergrund. Eine solche "Initial Coin Offering" entspricht einer IPO, die an der Börse bekannt ist. Das bedeutet, dass ein privat geführtes Unternehmen, das erstmals seine Wertpapiere anbietet, sie dem Publikum anbietet. Laut Gensler gilt dies auch für ICO-Projekte, daher sollten Ethereum, Cardano und Co. wie Wertpapiere reguliert werden.
Bitcoin hingegen ist kein Wertpapier. In einem Interview mit Jim Cramer im Jahr 2022 sagte Gensler: "Bitcoin ist die einzige Ware." Die SEC-Chefin stellt die Kryptowährung also mit der Ware Gold gleich. Was braucht es für diesen Vergleich? Ein gutes Verständnis von Bitcoin und Proof of Work.
Stellt Gary Gensler Studierende vor das Bitcoin-Hindernis?
Gary Gensler hat dieses Verständnis zweifellos. Denn: "Bevor er zur SEC kam, war Gensler Professor für Global Economics and Management an der MIT Sloan School of Management", so seine persönliche Beschreibung. In seinen Vorlesungen lehrte er Studierende über Hashfunktionen, Kryptografie und das Byzantinische Generäle-Problem. "Satoshi Nakamoto hat dieses Problem gelöst", erklärt Gensler an der MIT im Jahr 2018.
In der Vorlesung (ab Minute 19:30 geht es um Bitcoin) wird klar: Gary Gensler hat Freude daran, über Bitcoin zu sprechen. Der inzwischen 66-jährige Demokrat erklärt Bitcoin-Pizza-Tag, Dezentralisierung, das Banking the Unbanked und wie Blockchain den Finanzsektor stabilisieren kann.
Das Video ist nur eine Einführung ins Semester am MIT. Die gesamte 23-teilige YouTube-Serie über Bitcoin und Blockchain von Gary Gensler kannst du dir auf YouTube ansehen. Auf X (ehemals Twitter) feiern Nutzer den SEC-Vorsitzenden. "Ich bin eigentlich durch genau diese Vorlesungen zu Bitcoin gekommen. Gary [Gensler] hat mich orange gepilled", heißt es zum Beispiel in einem Beitrag auf X.
Warum übt Gary Gensler Kritik an Bitcoin?
Wenn du Gensler zu Fiatgeld und Proof of Work reden hörst, könntest du denken, er sei ein Bitcoin-Maximalist.
Doch in seiner Stellungnahme zur ETF-Genehmigung kritisiert der SEC-Chef: "Wir haben heute die Auflistung und den Handel bestimmter Spot-Bitcoin-ETFs genehmigt. Aber wir haben Bitcoin weder anerkannt noch genehmigt", schreibt er und verweist darauf, dass die Kryptowährung vor allem einen spekulativen Wert hat und auch für kriminelle Zwecke genutzt wird. Das spricht auf den ersten Blick nicht für eine Bitcoin-Mentalität. Die Definition eines Bitcoiner kann jedoch auch weit interpretiert werden. Vor allem, weil Bitcoin tatsächlich für kriminelle Zwecke genutzt wird, wenn auch nur in kleinem Maß.
Außerdem muss Gary Gensler als Leiter der mächtigsten Regulierungsbehörde der Welt auch so handeln, unabhängig davon, ob dies seiner eigenen Meinung entspricht oder nicht. Aber es war dennoch genug für die Bitcoin-Spot-ETF. Dank (Bitcoin-Maximalist) Gary Gensler.