Binance kauft Circle-Aktien im Wert von 100 Millionen Dollar
Der Deal umfasst auch eine fünfjährige Vertriebsvereinbarung rund um USDC, während Circle in Europa bereits unter MiCA operiert. Binance erhält Stimmrechte, darf die Aktien aber zwei Jahre lang nicht verkaufen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Binance hat für 100 Millionen Dollar Aktien an Circle Internet Group gekauft, dem Unternehmen hinter dem USDC-Stablecoin.
- Die Krypto-Exchange zahlte 80,84 Dollar je Aktie und darf die Papiere zwei Jahre lang nicht verkaufen.
- Circle und Binance haben außerdem einen fünfjährigen kommerziellen Deal zur USDC-Promotion über die Wallet-Software von Circle geschlossen.
Binance hat für 100 Millionen Dollar (87 Millionen Euro) Aktien an Circle Internet Group gekauft, dem Unternehmen hinter dem USDC-Stablecoin. Der Deal wurde durch eine Meldung von Circle bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC bekannt. Binance zahlte 80,84 Dollar (70 Euro) je Aktie, rund 14 % unter dem Schlusskurs vom Montag.
Aktien und Lock-up
Circle gab 1.237.011 Class-A-Aktien an die Krypto-Exchange aus. Die Papiere wurden privat verkauft und fielen damit außerhalb der normalen SEC-Registrierung. Binance darf die Aktien zwei Jahre lang nicht verkaufen und in diesem Zeitraum auch keine absichernden Transaktionen durchführen, um die Beteiligung zu neutralisieren.
Der Lock-up kann früher enden, wenn Binance auf den kommerziellen Teil des Deals verzichtet, unter den in der Filing genannten Bedingungen. Außerdem können beide Parteien die Vereinbarung beenden, wenn bestimmte Ereignisse eintreten. Binance behält jedoch seine vollen Stimmrechte an den Aktien.
USDC-Deal mit mehr als nur Aktien
Neben der Investition haben Circle und Binance eine kommerzielle Vereinbarung über fünf Jahre geschlossen. Binance wird USDC über Circle’s Modular Smart Contract Wallet bewerben, eine Software, mit der eine App oder Exchange digitale Dollar im Namen eines Nutzers verwalten und bewegen kann, ohne dass dieser selbst Private Keys verwalten muss. Circle zahlt Binance dafür eine monatliche Incentive Fee, berechnet als Prozentsatz des USDC, der in dieser Wallet-Infrastruktur liegt. Der genaue Prozentsatz wurde nicht veröffentlicht.
Das Timing ist auffällig. Zwei Tage vor der Unterzeichnung kam der CLARITY Act im US-Senat ins Stocken, woraufhin Circle-Aktien in einer Sitzung um 11 % fielen. Das Gesetz soll klarstellen, welche US-Aufsichtsbehörde für welche digitalen Assets zuständig ist. Seitdem hat sich die Aktie teilweise erholt und schloss am Montag bei 94,49 Dollar (82 Euro). Auch die breitere Debatte über Stablecoin-Erträge spielt eine Rolle: Banken warnen schon länger, dass solche Anreize Einlagen abziehen könnten, wie im Streit um den Stablecoin-Yield.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem relevant, dass Circle mit USDC in der EU bereits eine starke Position hat. Das Unternehmen verfügt über eine MiCA-Electronic-Money-Token-Lizenz, wodurch USDC der größte vollständig autorisierte Stablecoin in Europa ist. Das macht den Distributionsdeal mit Binance nicht nur zu einer US-Aktiengeschichte, sondern auch zu einem Signal dafür, dass die Stablecoin-Distribution in regulierten Märkten immer wichtiger wird.
Der breitere Stablecoin-Markt wächst derweil weiter kräftig. In der ersten Hälfte von 2026 hatte USDC laut dem bereitgestellten Kontext rund 70 % des angepassten Stablecoin-Transaktionsvolumens, während Tether’s USDT auf 25 % kam. Im Juni erreichte das Gesamtvolumen mit 1,79 Billionen Dollar (1,6 Billionen Euro) einen Rekord, wobei USDC für 1,21 Billionen Dollar (1,1 Billionen Euro) stand.
Circle verdient den größten Teil seiner Umsätze mit Zinsen auf Reserven, die für USDC gehalten werden. Das macht Vertriebskosten besonders wichtig, zumal auch große Banken an einem eigenen Stablecoin-Konsortium arbeiten, um Zinserträge womöglich stärker im eigenen Haus zu behalten. Für Circle ist die Frage also nicht nur, wie viel USDC im Umlauf ist, sondern auch, zu welchem Preis diese Distribution erfolgt.