Binance gerät wegen langsamer Weitergabe von Ermittlungsdaten unter Druck
Polizei in fünf europäischen Ländern beklagt, dass Anfragen jetzt über die VAE laufen, wodurch Daten zu Krypto-Scams und Geldwäschefällen später ankommen. Binance sagt, dass es bei akuter Gefahr direkt reagiert.

Wichtigste Erkenntnisse
- Binance steht unter Druck, nachdem The New York Times berichtet hat, dass das Unternehmen Ermittlungsanfragen seit April 2025 anders verarbeitet.
- Viele Anfragen laufen inzwischen über die Vereinigten Arabischen Emirate, wodurch Polizei und Staatsanwälte in mehreren Ländern länger auf Nutzerdaten warten.
- Die Änderung erhöht den Druck auf Binance, das schon länger wegen Compliance und internationalem Datenaustausch im Fokus steht.
Binance steht unter Druck, nachdem The New York Times berichtet hat, dass die Krypto Exchange seit April 2025 Anfragen von Ermittlungsbehörden anders bearbeitet. Nach Angaben der Zeitung erschwert das Polizei und Staatsanwälten in mehreren Ländern den schnellen Zugriff auf Nutzerdaten, gerade in Fällen, in denen es auf Tempo beim Aufspüren von Scammern und beim Einfrieren von Geldern ankommt.
Anfragen laufen jetzt über die VAE
Laut der NYT haben Polizeibeamte aus fünf europäischen Ländern bei einer Konferenz in den Niederlanden Kritik an der neuen Vorgehensweise geäußert. Statt direkt beantwortet zu werden, werden viele Anfragen nun über die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate weitergeleitet, wo Binance unter Abu Dhabi Global Market regulierte Aktivitäten hat. Eine hochrangige europäische Ermittlungsquelle, die von der Zeitung zitiert wurde, sagte, dass sich die Antwortzeiten dadurch deutlich verlängern können.
Bei Fällen mit Material zu Kindesmissbrauch, Terrorismus oder einer unmittelbaren Gefahr für Leib und Leben geht Binance laut der NYT anders vor. In solchen Situationen antworte die Exchange weiterhin direkt. In anderen Fällen müssen ausländische Behörden häufiger auf Mutual Legal Assistance Treaties zurückgreifen, also den formellen Weg der internationalen Rechtshilfe. Das ist rechtlich sauber, kostet aber erfahrungsgemäß mehr Zeit als eine direkte Abstimmung mit einer Krypto Exchange.
Bedeutung für Europa
Für europäische Ermittlungsbehörden dürfte das relevant sein, weil Krypto-Scams und Geldwäschefälle oft sehr schnell abgewickelt werden. Kommen Daten erst später an, wird es schwieriger, Gelder nachzuverfolgen, bevor sie weiter verschoben werden. Die Debatte betrifft damit nicht nur Binance, sondern auch die grundsätzliche Frage, wie weit eine regulierte Krypto Exchange bei der direkten Zusammenarbeit mit Behörden gehen sollte.
Mehr Druck auf Compliance
Der Zeitpunkt ist heikel, weil Binance schon länger wegen Compliance im Fokus steht. Anfang dieses Jahres berichteten The Wall Street Journal und Fortune, das Unternehmen habe Compliance-Mitarbeiter entlassen, die Transaktionen untersucht hätten, die möglicherweise mit Iran in Verbindung standen. Binance wies diese Vorwürfe zurück und erklärte, die Berichte beruhten auf falschen oder verleumderischen Behauptungen.
Gleichzeitig baut das Unternehmen seine internationale Compliance-Struktur weiter aus. Nach jüngeren Angaben beschäftigt Binance inzwischen mehr als 1.500 Mitarbeiter im Compliance-Bereich und bearbeitete 2025 mehr als 71.000 Anfragen von Ermittlungsbehörden weltweit. Das habe zur Beschlagnahmung von mehr als 131 $ Millionen (115 € Millionen) an illegalen Assets geführt. Die Zahlen zeigen, wie groß der operative Druck rund um Aufsicht und Datenaustausch geworden ist, auch wenn die Erwartungen von Behörden und Polizei je nach Jurisdiktion unterschiedlich ausfallen.