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Bitcoin und Ethereum auf Exchanges auf historischem Tiefstand

Santiment sieht die niedrigsten Exchange-Reserven seit 2017 und 2015. Spot-ETFs, Staking und institutionelle Custody machen das alte Bull-Signal jedoch weniger eindeutig.

Bitcoin und Ethereum auf Exchanges auf historischem Tiefstand

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Menge an Bitcoin und Ethereum auf Exchanges ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gefallen.
  • Santiment meldet, dass Bitcoin bei 6,6 Prozent und Ethereum bei 4,3 Prozent des umlaufenden Angebots auf Exchanges liegt.
  • Die niedrigen Exchange-Reserven sind wegen institutioneller Custody, Spot-ETFs, Staking und DeFi weniger eindeutig.

Die Bestände von Bitcoin und Ethereum auf Krypto-Exchanges sind auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Ein automatisches Signal für die nächste Rally ist das aber nicht. Was früher oft als klar bullishes Zeichen gewertet wurde, gilt heute laut Marktteilnehmern als deutlich schwerer zu interpretieren, weil institutionelle Custody, Spot-ETFs und weitere Teile der Krypto-Infrastruktur den Markt inzwischen stärker prägen.

Altes Signal, neuer Markt

Über viele Jahre war die Logik einfach: Wenn weniger Coins auf Exchanges liegen, sinkt das verfügbare Angebot und damit tendenziell auch der Verkaufsdruck. Santiment weist jedoch darauf hin, dass diese Erzählung zwar in sozialen Medien weiter beliebt ist, der Markt heute aber nicht mehr mit den frühen Bitcoin-Jahren vergleichbar ist.

Laut den Daten von Santiment liegt die Exchange Supply bei Bitcoin bei 6,6 Prozent des umlaufenden Angebots, bei Ethereum bei 4,3 Prozent. Das sind die niedrigsten Werte seit 2017 beziehungsweise 2015. Dennoch notierte Bitcoin im gleichen Zeitraum nur bei etwa der Hälfte seines Höchststands. Das zeigt, dass niedrige Exchange-Reserven allein heute keine verlässliche Aussage über eine schnelle Trendwende liefern.

Wohin die Coins jetzt gehen

Dass die sichtbaren Exchange-Bestände sinken, bedeutet inzwischen weniger als früher, weil ein wachsender Teil der Krypto nicht einfach in Cold Storage verschwindet. Ein Teil wandert in Staking, DeFi-Protokolle oder institutionelle Vaults. Das Exposure bleibt damit bestehen, ist auf einer zentralen Exchange aber nicht mehr direkt sichtbar.

Auch Spot Bitcoin ETFs haben dieses Bild verändert. Steigt die Nachfrage nach diesen Fonds, kaufen Emittenten Bitcoin, um neue Anteile zu schaffen. Die Coins wechseln dann häufig von Exchanges oder OTC-Märkten zu institutionellen Custodians wie Coinbase Custody, Fidelity Digital Assets und BitGo. Laut Coinglass halten US-Spot-Bitcoin-ETFs rund 73 $ Milliarden (64 € Milliarden) an Nettovermögen, was mehr als 641.400 BTC entspricht. Ether-ETFs kommen auf etwa 13,7 $ Milliarden (12 € Milliarden) und rund 7,7 Millionen ETH.

Marktbeobachter betonen deshalb, dass die niedrige Exchange Supply vor allem zeigt, wie stark Bitcoin und Ethereum in regulierte Verwahrung und Onchain-Nutzung verlagert wurden. Für europäische Kryptonutzer ist das relevant, weil Liquidität damit zunehmend außerhalb der klassischen Handelsplattformen verteilt ist. Im selben institutionellen Umfeld verwies BlackRock kürzlich auf eine kleine Bitcoin-Allokation als Teil eines breiteren Portfolio-Ansatzes.

Weniger Angebot, mehr Nuance

Nicht alle Marktteilnehmer sehen die aktuellen Daten als direktes Vorzeichen für den nächsten Bull Cycle. Mark Zalan, CEO von GoMining, sagt, dass sinkende Exchange Supply historisch zwar oft mehreren Quartalen mit steigenden Kursen vorausging, warnt aber zugleich davor, dass sich der genaue Wendepunkt nicht bestimmen lässt.

Diese Zurückhaltung passt zu einem Markt, in dem auch andere Akteure immer mehr Coins halten. Laut Bitcoin Treasuries halten börsennotierte Unternehmen, private Unternehmen, Regierungen, DeFi-Protokolle und ETFs zusammen einen großen Teil des Angebots, das nicht mehr aktiv am Markt zirkuliert. Insgesamt liegen fast 11,2 Millionen Bitcoin außerhalb des aktiven Handels, also etwa 56,5 Prozent des aktuellen umlaufenden Bestands.

Damit verliert das alte Signal der Exchange-Reserven nicht an Bedeutung, wird aber deutlich weniger eindeutig. Bei Bitcoin und Ethereum geht es inzwischen weniger um die Frage, ob Coins von Exchanges abgezogen werden, sondern darum, wohin sie fließen und wie liquide diese neuen Verwahrformen in der Praxis tatsächlich sind.


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