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JPMorgan sieht tokenisierte Finanzwelt als größere Gefahr für Bitcoin

JPMorgan verweist auf Banken, die über private Blockchains und tokenisierte Einlagen immer mehr Abwicklung auf eigene Rails verlagern. Das könnte auf Dauer auch öffentliche Netzwerke, darunter Bitcoin, treffen.

JPMorgan sieht tokenisierte Finanzwelt als größere Gefahr für Bitcoin

Wichtigste Erkenntnisse

  • JPMorgan sieht tokenisierte Finanzwelt auf privaten Blockchains als größere langfristige Bedrohung für Bitcoin als MicroStrategy.
  • Mehr als 15 große Banken bauen an permissioned networks für Zahlungen, Einlagen und tokenisierte Assets.
  • JPMorgan erwartet, dass institutionelle Aktivität, Liquidität und Kapital weiter von öffentlichen zu privaten Blockchains wandern könnten.

Mehr als 15 der größten Banken weltweit arbeiten inzwischen an einer tokenisierten Finanzwelt auf privaten Blockchains. Nach Einschätzung von JPMorgan dürfte diese Entwicklung auf längere Sicht für Bitcoin eine größere Herausforderung darstellen als MicroStrategy. Die Bank argumentiert, dass öffentliche Blockchains an Aktivität, Liquidität und Kapital verlieren könnten, wenn Zahlungen und Assets zunehmend auf permissioned networks verlagert werden.

Banken bauen auf eigenen Rails

JPMorgans Kinexys-Plattform hat seit dem Start im Jahr 2020 mehr als 1,5 $ Billionen (1,3 € Billionen) an Transaktionen abgewickelt und verarbeitet inzwischen täglich ein Volumen von mehr als 2 $ Milliarden (1,7 € Milliarden). Die Plattform, die 2024 von Onyx in Kinexys umbenannt wurde, zeigt, wie weit große Finanzinstitute bei Blockchain-Anwendungen jenseits des öffentlichen Kryptomarkts bereits sind.

Dabei geht es nicht nur um JPMorgan. Auf dem Canton Network tokenisiert DTCC die US-amerikanischen Treasuries, die das Unternehmen verwahrt, mit einem Ziel für 2026. HSBC hat dort bereits einen Pilotversuch mit tokenisierten Einlagen abgeschlossen, und Goldman Sachs wickelt tokenisierte Anleihen über dieselben Rails ab. Auch The Clearing House arbeitet gemeinsam mit mehr als 15 großen Banken an einem Netzwerk für tokenisierte Einlagen, dessen Start für 2027 geplant ist.

Warum Bitcoin betroffen sein könnte

In seinem Bericht vom 9. Juli schreibt JPMorgan, dass das größte Risiko für Bitcoin nicht zwingend von einem Unternehmen wie MicroStrategy ausgeht, sondern eher von einer Blockchain-Adoption, die öffentliche Netzwerke umgeht. Banken und andere Institutionen greifen den Analysten zufolge häufiger zu permissioned systems, weil sie dort Governance, Datenschutz und rechtliche Sicherheit besser kontrollieren können.

Die Daten deuten bereits auf eine Verschiebung der institutionellen Nachfrage hin. Canton lag in diesem Jahr bei den Chains mit den höchsten Fee-Einnahmen vorn und kam laut DeFiLlama in den 30 Tagen bis Ende Juni auf rund 60 $ Millionen, verglichen mit 11 $ Millionen (9,6 € Millionen) für Ethereum. Gleichzeitig liegen auf öffentlichen Chains rund 31 $ Milliarden (27,1 € Milliarden) an tokenisierten Real-World Assets (RWAs), davon laut rwa.xyz etwa zwei Drittel auf Ethereum.

JPMorgan geht davon aus, dass ein großer Teil dieser Emission und Abwicklung mit wachsendem Markt weiter auf permissioned Rails wandern könnte. MicroStrategy stuft die Bank dabei als sekundären Faktor ein: Das Unternehmen hält rund 4 Prozent des Bitcoin-Bestands, sorgt nach Einschätzung der Analysten aber vor allem für kurzfristige Volatilität und nicht für eine strukturelle Bedrohung.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Interessierte ist vor allem relevant, dass Tokenisierung nicht nur neue Produkte betrifft, sondern auch die Frage, wer die Infrastruktur kontrolliert. Wenn große Banken ihre eigenen Settlement- und Einlagennetzwerke ausbauen, könnte das die Rolle öffentlicher Blockchains in institutionellen Märkten anders prägen, als viele Krypto-Anleger es bisher gewohnt sind. Damit rückt Bitcoin weniger als reines Kursthema in den Fokus, sondern stärker als Frage, wo sich Finanzaktivität in den kommenden Jahren bündeln dürfte.

Auch bei börsennotierten Bitcoin-Treasuries verschiebt sich das Kräfteverhältnis. In einer aktuellen Analyse zu Strategy wurde bereits argumentiert, dass Institutionen als Käufer eine größere Rolle übernehmen könnten, weil MicroStrategy nicht mehr automatisch die dominante Nachfragequelle ist.


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