Finst

Hougan: MicroStrategy ist wohl nicht mehr der größte Bitcoin-Käufer

Strategy kann laut Bitwise nicht mehr nur als struktureller Bitcoin-Käufer gesehen werden; der neue Kapitalplan erlaubt auch Verkäufe für Dividenden und Reserven.

Hougan: MicroStrategy ist wohl nicht mehr der größte Bitcoin-Käufer

Wichtigste Erkenntnisse

  • Matt Hougan geht davon aus, dass MicroStrategy wahrscheinlich nicht mehr der größte strukturelle Käufer von Bitcoin bleibt.
  • Strategy hat Ende Mai 32 BTC verkauft und mit dem Digital Credit Capital Framework mehr Spielraum erhalten, Bitcoin auch zu veräußern.
  • Hougan rechnet damit, dass institutionelle Akteure wie Banken, Vermögensverwalter und ETFs die entstehende Kauf-Lücke zumindest teilweise schließen.

Bitwise-CIO Matt Hougan hält es für wahrscheinlich, dass MicroStrategy seine Rolle als mit Abstand größter Käufer von Bitcoin verloren hat. Aus seiner Sicht befindet sich das Treasury-Unternehmen inzwischen in einer Phase, in der es je nach Marktlage nicht nur weiter zukaufen, sondern auch Bitcoin verkaufen kann.

Der Richtungswechsel fällt in eine Phase, in der die Preferred Stock von Strategy, der Muttergesellschaft hinter MicroStrategy, deutlich unter Druck steht. Zugleich verschafft ein neuer Kapitalplan dem Unternehmen mehr Flexibilität, Bitcoin für drei Zwecke zu veräußern, darunter zur Bedienung von Dividendenverpflichtungen.

Von der Einbahnstraße zur Flexibilität

Über Jahre hinweg war Strategy laut Hougan eine nahezu konstante Quelle für Bitcoin-Nachfrage. Das Unternehmen baute seine Position über ATM-Equity und Preferred-Stock-Emissionen auf und kaufte damit häufig Tausende BTC pro Woche. In diesem Jahr hat sich dieser Ansatz sichtbar verändert: Zwischen dem 26. und 31. Mai verkaufte das Unternehmen 32 BTC für rund $2,5 Millionen (€2,2 Millionen) und damit erstmals wieder seit Dezember 2022.

Auch am Markt für die Finanzierungspapiere wurde der Druck deutlich. STRC, das perpetual preferred equity von Strategy, fiel vergangene Woche auf ein Rekordtief von 71,2, während Bitcoin unter $60.000 (€52.600) rutschte. Hougan bezeichnete STRC sogar als einen der wichtigsten Faktoren hinter dem Bitcoin-Rückgang in diesem Zeitraum.

Was das für Bitcoin bedeutet

Am 29. Juni 2026 stellte Strategy sein Digital Credit Capital Framework vor. Damit kann das Unternehmen in regelmäßigen Abständen BTC verkaufen, um bis zu $1,25 Milliarden (€1,1 Milliarden) für seine Dollarreserve aufzubauen, Dividenden- und Zinsverpflichtungen zu decken, wenn das günstiger ist als eine neue Aktienemission, sowie Aktien oder Schulden zurückzukaufen.

Hougan wertet das als strukturelle Verschiebung. Er erwartet nicht, dass Strategy zu einem großen Netto-Verkäufer wird, geht aber davon aus, dass das Unternehmen nicht mehr automatisch der dominante Käufer bleibt. Sollte sich Bitcoin erholen, könnte Strategy laut ihm wieder zum Netto-Käufer werden, auch wenn das Unternehmen in der nächsten Zyklusphase wohl weniger prägend sein dürfte als zuvor.

Institutionelle Käufer füllen die Lücke

Sollte Strategy weniger aggressiv auftreten, rechnet Hougan damit, dass institutionelle Marktteilnehmer einen Teil dieser Rolle übernehmen. Er nennt dabei unter anderem Banken, Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Endowments, Sovereign Wealth Funds und Finanzberater als zentrale Kapitalquellen im Markt.

Er verweist außerdem auf Hinweise, dass dieser Wandel bereits begonnen hat. Morgan Stanley hat kürzlich eigene Bitcoin-ETFs eingeführt, Wells Fargo nimmt Bitcoin in Modellportfolios auf, und mehrere Sovereign Wealth Funds sowie Sovereign Banks sollen Bitcoin bereits halten oder entsprechende Prüfungen angestoßen haben. Zudem merkt Hougan an, dass Bitcoin-ETFs im Jahr 2026 Abflüsse verzeichnet haben, seit dem Start 2024 aber zusammen bereits mehr als $50 Milliarden (€43,9 Milliarden) eingesammelt haben.

Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass der Markt offenbar weniger stark von einem einzelnen Großkäufer abhängt. Strategy hat lange gezeigt, wie stark ein einzelnes Krypto-Unternehmen die Bitcoin-Story prägen kann. Das Wachstum von ETFs und institutionellen Allokationen dürfte dieses Kräfteverhältnis jedoch schrittweise verschieben. Damit rückt die Frage, wer der nächste strukturelle Käufer wird, stärker in den Vordergrund als die Frage, ob ein Unternehmen noch eine Zeit lang weiter akkumuliert.

Strategy’s neuer Kapitalplan und die Diskussion um STRC passen in eine breitere Neubewertung des Unternehmens. JPMorgan hatte zuvor bereits gewarnt, dass die Möglichkeit, Bitcoin gezielt zu verkaufen, zusätzliche Volatilität in den Markt bringen könnte.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.