JPMorgan warnt vor zusätzlichem Bitcoin-Risiko bei Strategy
JPMorgan befürchtet, dass Strategy mit 847.363 BTC in der Bilanz durch selektive Verkäufe die Liquidität und Preisbildung von Bitcoin zusätzlich unter Druck setzen könnte.

Wichtigste Erkenntnisse
- JPMorgan hält es für unnötig riskant, dass Strategy unter bestimmten Bedingungen Bitcoin verkauft, um Preferred-Dividenden zu bedienen.
- Mit 847.363 BTC in der Bilanz und damit rund 4 Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots hat Strategy erheblichen Einfluss auf die Marktstruktur.
- Die Bank sieht einen höheren Bedarf an Dollarreserven und verweist auf eine schwächere Nachfrage nach US-Spot-Bitcoin-ETFs sowie auf offene Marktstrukturgesetze.
JPMorgan sieht in der neuen Regelung von Strategy, Bitcoin bei Bedarf selektiv für Preferred-Dividendenzahlungen zu verkaufen, einen zusätzlichen Risikofaktor für den Kryptomarkt. Aus Sicht der Bank steigt damit die Unsicherheit rund um Bitcoin, zumal Strategy zu den größten Unternehmenshaltern der Kryptowährung zählt und entsprechend stark auf die Marktstruktur wirkt.
Neues Modell setzt den Markt unter Druck
Strategy hat in dieser Woche eine Kapitalstruktur festgelegt, die dem Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen den Verkauf von Bitcoin zur Zahlung von Preferred Dividends erlaubt. Zugleich erhielt der Vorstand mehr Spielraum für Rückkäufe von Preferred Stock und für Buybacks. Zusätzlich definiert das Unternehmen eine Mindest-Cashreserve für 12 Monate an Preferred-Dividenden und Zinsen. Das entspricht rund $2,55 Milliarden (€2,2 Milliarden) und damit ungefähr 17 Monaten an Verpflichtungen.
JPMorgan hält diese Absicherung jedoch nicht für ausreichend. Die Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou argumentieren, dass eher 24 bis 36 Monate abgedeckt sein sollten, um Anlegern mehr Sicherheit zu geben. Denkbar wäre aus Sicht der Bank eine zusätzliche Ausgabe von Stammaktien, um die Dollarreserven zu erhöhen, selbst wenn diese Aktien unter NAV gehandelt würden. Ziel ist es vor allem, einen kurzfristigen Bitcoin-Verkauf durch Strategy möglichst zu vermeiden.
Warum Strategy so stark ins Gewicht fällt
Strategy, früher als MicroStrategy bekannt, hat sich im August 2025 als Bitcoin Development Company neu aufgestellt. Damit ist das Unternehmen längst mehr als ein klassischer börsennotierter Käufer: Es fungiert als Vehikel für eine groß angelegte Bitcoin-Akkumulation, unter anderem über Cashreserven, wandelbare Anleihen, High-Yield Debt, At-the-Market-Equity-Offerings und wandelbare Vorzugsaktien.
Nach den von JPMorgan zitierten Daten hält Strategy 847.363 BTC in der Bilanz, also etwa 4 Prozent des gesamten Bitcoin-Bestands. Die Bank schätzt außerdem, dass das Unternehmen in diesem Jahr bereits für rund $13,7 Milliarden (€12 Milliarden) Bitcoin gekauft hat. Das entspräche ungefähr 70 Prozent des gesamten Nettozuflusses in digitale Assets, den JPMorgan für den Markt erwartet. Wenn ein so großer Käufer zeitweise auch als Verkäufer auftritt, dürfte das die Liquidität und Preisbildung von Bitcoin spürbar beeinflussen.
Die neue Kapitalstruktur ist Teil einer breiteren Refinanzierung der Bilanz von Strategy. In einer jüngeren Übersicht zu diesem Ansatz wurde ebenfalls deutlich, dass das Unternehmen Buybacks und Bitcoin-Verkäufe nebeneinanderstellt, um Liquidität und Preferred Payments abzusichern.
Relevanz für europäische Krypto-Leser
Das Timing ist auch deshalb relevant, weil die Nachfrage nach US-amerikanischen Spot Bitcoin-ETFs in den vergangenen Monaten spürbar nachgelassen hat. JPMorgan weist darauf hin, dass diese Fonds im Juni einen Rekordabfluss von $4 Milliarden (€3,5 Milliarden) verzeichneten, nachdem es zuvor 13 Tage in Folge Rückgaben gegeben hatte. Für europäische Krypto-Leser zeigt das, wie stark der Markt weiterhin von wenigen großen Kapitalströmen abhängt, von ETFs bis hin zu Unternehmensbilanzen.
Die Bank verknüpft die breitere Marktstimmung zudem mit der Debatte um US-Marktstrukturgesetze. Nach Einschätzung von JPMorgan könnte ein stärkeres zweites Halbjahr davon abhängen, dass Strategy mehr Cash auf der Bilanz hält und dass offene Krypto-Marktstrukturgesetze von US-Gesetzgebern verabschiedet werden.