Bitcoin gerät nach Rekordabflüssen aus ETFs weiter unter Druck
Santiment sieht seit Mai Abflüsse von 8,475 Milliarden $ aus Bitcoin-ETFs, während Glassnode meldet, dass mehr BTC im Minus sind. Analysten verweisen auf mögliche Seller Exhaustion, warnen aber vor zusätzlicher Volatilität.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bitcoin fiel im Juni um 20,48 % und hatte damit seinen schwächsten Monat seit Juni 2022.
- Bitcoin-ETFs verzeichneten seit dem 6. Mai Nettoabflüsse von 8,475 Milliarden $, was laut Santiment auf Angst und Retail-Kapitulation hindeutet.
- Glassnode meldet, dass 10,83 Millionen BTC im Minus sind, während Langfristhalter wieder mit dem Akkumulieren beginnen.
Bitcoin hat im Juni seinen schwächsten Monat seit Juni 2022 erlebt. Der Kurs gab um 20,48 % nach, während die Nachfrage spürbar nachließ und der Markt klar von einer Risk-off-Stimmung geprägt war. Parallel dazu deuten mehrere On-Chain-Daten darauf hin, dass der Verkaufsdruck noch nicht vollständig abgeklungen ist. Einige Analysten sehen allerdings bereits erste Hinweise auf Seller Exhaustion.
ETF-Abflüsse belasten die Stimmung
Santiment meldete, dass Bitcoin ETFs seit dem 6. Mai Nettoabflüsse von insgesamt 8,475 Milliarden $ (7,4 Milliarden €) verzeichnet haben. Nach Einschätzung des Analyseunternehmens ist das vor allem ein aussagekräftiger Stimmungsindikator und weniger ein direkter Hinweis auf einen bevorstehenden Crash. Hintergrund ist die Beobachtung, dass sich Märkte häufig entgegen den Erwartungen der breiten Masse entwickeln.
Santiment zufolge sprechen die anhaltenden Abflüsse vor allem für Frust, Angst und eine Kapitulation von Retail-Anlegern. Je länger diese Serie roter Tage anhält, desto stärker verdichtet sich laut dem Unternehmen das Bild, dass Bitcoin sich einer möglichen Bodenbildung nähert. Das bedeutet nicht, dass der Verkaufsdruck sofort endet. Es legt aber nahe, dass viele schwächere Marktteilnehmer den Markt bereits verlassen haben könnten.
Mehr BTC notieren im Minus
Auch Glassnode zeichnet ein schwächeres Bild der Marktstruktur. Den Daten zufolge liegen aktuell rund 10,83 Millionen BTC im Minus, während 9,22 Millionen BTC im Plus sind. Damit hat sich die Profitabilität in diesem Zyklus deutlich verschlechtert.
Historisch fiel der Punkt, an dem mehr Angebot im Verlust als im Gewinn notierte, häufiger mit finanziellen Spannungen und Kapitulation unter neueren Marktteilnehmern zusammen. Gleichzeitig beobachtet Glassnode, dass Langfristhalter wieder mit dem Akkumulieren beginnen. Das Unternehmen weist jedoch darauf hin, dass vor einer stabileren Erholung noch ein letzter Schub an Volatilität möglich bleibt.
Bedeutung für europäische Trader
Für europäische Krypto-Trader ist vor allem relevant, dass mehrere Signale gleichzeitig in dieselbe Richtung zeigen: schwache Nachfrage, hohe ETF-Abflüsse und ein Markt, in dem viele jüngere Käufer im Minus sind. Das spricht dafür, dass Bitcoin sich in einer Phase der Neubewertung befinden könnte, sagt aber noch nichts Verbindliches über den exakten Wendepunkt aus.
Analyst Darkfost verwies zudem auf das Net UTXO Supply Ratio, das seit einer Woche negativ ist und bei -0,075 lag. Seiner Einschätzung nach war ein vergleichbarer Wert zuletzt Ende 2022 zu sehen, also am Ende des Bear Market. Er betonte allerdings, dass ein solches Signal keinen Boden garantiert, sondern eher darauf hindeutet, dass Seller Exhaustion zunimmt und neue Nachfrage Zeit brauchen dürfte, um zurückzukehren.
Die anhaltenden Abflüsse fügen sich in einen breiteren Trend schwacher institutioneller Nachfrage ein. Auch die US-Spotfonds haben in den vergangenen Wochen bereits deutliche Rückgänge verzeichnet, was den Druck auf den Markt zusätzlich erhöht hat.