Compass Point sieht AI-Standorte von Cipher und TeraWulf als unterbewertet
Compass Point verweist auf unterbewertete AI-Datacenter bei Cipher, TeraWulf und Applied Digital. Die Bank sieht vor allem den Wert langfristiger Kundenverträge noch nicht in den Aktienkursen reflektiert.

Wichtigste Erkenntnisse
- Compass Point hält mehrere ehemalige Bitcoin-Miner, die ihre Standorte zu AI-Datacentern umbauen, darunter Cipher und TeraWulf, für zu niedrig bewertet.
- Nach Einschätzung der Analysten sollten unterzeichnete Kundenverträge und künftige Mieteinnahmen stärker ins Gewicht fallen als die klassische Mining-Bewertung.
- Core Scientific und Riot Platforms sind laut Compass Point anders positioniert, während die Branche in den kommenden zwei Jahren einen Wendepunkt erreichen könnte.
Compass Point ist der Ansicht, dass mehrere Unternehmen, die frühere Bitcoin-Mining-Standorte zu AI-Datacentern umbauen, an der Börse womöglich unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Aus Sicht der Analysten wird vor allem bereits gesicherten Kundenverträgen noch zu wenig Bedeutung beigemessen, obwohl genau diese Vereinbarungen für die Bewertung dieser Krypto-Unternehmen zunehmend zentral sind.
Verträge statt Mining
Die Analysten Michael Donovan und Ed Engel haben ein Modell entwickelt, das den Wert langfristiger AI-Leases von Projekten trennt, für die noch kein Kunde feststeht. Ihr Grundgedanke: Diese Unternehmen sollten immer stärker als Betreiber von Infrastruktur mit wiederkehrenden Mieteinnahmen gesehen werden und weniger als klassische Bitcoin-Miner, deren Erträge stark vom Bitcoin-Preis abhängen.
Für die Berechnung setzt Compass Point die erwarteten Mieteinnahmen aus bestehenden Verträgen an, zieht die noch offenen Baukosten ab und stellt das Ergebnis dem Enterprise Value der jeweiligen Unternehmen gegenüber. Auf diese Weise will die Bank abschätzen, wie viel Anleger faktisch für künftige, noch nicht vermietete Expansion bezahlen.
Nach diesem Ansatz zeigen Applied Digital, TeraWulf und Cipher Mining die größte Lücke zwischen dem vertraglich abgesicherten Geschäft und ihrer aktuellen Bewertung. Compass Point sieht dort für zusätzliche, noch nicht vermietete AI-Kapazität kaum bis gar keinen Wert, obwohl diese Projekte nach ihrer Fertigstellung zusätzliche Mieteinnahmen bringen könnten.
Was das für die Branche bedeutet
Die Analyse fügt sich in einen breiteren Wandel im Krypto-Sektor ein, bei dem ehemalige Mining-Unternehmen ihre Infrastruktur zunehmend auf AI-Workloads ausrichten. Hintergrund ist ein schnell wachsender Markt für AI-Datacenter, höhere CapEx bei großen Cloud-Anbietern und eine weiter steigende Nachfrage nach Rechenleistung und Strom.
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass sich die Bewertung dieser Unternehmen immer weniger nur um ihre Krypto-Exponierung dreht und stärker um Infrastruktur, Verträge und die Umsetzung der Projekte. Sollte die Branche in den nächsten Jahren tatsächlich von Ankündigungen zu fertigen Standorten übergehen, könnte sich auch die Wahrnehmung dieser Aktien verändern, auch wenn damit noch nicht feststeht, wie der Markt sie am Ende bewerten wird.
Core Scientific und Riot fallen auf
Core Scientific und Riot Platforms heben sich laut Compass Point aus unterschiedlichen Gründen von der Gruppe ab. Bei Core Scientific sind die bestehenden Verträge bereits weitgehend eingepreist, sodass zusätzliches Potenzial vor allem von neuen Kunden abhängt. Riot wird dagegen stärker auf künftige Chancen als auf aktuelle Lease-Einnahmen bewertet, unter anderem wegen des Corsicana-Campus und der breiteren AI-Pipeline, während die vertraglich gesicherte Kapazität derzeit noch begrenzt ist.
Compass Point rechnet damit, dass die kommenden zwei Jahre für die Branche zu einem Wendepunkt werden könnten. Wenn Projekte fertiggestellt werden, Mieter einziehen und Zahlungen anlaufen, dürfte klarer werden, wie viel wiederkehrenden Cashflow diese Standorte tatsächlich erzeugen können.