Temasek setzt nach FTX-Verlust lieber auf KI als auf Krypto
Der singapurische Staatsinvestor baut sein KI-Engagement bis 2031 aus, während die Folgen von FTX und strengere MAS-Regeln Krypto weiter auf Abstand halten.

Wichtigste Erkenntnisse
- Temasek will sein KI-Engagement von 6 Prozent im ersten Quartal 2026 auf 15 Prozent im Jahr 2031 erhöhen.
- Der singapurische Staatsinvestor hat keine direkten Krypto-Investitionen und bleibt nach dem Verlust von 275 Millionen Dollar bei FTX vorsichtig.
- Temasek beobachtet Blockchain-Technologie weiter, setzt wegen regulatorischer Unsicherheit und Bewertungen aber Priorität auf die breitere KI-Wertschöpfungskette.
Temasek Holdings gewichtet KI bei der Kapitalallokation derzeit klar höher als Krypto. Die staatliche Investmentgesellschaft aus Singapur plant, den Anteil an KI von 6 Prozent im ersten Quartal 2026 auf 15 Prozent im Jahr 2031 zu steigern. Zugleich betont das Unternehmen, dass es keine direkten Krypto-Investitionen hält, und bleibt angesichts regulatorischer Unsicherheit sowie der Folgen des FTX-Zusammenbruchs zurückhaltend.
FTX wirkt weiter nach
Im Jahr 2022 musste Temasek auf seine Beteiligung an der zusammengebrochenen Krypto-Exchange FTX eine Abschreibung von 275 $ Millionen (241 € Millionen) vornehmen. Dieser Verlust prägt bis heute die Sicht des Unternehmens auf den Kryptomarkt. Nagi Hamiyeh, Präsident von Temasek Global Investments, sagte gegenüber CNBC, dass das Unternehmen keine direkte Krypto-Position habe und auch nicht abschätzen könne, welche Rolle Krypto in der breiteren Wirtschaft künftig spielen werde, unter anderem mit Blick auf die weitere Regulierung.
Auch der Standort Singapur spielt dabei eine wichtige Rolle. Nach dem Zusammenbruch von FTX und weiteren Rückschlägen rückten der unzureichende Verbraucherschutz und die Risiken des Sektors stärker in den Fokus. Daraufhin verschärfte die Monetary Authority of Singapore die Aufsicht. Für Kryptounternehmen bedeutete das unter anderem höhere Compliance-Kosten und längere Lizenzverfahren.
KI bekommt Priorität
Nach Einschätzung von Hamiyeh steht der KI-Zyklus noch am Anfang und könnte sich über Jahrzehnte entwickeln. Gleichzeitig warnte er davor, dass die Bewertungen in Teilen des Marktes den Fundamentaldaten bereits vorausgeeilt seien. Temasek schaut dabei nicht nur auf Modelle und Software, sondern auf die gesamte KI-Wertschöpfungskette, also auch auf Energie, Rechenzentren, Halbleiter, Cloud-Services und KI-Anwendungen.
Das Unternehmen mit einem Portfolio von rund 518 Milliarden Singapur-Dollar beobachtet Blockchain-Technologie zwar weiterhin. Temasek sieht dort nach wie vor Potenzial für Anwendungen in der Realwirtschaft, auch wenn der direkte Investitionsschwerpunkt inzwischen klar in Richtung KI verschoben wird. Das passt zu einem breiteren Trend, bei dem Kryptounternehmen ihre Infrastruktur und ihr Kapital zunehmend in KI-nahe Geschäftsbereiche lenken, etwa bei Bitcoin-Minern, die auf KI-Deals setzen.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Beobachter zeigt dieser Schritt, wie sich institutionelle Kapitalströme zwischen Krypto und KI verschieben können, wenn Aufsicht und Bewertungen sich verändern. Temasek ist kein kleiner Marktteilnehmer, und die Entscheidung eines großen Staatsinvestors, Krypto vorerst zurückzustellen, dürfte deshalb auch Rückschlüsse auf die Stimmung professioneller Anleger in der Region zulassen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Blockchain als Technologie nicht automatisch dieselbe Investitionspriorität erhält wie Tokens oder Krypto-Exchanges.