Cardano übergibt Kernsoftware an externe Teams
Input Output übergibt die Wartung von Haskell, Plutus und Hydra an Teams wie Se7en Labs und Teragone. Der Schritt soll Cardano weniger abhängig von einer einzelnen Partei machen, während Voltaire und On-Chain-Governance weiterlaufen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Input Output gibt die Kontrolle über zentrale Teile von Cardanos Infrastruktur an externe Teams ab, um die Abhängigkeit vom ursprünglichen Entwickler zu reduzieren.
- Die Übergabe startet im August und soll bis 2027 laufen. Betroffen sind unter anderem die Haskell-Node, Plutus, Daedalus, Hydra und Developer Relations.
- Der Schritt fügt sich in Cardanos Voltaire-Phase ein: Die Governance ist bereits dezentraler organisiert, nun soll auch die Softwarewartung breiter verteilt werden.
Cardano-Entwickler Input Output überträgt die Verantwortung für zentrale Teile der Blockchain-Infrastruktur an externe Teams. Ziel ist es, Cardano weniger abhängig von dem Unternehmen zu machen, das das Netzwerk ursprünglich aufgebaut hat, und den Weg in Richtung vollständiger Dezentralisierung weiterzugehen.
Übergabe zentraler Komponenten
Von der Umstellung sind mehrere Kernbereiche des Netzwerks betroffen, darunter die Haskell-Node, die Plutus-Smart-Contract-Plattform, die Daedalus-Wallet, die Hydra-Scaling-Technologie und die Developer Relations. Nach Angaben von Input Output soll der Prozess im August beginnen und sich bis 2027 hinziehen.
Bei der Umsetzung arbeiten spezialisierte Teams mit, darunter Se7en Labs und Teragone. Se7en Labs ist auf Blockchain-Infrastruktur fokussiert, während Teragone an Mithril arbeitet, dem stake-basierten Signaturprotokoll von Cardano. Künftig sollen außerdem unabhängige Teams mindestens drei Cardano-Implementierungen in Haskell, Rust und Go betreuen.
Voltaire-Phase läuft weiter
Der Schritt passt in Cardanos breitere Roadmap, in der die Phasen Byron, Shelley, Goguen, Basho und Voltaire jeweils unterschiedliche Aufgaben in der Entwicklung des Netzwerks übernommen haben. Mit Voltaire wurde bereits ein On-Chain-Governance-System eingeführt, über das ADA-Inhaber per dezentralem Abstimmungsmechanismus über die Ausrichtung des Netzwerks mitentscheiden können.
Laut Input Output besteht der nächste Schritt nun darin, nicht nur die Governance, sondern auch die Wartung der Software breiter aufzustellen. Formale Spezifikationen stehen dabei unter der Aufsicht von Mitgliederorganisationen wie Intersect und Pragma, während die Entwicklung weiterhin von Community-Reviews und Abstimmungen begleitet wird.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Beobachter ist das vor allem deshalb interessant, weil Cardano damit testet, ob sich eine Blockchain auch auf technischer Ebene stärker von einem einzelnen Unternehmen lösen kann. Das dürfte für die Einschätzung der Robustheit des Netzwerks durch Entwickler, Validatoren und Nutzer relevant sein. Zugleich zeigt der Zeitpunkt der Ankündigung, dass Dezentralisierung nicht nur eine Governance-Frage ist, sondern auch davon abhängt, wer den Code langfristig pflegt.
Die Mitteilung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Cardano mit schwacher Netzwerkaktivität zu kämpfen hat. DeFi-Einnahmen und andere Nutzungskennzahlen stehen schon länger unter Druck, während Rivalen wie Tron und Solana laut dem genannten Vergleich deutlich mehr Kapital anziehen. Auch ADA selbst bleibt unter Druck: Der Token wurde am Freitag bei rund 16 Cent gehandelt, fast 95 Prozent unter dem Höchststand von 3,10 $ (2,71 €) im September 2021.
Charles Hoskinson, Mitgründer von Cardano, bezeichnete die Übergabe als die letzte Phase der Voltaire-Ära auf dem Weg zu einer vollständigen Dezentralisierung der Node- und Reference-Blueprint-Entwicklung. Zudem sagte er, Cardano brauche mehr spezialisierte Teams, um Ziele zu definieren und Ressourcen zu verteilen, während sich Input Output stärker auf Forschung und neue Initiativen über IO Labs und IO Ventures konzentrieren werde.