Hoskinson wirft Ethereum vor, Cardanos EUTXO-Modell zu kopieren
Die Debatte dreht sich um Ethereums State-Wachstum und einen Vorschlag für temporäre Zahlungen, während Hoskinson auf Cardanos EUTXO-Modell und die Rivalität zwischen beiden Netzwerken verweist.

Wichtigste Erkenntnisse
- Charles Hoskinson wirft Ethereum vor, Cardanos EUTXO-Modell zu kopieren, ohne Cardano dabei zu erwähnen.
- Ethereum-Researcher Toni Wahrstätter hat einen Entwurf vorgestellt, der Zahlungen als temporäre Objekte behandelt und den dauerhaften State deutlich verkleinern könnte.
- Die Marktreaktion blieb bisher begrenzt; der Vorschlag ist noch Forschung und muss später noch durch Review und möglicherweise einen Hard Fork.
Cardano-Gründer Charles Hoskinson hat Ethereum vorgeworfen, sich bei Cardanos EUTXO-Modell zu bedienen, nachdem ein neuer Forschungsentwurf der Ethereum Foundation die Debatte über das State-Wachstum erneut angestoßen hat. Nach Hoskinsons Darstellung wird Cardano dabei ausgeblendet, obwohl Ethereum offenbar Elemente des Designs übernimmt.
Neuer Vorschlag für Ethereum
Ethereum-Foundation-Researcher Toni Wahrstätter hat in dieser Woche einen Entwurf veröffentlicht, der Zahlungen als One-Shot-Objects behandelt, also als temporäre Einträge statt als dauerhafte State-Records. Der Gedanke dahinter: Eine einfache Zahlung muss nicht bei jeder Ausführung einen bleibenden Account-Eintrag erzeugen, sondern kann über historische Daten nachgewiesen werden und hinterlässt anschließend nur noch einen Spent-Marker im State.
Wahrstätter zufolge könnte dieser Ansatz den dauerhaften State bei Payment-Workloads um rund 99,8 Prozent senken. Ein neuer Account-Eintrag belegt nach seinen Angaben etwa 100 bis 150 Bytes, während eine native UTXO nur rund 0,3 Bytes hinterlässt. Der Vorschlag knüpft an EIP-8141, den Frame-Transactions-Standard, an und passt zu Vitalik Buterins breiterer Lean-Ethereum-Roadmap, die ebenfalls auf ein schlankeres Protokoll abzielt.
Warum Hoskinson so scharf reagiert
Hoskinson bezeichnet EUTXO als die größte Innovation im Bereich der Smart Contracts und sagte, Ethereum versuche, dieses Modell zu kopieren, ohne Cardano zu erwähnen. Er ging noch weiter und erklärte, dass Cardano in Ethereum-Kreisen nahezu ein Tabuthema sei. Die Wortwahl passt zu der seit Längerem bestehenden Rivalität zwischen beiden Projekten, zumal Hoskinson 2014 selbst Mitgründer von Ethereum war, bevor er Cardano nach Streit über die Organisationsstruktur aufbaute.
Technisch ist der Unterschied klar. Ethereum arbeitet mit einem account-basierten Modell, bei dem jeder Adresssaldo direkt im globalen State aktualisiert wird. Cardanos EUTXO-Modell, das auf Bitcoins UTXO-Ansatz aufbaut, behandelt Transaktionen dagegen als eigenständige Einheiten, die bestehende Outputs verbrauchen und neue erzeugen. Das macht die Validierung berechenbarer und kann parallele Verarbeitung effizienter machen.
Bisher nur begrenzte Marktreaktion
Am Markt blieb die Reaktion bislang verhalten. ADA notiert bei rund 0,17 $ (0,15 €) nach einem Wochenplus von 12,5 Prozent, während ETH bei rund 1.754 $ (1.530 €) gehandelt wird und eine Marktkapitalisierung von 211 $ Milliarden (185 € Milliarden) hat. Wahrstätters Vorschlag ist zudem weiterhin ein Forschungsbeitrag; eine formelle EIP liegt noch nicht vor, und eine Änderung dieser Größenordnung würde später zusätzlich Community-Review und einen Hard Fork erfordern.
Für europäische Krypto-Interessierte ist vor allem relevant, dass diese Debatte zeigt, wie schnell technische Fragen rund um State, Skalierbarkeit und Smart Contracts zu einem breiteren Wettbewerb um Anerkennung und Einfluss werden können. Solche Diskussionen dürften auch beeinflussen, wie Entwickler und institutionelle Marktteilnehmer langfristig auf Ethereum und Cardano blicken, ohne dass sich daraus bereits eine direkte Marktfolgerung ableiten lässt.