Clarity Act verschiebt sich auf September, während Banken weitermachen
Der Senat verschiebt das Marktstrukturgesetz auf September, während JPMorgan, Citi und andere Banken bereits tokenisierte Einlagen und Onchain-Settlement ausrollen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Der US-Senat hat die Clarity Act auf September verschoben, wodurch die Regeln für digitale Asset-Märkte vorerst unklar bleiben.
- Banken machen derweil mit tokenisierten Einlagen, Onchain-Settlement und neuer Zahlungsinfrastruktur weiter, unter anderem bei JPMorgan, Citi und The Clearing House.
- Die Kernfrage ist die Interoperabilität zwischen Banknetzwerken, während die Clarity Act vor allem rechtliche Unsicherheit verringern könnte, ohne diese Verbindung direkt zu regeln.
Der US-amerikanische Senat hat die Clarity Act auf September verschoben. Nach monatelangen Beratungen ging der Vorschlag zur Marktstruktur ohne abschließende Abstimmung in die Augustpause, wodurch die Regeln für digitale Asset-Märkte noch mindestens einige Wochen unklar bleiben. Banken warten darauf nicht. Sie geben tokenisierte Einlagen aus, testen Onchain-Settlement und bauen neue Rails für kommerzielles Bankgeld auf.
Banken bauen bereits weiter
JPMorgan verarbeitet seit Jahren institutionelle Zahlungen über Kinexys und meldete mehr als 3 Billionen Dollar (2,6 Billionen Euro) an kumuliertem Transaktionswert. Das Unternehmen bietet inzwischen auch JPMD an, einen Deposit Token für institutionelle Kunden. Citi nutzt Token Services für Cross-Border-Treasury in vier Märkten. Im Juni kündigten siebzehn große Finanzinstitute, darunter JPMorgan, Bank of America, Citi und Wells Fargo, an, dass The Clearing House tokenisierte Einlagen onchain clearen und settlen wird, mit einem geplanten Start im Jahr 2027.
Die Bewegung beschränkt sich nicht auf die größten Banken. Im März wurden Huntington, First Horizon, M&T Bank, KeyCorp und Old National Design-Partner bei Cari Network, einem von Banken gesteuerten Netzwerk für tokenisierte Einlagen unter der Leitung des ehemaligen Comptroller of the Currency Gene Ludwig. In den vergangenen vier Monaten kamen mehr als 30 Institute hinzu, und weitere 40 befinden sich in aktiven Gesprächen, zusammen mit Instituten mit mehr als 10 Billionen Dollar (8,6 Billionen Euro) an kombinierten Assets.
Warum Interoperabilität zählt
Im Kern geht es in der Debatte nicht darum, ob Banken Einlagen onchain bringen, sondern darum, ob diese Systeme miteinander kommunizieren können. Eine tokenisierte Einlage bleibt ein Anspruch auf eine bestimmte Bank. Ein Token-Dollar von JPMorgan und ein Token-Dollar einer Regionalbank sind also unterschiedliche Verbindlichkeiten auf unterschiedlichen Bilanzen.
Deshalb entsteht Interoperabilität nicht durch einen einfachen Messaging-Standard oder eine Token-Bridge. In der Praxis muss das Clearing die Arbeit übernehmen. Dabei wird der Token der einen Bank eingelöst, die empfangende Bank gibt ihren eigenen Token aus und der Saldo zwischen den Instituten wird in Zentralbankgeld verrechnet. Das ist auch der Grund, warum Privatsphäre, Neutralität und Verifizierbarkeit gleichzeitig nötig sind. Banken wollen keine Gegenparteien oder Zahlungsdaten auf ein öffentliches Ledger stellen, und sie wollen ihr Netzwerk nicht auf Infrastruktur eines Konkurrenten aufbauen.
Was Washington tun kann
Die Clarity Act regelt tokenisierte Einlagen nicht direkt und macht Banknetzwerke auch nicht automatisch interoperabel. Das Gesetz kann aber die Unsicherheit an den Rändern dieser Projekte verringern. Nach der breiteren Ausgestaltung des Gesetzes soll es einen klareren Rahmen für digitale Assets in den USA geben, mit einer schärferen Abgrenzung zwischen Aufsicht durch die SEC und die CFTC.
Das ist relevant für Banken, die ihre eigenen Systeme neben regulierten Stablecoins aufbauen. Auch Branchenverbände haben auf offene Fragen hingewiesen, etwa auf die einheitliche Behandlung tokenisierter Einlagen über Landesgrenzen hinweg und auf die Regeln für Übertragungen außerhalb des eigenen Netzwerks. Solange diese Fragen offen bleiben, bleibt die Anbindung an ein anderes Banknetzwerk für viele Institute eine schwierigere Entscheidung.
Für europäische Krypto-Beobachter zeigt das, wie schnell sich der Markt von einzelnen Experimenten hin zu echter Infrastruktur verschiebt. Wenn große Banken ihre eigenen Token-Netzwerke weiter ausrollen, wird die Frage immer weniger, ob Onchain-Geld technisch funktioniert, und immer mehr, unter welchen Regeln sich verschiedene Netzwerke miteinander verbinden dürfen. Das macht die US-Gesetzgebung auch außerhalb der USA relevant, vor allem für Akteure, die Stablecoins, Settlement und Bankgeld im selben Markt zusammenkommen sehen.