Bitcoin-Betrug: Wie sich eine Frau von einem Auftragsmörder täuschen ließ
Eine rachsüchtige Frau aus den USA wollte 2016 ihren Ex-Mann ermorden lassen.

Eine rachsüchtige Frau aus den USA wollte 2016 ihren Ex-Mann ermorden lassen. Dafür miete sie einen Auftragskiller aus dem Darkweb, für 5.000 Dollar in Bitcoin. Doch die vermeintlichen Mörder entpuppten sich als Betrüger. Jetzt muss sie fünf Jahre ins Gefängnis.
Es ist Februar 2016, Kristy Lynn Felkins und ihr Mann hatten sich gerade scheiden lassen und befinden sich mitten in einem Sorgerechtsstreit um ihre beiden Kinder, plus einem weiteren Kind aus Felkins' erster Ehe. Sie sinnt auf Rache an ihrem ehemaligen Partner, von dem sie sagt, dass er sie misshandelt habe, sowohl körperlich als auch geistig und sexuell.
Felkins sucht über das Darkweb nach einem Auftragskiller. Sie findet, was sie sucht, im Forum "Besa Mafia". Die Betreiber bieten eine breite Palette an Dienstleistungen gegen Bitcoin an, von Anschlägen bis zu Entführungen und Mord. Sie kommt mit einem Admin in Kontakt. Die Amerikanerin tauscht monatelang Ideen mit ihm aus. Zuerst über Einkaufsmöglichkeiten für Bitcoin, später über den konkreten Ablauf des Mordes.

Doch die Seite ist Betrug. Das wird durch die Zeugenaussage eines Forschers bewiesen, der den Fall untersuchte. Und zu Beginn überkommt Felkins auch ein mulmiges Gefühl. "Ich habe eine Menge Nachrichten gefunden, auch auf Reddit, in denen Hitman-Seiten einfach Betrug nennen. Einige lachen diese Seite besonders aus", schrieb sie Ende Februar an den Administrator. Dieser antwortet: "Wenn du dich nicht online damit befassen willst, such dir einen Auftragskiller bei einer der Banden in deiner Nähe."
Letztendlich nutzt Felkins doch die "Dienstleistungen" der Seite. Anfang März überweist sie insgesamt 12 Bitcoin. Der Gegenwert zu diesem Zeitpunkt: etwas weniger als 5.000 Dollar. Der Auftragskiller sollte den Ex-Mann auf dem Weg zum Flughafen in Durham, North Carolina, erschießen. "Wäre es möglich, das wie einen misslungenen Raubüberfall aussehen zu lassen?" schreibt sie. Es passiert jedoch nichts.
4.000 US-Dollar für einen Scharfschützen
Der Administrator bestätigt den Eingang der Bitcoin, sucht aber weiter nach Ausreden, warum der Mord nicht stattfinden konnte. Mal war das Ziel nicht auffindbar, mal gab es zu viele Zeugen. Ende März meldet sich der Admin erneut und verlangt weitere 4.000 Dollar, damit ein Scharfschütze die Aufgabe erledigen kann. Felkins hat ihre Schuldenobergrenze bereits überschritten, sagt sie. Der Admin schlägt vor, dass sie das Geld überweist, nachdem der Auftrag erledigt ist. Felkins stimmt zu und akzeptiert sogar, dass die neue Freundin des Ex-Mannes verletzt wird. "Schließlich bekomme ich seine Rente, unser Haus und eventuell eine hohe Auszahlung aus seiner Lebensversicherung."
Doch erneut ist Felkins enttäuscht. Langsam wird sie ungeduldig. "Hör auf, meine Zeit zu verschwenden. Gib mir mein Geld zurück, und ich suche mir eine andere Lösung", schreibt sie. Die damalige 35-Jährige verlangt Beweise, dass der Auftragskiller tatsächlich in Durham ist. Sie sagt, er müsse ein Foto von einer Straßenschilderung machen und seinen Finger rechts im Bild platzieren. Der Administrator schickt das geforderte Foto. "Du hast eindeutig ein Foto von Google Street View mit einem Finger draufgebastelt", klagt Felkins. Der Administrator versucht, seine Kundin noch ein paar Mal vom Gegenteil zu überzeugen, bis der Kontakt Mitte April völlig abbricht.
Bitcoin weg und fünf Jahre Gefängnis
Vier Jahre später wird Felkins in der Stadt Fallon im Bundesstaat Nevada festgenommen. Am vergangenen Donnerstag wurde das Urteil gesprochen: Die nun 38-Jährige erhält eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, gefolgt von drei Jahren auf Bewährung.
Die Sache macht eines deutlich: Die Geschichten über Auftragsmorde im Darknet sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle (glücklicherweise) nichts als Betrug. Eine britische Frau verlor Anfang dieses Jahres auf diesem Weg fast 25.000 US-Dollar. Auch sie wird nun untersucht.
Letztendlich wird Felkins ihren Vendetta nicht nur mit Geld, sondern auch mit ihrer Freiheit bezahlen müssen. Außerdem wird das Urteil ihre Chancen im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann wahrscheinlich nicht erhöhen. Übrigens, wenn Felkins die zwölf Bitcoin behalten und während der Bullenmarktphase verkauft hätte, hätte sie 830.000 Dollar verdient. Genug Geld, um ein neues Leben aufzubauen.