Japanische 30-Jahres-Rendite bricht Rekord und rückt Bitcoin in den Fokus
Die steigende japanische Rendite erhöht den Druck auf den Yen-Carry-Trade, ein Faktor, der zuvor bereits Bitcoin und Ethereum belastet hat. Auch USD/JPY und der globale Anleihemarkt rücken dadurch in den Fokus.

Wichtigste Erkenntnisse
- Die japanische 30-Jahres-Rendite stieg am Freitag auf 4,223 % und damit auf den höchsten Stand, seit diese Laufzeit 1999 begeben wurde.
- Die höheren japanischen Renditen lenken mehr Aufmerksamkeit auf den Yen-Carry-Trade, der bei einem stärkeren Yen Druck auf Bitcoin ausüben kann.
- Frühere Yen-Anstiege nach einer Zinserhöhung der Bank of Japan führten bereits zu deutlichen Rückgängen bei Bitcoin und Ethereum.
Die japanische 30-Jahres-Rendite ist am Freitag auf einen Rekord von 4,223 % gestiegen. Das ist der höchste Stand, seit Tokio diese Laufzeit 1999 erstmals begeben hat. Auch die 10-Jahres-Rendite legte weiter zu, was die Aufmerksamkeit für den Yen-Carry-Trade und die mögliche Wirkung auf Bitcoin erhöht.
Renditen in Japan steigen weiter
Der Anstieg kommt nicht aus dem Nichts. Die Bank of Japan hat die Zinsen angehoben und am 18. September auf 1,25 % erhöht, den höchsten Stand seit 1995. Das Gremium stimmte mit 7 zu 2, doch die Zentralbank teilte in ihrer Erklärung mit, dass weitere Erhöhungen weiterhin möglich sind.
Hinzu kommt die Haushaltspolitik. Japans Ministerien haben für das Fiskaljahr 2027 einen Rekordbetrag von 143,1 Billionen Yen beantragt, meldete Reuters. Allein die Zinslasten belaufen sich auf 36,64 Billionen Yen. Das Finanzministerium hat außerdem die angenommenen Kreditkosten auf 3,8 % angehoben, nach zuvor 3 %.
Auch außerhalb Japans ist der Druck an den Anleihemärkten spürbar. Die US-10-Jahres-Rendite durchbrach am 15. September die Marke von 5 %, im Zuge eines breiteren Ausverkaufs am Anleihemarkt. Die Federal Reserve hob danach ihren Zielkorridor auf 3,75 % bis 4 % an.
Warum Bitcoin mitzieht
Für Krypto ist vor allem der Yen-Carry-Trade relevant. Dabei leihen sich Anleger günstig in Yen, um anderswo höhere Renditen zu suchen. Wenn der Yen schnell stärker wird, verteuern sich diese Kredite und das kann Verkäufe anderer Positionen auslösen.
Dieses Risiko ist nicht theoretisch. Im August 2024 führte eine unerwartete Zinserhöhung der Bank of Japan zu einem schnellen Anstieg des Yen, woraufhin Bitcoin deutlich fiel, als Anleger Positionen abbauten, um Yen-Schulden zurückzuzahlen. Auch Ethereum geriet damals unter starken Verkaufsdruck.
Katsutoshi Inadome von Sumitomo Mitsui Trust Asset Management verband die steigenden japanischen Renditen mit Sorgen über Inflation durch einen schwächeren Yen. Solange der Unterschied zwischen amerikanischen und japanischen Renditen groß bleibt, bleibt der Carry-Trade attraktiv. Doch eine plötzliche Wende bei USD/JPY kann dieses Bild schnell verändern.
Was europäische Leser daran haben
Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil japanische Renditen und der Yen oft auf die weltweite Risikobereitschaft durchschlagen. Wenn Carry-Trades zurückgefahren werden, kann das nicht nur Aktien treffen, sondern auch Bitcoin und andere große Tokens. Der japanische Anleihemarkt bleibt damit erneut ein Faktor, den man neben den US-Zinsen und dem Dollar im Blick behalten sollte.