Meta sieht Stablecoins als Basis für agentic commerce
Meta positioniert KI-Agenten und WhatsApp als Handelsschicht, während Stablecoins die Zahlungsabwicklung übernehmen sollen. In Europa ist dabei vor allem MiCA relevant, weil die Regulierung Ausgabe und Reserven von Stablecoins vorgibt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Meta betrachtet agentic commerce als wichtigen Baustein des künftigen Geschäfts und geht davon aus, dass KI-Agenten immer mehr Prozesse unterstützen werden.
- Alex Schultz ordnet Stablecoins als Zahlungsschicht unter dieser Entwicklung ein und verweist auf eine regulierte Einbindung über Partner.
- Nach Schultz bleiben Verifizierung, Identität, Autorisierung und Settlement entscheidend, damit Transaktionen in einer agentic economy verlässlich funktionieren.
Meta sieht agentic commerce zunehmend als festen Bestandteil des künftigen Geschäftsmodells. Laut Manager Alex Schultz sollen Stablecoins dabei die Zahlungsschicht bilden. In einem Gespräch bei CoinDesk Spotlight sagte er, dass das Unternehmen KI-Agenten nicht als isolierte Produktkategorie betrachtet, sondern als Entwicklung, die das gesamte Unternehmen prägen dürfte.
Agents als neue Handelsschicht
Schultz zeichnete das Bild einer Zukunft, in der Business-Agents im Auftrag von Unternehmen Aufgaben übernehmen, von der Terminplanung bis hin zu Kommunikation und Zahlungsabwicklung. Nach seiner Einschätzung arbeiten inzwischen mehr als eine Million wöchentlich aktive Unternehmen mit Meta-Agents, während es zu Jahresbeginn praktisch noch keine waren.
Um die Dynamik zu verdeutlichen, verwies er auf ein alltägliches Beispiel wie die Organisation eines Kindergeburtstags. Wenn Agents schon kleine logistische Aufgaben übernehmen können, könnten sie seiner Ansicht nach auch bei Lieferkettenverhandlungen, finanzieller Abwicklung und grenzüberschreitendem Handel eine Rolle spielen. Als naheliegende Schnittstelle für Conversational Commerce sieht Meta dabei WhatsApp.
Stablecoins und die Zahlungsrails
Die Zahlungsschicht in diesem Modell sollen Stablecoins übernehmen. Schultz sagte, Meta gehe von einer Zukunft aus, in der klassische Wallets an Bedeutung verlieren und digitale Zahlungen zum Standard werden. Als Vergleich nannte er WeChat und Line, die in Teilen Asiens seit Jahren Commerce und Peer-to-Peer-Zahlungen direkt in Chat-Umgebungen verbinden.
Für europäische Leser ist vor allem relevant, dass Stablecoins zunehmend als Infrastruktur für automatisierte Zahlungen betrachtet werden. Unter MiCA müssen Emittenten in der EU 1:1 gedeckte Reserven bei geschützten, insolvenzfesten Fiat-Reserven in Tier-1-EU-Banken halten. In den USA hat der GENIUS Act zudem einen gesetzlichen Rahmen für Dollar-Stablecoins geschaffen, die von regulierten Parteien ausgegeben werden.
Das fügt sich in den breiteren Trend hin zu einer Stablecoin-Infrastruktur für Unternehmen ein. So weitet Visa seine Pilotprojekte rund um Stablecoin-Abwicklung und KI-Zahlungen aus, was zeigt, dass auch große Zahlungsnetzwerke Agents und digitale Abwicklung inzwischen ernster nehmen.
Von Libra zur regulierten Integration
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt von Schultz’ Aussagen: Das Gespräch fand am siebten Jahrestag von Facebooks Libra-Ankündigung statt. Das Projekt geriet damals schnell unter Druck von Aufsichtsbehörden, wurde später in Diem umbenannt und schließlich 2022 eingestellt.
Laut Schultz geht Meta heute bewusst einen anderen Weg. Das Unternehmen will vor allem die Schnittstelle und die Handelsschicht bereitstellen, während die Abwicklung im Hintergrund über Partner läuft. Damit setzt Meta offenbar weniger auf eine eigene Währung und stärker auf die Einbindung regulierter Stablecoins in seine Plattformen.
Schultz betonte außerdem, dass Verifizierung in einer agentic economy ein zentrales Thema bleibt. Ein Agent muss nachweisen können, dass er tatsächlich im Namen eines Unternehmens handelt, sonst lässt sich Zahlungsverkehr nicht zuverlässig abwickeln. Identität, Autorisierung und Settlement werden damit zur Grundlage dieser neuen Ebene des Online-Handels.