NYLIM sieht Tokenization als Hebel für individuellere Portfolios
NYLIM verknüpft Tokenization mit maßgeschneidertem Asset Management und testet über Centrifuge bereits eine High-Yield-Anleihestrategie onchain. Stablecoins und DeFi gelten dabei als nächste Bausteine.

Wichtigste Erkenntnisse
- NYLIM sieht Tokenization vor allem als Möglichkeit, Anlageportfolios deutlich individueller zu strukturieren, als es in klassischen Märkten üblich ist.
- Gemeinsam mit Centrifuge arbeitet das Unternehmen daran, eine High-Yield-Corporate-Bond-Strategie onchain abzubilden und zugleich Backoffice-Abläufe effizienter zu machen.
- Laut Sy sind Stablecoins der erste praktische Schritt in Richtung onchain arbeitender Finanzinstitute, während eine breitere institutionelle DeFi-Nutzung noch Zeit benötigen dürfte.
Nach Einschätzung von New York Life Investment Management geht die Bedeutung von Tokenization weit über schnellere Settlement-Prozesse oder einen 24-Stunden-Handel hinaus. Thomas Sy, Leiter Multi-Asset Solutions bei NYLIM, sagt, dass Blockchain vor allem deshalb interessant ist, weil Asset Manager damit Portfolios wesentlich individueller zusammenstellen können, als das im traditionellen Markt möglich ist.
Customization als Hauptanwendung
In einem Interview betonte Sy, dass sich das Asset Management seiner Ansicht nach in Richtung maßgeschneiderter Lösungen entwickelt. Blockchain sei aus seiner Sicht die einzige Technologie, die Personalisierung in großem Maßstab ermöglichen könne, weil sich die Customization direkt im Asset selbst verankern lasse und nicht nur in den Prozessen rundherum.
Das fügt sich in einen breiteren Trend an der Wall Street ein. Banken, Asset Manager und Infrastrukturunternehmen bringen immer häufiger tokenisierte Versionen von Money Market Funds, Private Credit und Aktien auf den Markt. Citi schätzt, dass der Markt für tokenisierte Real-World Assets auf $5,5 Billionen (€4,8 Billionen) im Jahr 2030 anwachsen könnte, nach derzeit rund $30 Milliarden (€26,2 Milliarden). Auch der breitere Tokenization-Markt gewinnt an Dynamik, mit Prognosen für ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 42,1 Prozent zwischen 2026 und 2033.
NYLIM macht den ersten Schritt
NYLIM hat sich kürzlich mit Centrifuge zusammengeschlossen, um eine seiner High-Yield-Corporate-Bond-Strategien onchain zu bringen. Der Vermögensverwalter setzt damit nicht nur auf eine Blockchain-Version bestehender Fonds, sondern vor allem auf einen anderen Ansatz beim Aufbau von Portfolios.
Sy erklärte, dass personalisierte Strategien häufig aus einer Mischung aus ETFs, Anleihen, Private Credit und weiteren Assets bestehen. Genau diese Kombination erschwere es, maßgeschneiderte Lösungen effizient zu skalieren. Tokenization kann nach seiner Einschätzung außerdem Transfer Agency, Settlement und andere Backoffice-Prozesse vereinfachen, was am Ende die Kosten für Kunden senken könnte.
Bei ähnlichen Fixed-Income-Produkten in Tokenform ist bereits mehr Bewegung zu sehen. So hat Baillie Gifford kürzlich einen tokenisierten Anleihefonds auf Ethereum und Solana aufgelegt.
Stablecoins öffnen den Weg
Sy betrachtet Stablecoins als die erste praktische Brücke für traditionelle Finanzinstitute, die onchain arbeiten wollen. Der Stablecoin-Markt ist inzwischen auf mehr als $300 Milliarden (€262 Milliarden) gewachsen und wird zunehmend für Cross-Border Payments und Treasury Management genutzt.
Für europäische Krypto-Anleger ist das relevant, weil Stablecoins und tokenisierte Fonds in der Debatte über die nächste Phase der Marktinfrastruktur immer häufiger gemeinsam genannt werden. Wenn Institute zunächst über Stablecoins onchain aktiv werden, könnte das die Einstiegshürde für tokenisierte Anlageprodukte senken, auch wenn dafür weiterhin mehr institutionelle und operative Reife nötig sein dürfte.
Sy sagte zudem, dass NYLIM DeFi prüft, eine breitere institutionelle Beteiligung aber noch Zeit braucht. Aus seiner Sicht sind tokenisierte Sicherheiten, Central Clearing und Prime-Brokerage-Dienste erforderlich, bevor DeFi in größerem Stil institutionell genutzt werden kann.