RWA-Perps wachsen schneller als Tokenisierung
RWA-Perps gewinnen mit 24/7-Handel in Rohstoffen und KI-Aktien schnell an Boden. Robinhood bietet sie europäischen Kunden bereits an, während die Aufsicht hinterherhinkt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Laut DWF-Labs-Marktstratege Martin Lee wachsen RWA-Perps schneller als Tokenisierung und könnten sich zu einer wichtigen Brücke zwischen Krypto und traditionellen Märkten entwickeln.
- Im Mai verarbeiteten RWA-Perps ein Volumen von 347 $ Milliarden, gegenüber 230 $ Millionen zu Beginn von 2025; das tägliche Open Interest auf DEXs erreichte im Juli 4,5 $ Milliarden.
- Lee sagt, dass RWA-Perps inzwischen 31 Prozent des Onchain-Perp-Volumens ausmachen, während Robinhood diese Produkte europäischen Kunden bereits anbietet.
Nach Einschätzung von DWF-Labs-Marktstratege Martin Lee entwickeln sich RWA-Perps schneller als Tokenisierung und könnten sich zu einer der wichtigsten Verbindungen zwischen Krypto und traditionellen Märkten entwickeln. Während Tokenisierung inzwischen von großen Namen wie BlackRock, Fidelity und Franklin Templeton breit aufgegriffen wird, sieht Lee vor allem Perpetual Futures auf tokenisierte Real-World Assets (RWAs) als den Bereich mit dem größten Einfluss.
Das Volumen schießt nach oben
Die Daten zeigen eine klare Beschleunigung. RWA-Perps verarbeiteten im Mai ein Volumen von 347 $ Milliarden, nachdem es zu Jahresbeginn 2025 noch bei 230 $ Millionen (200 € Millionen) gelegen hatte. Das entspricht einem Anstieg um das 1.472-Fache. Auf DEXs kletterte das tägliche Open Interest im Juli auf 4,5 $ Milliarden (3,9 € Milliarden) und markierte damit einen neuen Höchststand, während Exchanges bis Ende Mai bereits ein Volumen von 1,32 $ Billionen (1,2 € Billionen) ermöglichten, also dreizehnmal so viel wie im gesamten Jahr 2025.
Ein wesentlicher Treiber dürfte die Nachfrage von Krypto-Tradern nach Exposure zu Rohstoffen und KI-Aktien sein. Hinzu kommt die Struktur dieser Produkte selbst. Perps sind rund um die Uhr handelbar, sodass Marktteilnehmer direkt auf Nachrichten reagieren können, die außerhalb der Öffnungszeiten klassischer Börsen eintreffen. Lee verweist in diesem Zusammenhang auf Öl-Perps auf Hyperliquid, die bereits auf den Iran-Konflikt reagierten, bevor die CME wieder öffnete.
Warum Perps so attraktiv sind
Lee zufolge sind Perps in vielen Fällen schlicht das praktikablere Produkt als Futures oder Optionen im TradFi-Bereich. Futures haben feste Laufzeiten, Optionen bringen komplexe Greeks mit sich, und die Benutzeroberflächen sind oft weniger zugänglich. Perps erhalten das spekulative Aufwärtspotenzial, machen den Handel aber einfacher und durchgehend möglich.
Auch die Geschwindigkeit, mit der neue Märkte entstehen können, spielt eine wichtige Rolle. Tokenisierte Assets sind mit mehr rechtlicher Komplexität verbunden, während Perp-Märkte vergleichsweise schnell live gehen können. Dadurch lassen sich synthetische Märkte leichter aufbauen, darunter auch Pre-IPO-Kontrakte. Als Cerebras im Mai an die Nasdaq ging, hatte Hyperliquid den Pre-IPO-Perp bereits bei 354 $ (308 €) gepreist, also nahe am Eröffnungskurs von 350 $ (305 €).
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass sich diese Produkte immer weiter in Richtung des regulären Anlageuniversums bewegen. Robinhood bietet laut Lee europäischen Kunden bereits RWA-Perps an. Das zeigt, wie stark die Grenze zwischen krypto-nativen Derivaten und klassischen Brokerage-Diensten inzwischen verschwimmt. Gleichzeitig dürfte die Aufsichtsdebatte an Fahrt gewinnen, weil Regulierer und etablierte Finanzunternehmen klären müssen, wie diese Produkte in bestehende Rahmenwerke passen.
Lee sagt, dass RWA-Perps inzwischen 31 Prozent des Onchain-Perp-Volumens ausmachen, nach 1,3 Prozent zu Jahresbeginn. Damit wirken sie nicht nur wie eine zusätzliche Handelskategorie, sondern auch wie eine Produktform, die den Blick von Anlegern auf verschiedene Anlageklassen weiter verändern könnte.