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Stablecoins und Tokenisierung sollen Kapital schneller bewegen lassen

LMAX Group sieht Stablecoins als schnellere Settlement-Schicht, während Tokenisierung Collateral und Wertpapiere programmierbar macht. Die Debatte berührt auch MiCA, den IWF und die Rolle nicht-bankingbasierter Akteure.

Stablecoins und Tokenisierung sollen Kapital schneller bewegen lassen

Wichtigste Erkenntnisse

  • LMAX Group sagt, dass Kapital nicht knapp ist, sondern oft durch Batch-Verarbeitung, Cut-off-Zeiten und langsames Settlement feststeckt.
  • Jenna Wright sieht Stablecoins als cash-ähnliche Settlement-Schicht, die sich schneller bewegen kann als traditionelle T+1- und T+2-Prozesse.
  • Tokenisierung soll Assets beweglich machen, damit Collateral und Besitz schneller verpfändet, übertragen oder freigegeben werden können.

Kapital ist laut LMAX Group nicht knapp, sondern oft am falschen Ort zur falschen Zeit. In der neuesten Ausgabe von Crypto Long & Short schreibt Managing Director Jenna Wright, dass die jüngste Volatilität gezeigt habe, wie schnell Märkte unter Druck geraten, wenn Collateral und Cash noch in Batch-Verarbeitung, Cut-off-Zeiten und Settlement-Zyklen feststecken, während Risiko jede Minute neu bepreist wird.

Marktstruktur hinkt hinterher

Wright nennt das kein Backoffice-Problem mehr, sondern ein Problem der Marktstruktur. Institutionen können Positionen nur schwer ausreichend absichern, wenn Collateral über Venues, Custodians, Asset-Klassen und Jurisdiktionen verteilt ist. Dadurch wird Liquidität dünner, Spreads breiter und Kursbewegungen stärker, als eigentlich nötig wäre.

Der Kern ihres Arguments ist, dass viele Marktinfrastrukturen noch für feste Handelszeiten und End-of-Day-Prozesse gebaut sind, während digitale Assets rund um die Uhr gehandelt werden und FX sowie Derivate sich immer stärker in Richtung kontinuierlichen Handels bewegen. Im Januar habe LMAX Group laut Wright gesehen, wie sich das in der Praxis auswirkt: mehr als $300 Milliarden (€260 Milliarden) an Volumen in einer Woche, davon $60 Milliarden (€52 Milliarden) in Goldprodukten, während einige Marktteilnehmer aus Positionen gedrängt wurden, weil Assets nicht schnell genug aus Aktien- oder Anleiheportfolios verschoben werden konnten.

Stablecoins als Settlement-Schicht

Deshalb stellt Wright Stablecoins als mehr als nur eine Krypto-Neuheit dar. Sie sieht sie als cash-ähnlichen Wert, der sich mit der Geschwindigkeit und Programmierbarkeit digitaler Assets bewegen kann, gerade in einer Phase, in der viele Akteure noch mit T+1- oder T+2-Settlement, Nostro- und Vostro-Konten sowie harten Cut-off-Zeiten arbeiten. Der Stablecoin-Markt ist inzwischen rund $320 Milliarden (€277 Milliarden) groß, während die On-Chain-Transferaktivität laut der Branche auf Rekordniveau liegt.

Für europäische Krypto- und Finanzleser ist das relevant, weil tokenisiertes Cash und Stablecoins zunehmend als Teil der Finanzinfrastruktur diskutiert werden, nicht nur als Handelsinstrument. Der IWF weist dabei darauf hin, dass tokenisierte Wertpapiere ein atomisches Delivery-versus-Payment ermöglichen, was Counterparty-Risiko und operative Reibung senken kann. Die Federal Reserve Bank of Boston sieht zudem, dass Stablecoins und Tokenisierung die Architektur des Finanzsystems schnell verändern, mit einer wachsenden Rolle für nicht-bankingbasierte Akteure. Auch Banken und Zahlungsnetzwerke testen diese Richtung bereits in der Praxis, etwa Visa, das Stablecoin-Settlement und Tokenisierungs-Tools weiter ausrollt.

Tokenisierung soll Assets bewegen

Wright stellt Tokenisierung als die andere Hälfte der Geschichte dar. Stablecoins lösen die Bewegung von Cash, Tokenisierung die von Assets. Indem Wertpapiere und andere Assets als programmierbare Einheiten dargestellt werden, können Collateral und Besitz schneller verpfändet, übertragen oder freigegeben werden. Das passt zu der breiteren Idee, dass Trading, Settlement, Custody und Portfolio-Management immer stärker in integrierten Workflows zusammenlaufen.

Ihr zufolge liegt die Herausforderung nicht im Konzept, sondern in der Umsetzung. Der Markt arbeitet weiterhin mit getrennten Schritten für Execution, Clearing, Settlement und Custody, während moderne Märkte eigentlich kontinuierlich Exposure und Funding verwalten können müssen. Die Frage ist also nicht, ob die Technologie existiert, sondern ob sich die Infrastruktur schnell genug anpassen lässt, damit Kapital tatsächlich bewegt werden kann, wenn die Märkte es verlangen.


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