Taurus sieht drei Hürden für Banken beim Swift-Ledger
Swift’s Ledger kann Live-Zahlungen unterstützen, doch Banken müssen selbst Wallet-, Custody- und Tokenisierungsinfrastruktur aufbauen. Taurus sieht vor allem eine Anbindung an bestehende Zahlungsrails, nicht deren Ersatz.

Wichtigste Erkenntnisse
- Swift’s neuer Blockchain-Ledger kann Live-Zahlungen unterstützen, doch Banken brauchen weiterhin eigene digitale Infrastruktur, um sich anzubinden.
- Taurus-CEO Lamine Brahimi nennt drei Voraussetzungen: ein permissioned Ledger, Wallet-Funktionalität und Tokenisierung mit Smart Contracts.
- Swift meldete Live-Transaktionen mit tokenisierten Einlagen, darunter eine interbankliche Transaktion von HSBC und Standard Chartered sowie eine Wochenendzahlung von DBS und Citi.
Swift’s neuer Blockchain-Ledger kann Live-Zahlungen unterstützen, doch Banken brauchen weiterhin eigene digitale Infrastruktur, um sich daran anzubinden. Laut Taurus-CEO Lamine Brahimi geht es dabei um ein permissioned Ledger, Wallet-Funktionalität und Tokenisierung mit Smart Contracts.
Drei Ebenen bleiben nötig
Brahimi, Mitgründer und Managing Partner des Custody- und Tokenisierungsunternehmens Taurus, sagte in einem Interview, dass eine Bank heute nicht einfach an Swift’s Ledger andocken kann. Das Institut muss zunächst selbst Systeme haben, mit denen tokenisierte Einlagen ausgegeben, verwaltet und verwahrt werden können.
Seiner Ansicht nach fungiert Swift’s Ledger vor allem als Orchestrierungsebene. Sie soll Institute dabei unterstützen, tokenisierte Einlagen rund um die Uhr grenzüberschreitend zu bewegen, während die endgültige Abwicklung weiterhin über bestehende Zahlungsrails läuft. Swift ersetzt damit nicht die internen Systeme der Banken, sondern verbindet sie miteinander.
Swift macht Schritt zu Live-Transaktionen
Swift meldete im Juli, dass sich 17 Banken auf Live-Transaktionen mit tokenisierten Einlagen vorbereiteten. Damit machte das Netzwerk einen ersten sichtbaren Schritt, um sein Banknachrichtensystem zu modernisieren, das seit den 70er-Jahren eine zentrale Rolle im traditionellen Finanzsystem spielt.
Im August führten HSBC und Standard Chartered die erste Live-Interbankentransaktion über Swift’s Ledger aus. Danach tätigten DBS und Citi eine grenzüberschreitende Dollarzahlung am Wochenende, die in Minuten statt in bis zu zwei Werktagen abgeschlossen wurde.
Brahimi sagte, dass die zusätzliche Technik für Banken, die bereits digitale Assets ausgeben oder verwalten, nicht unbedingt eine große Hürde darstellt. Sie macht jedoch deutlich, dass tokenisierte Einlagen vor allem ein institutionelles Produkt bleiben, weil beide Seiten der Transaktion dieselben Standards und kompatible Systeme benötigen. Auch IBMs Anbindung an den Swift-Ledger zeigt, dass Banken neben dem Netzwerk selbst vor allem die richtige Softwareebene brauchen, um solche Zahlungen steuern zu können.
Bedeutung für Europa
Die Diskussion passt in eine breitere europäische Bewegung rund um tokenisiertes Geld und modernere Zahlungsinfrastruktur. Die Bank for International Settlements hat Zentralbanken bereits dazu aufgerufen, tokenisierte Technologie in das Finanzsystem zu integrieren, während die Europäische Zentralbank bereits an Verbindungen zwischen DLT-Plattformen und TARGET arbeitet. Für europäische Banken zeigt Swift’s Ansatz, dass der Schritt zu tokenisierten Einlagen nicht nur ein Netzwerkthema ist, sondern auch von den Systemen dahinter abhängt.