Aave will sechs Blockchains wegen sinkender Erträge schließen
Aave will die Märkte auf Sonic, Scroll, zkSync, Metis, Soneium und Aptos zurückfahren, nachdem Deposits und Erträge stark eingebrochen sind. Der Vorschlag passt zu einer breiteren Verschiebung hin zu weniger, dafür profitableren Deployments.

Wichtigste Erkenntnisse
- Aave will sich von sechs Blockchains zurückziehen: Sonic, Scroll, zkSync, Metis, Soneium und Aptos.
- Zusammen bringen die Netzwerke weniger als 5.000 $ pro Quartal ein und stehen bei rund 98 Millionen $ an Deposits unter Druck.
- Bestehende Positionen bleiben bestehen, neue Deposits, Kredite und die Nutzung von Sicherheiten sollen jedoch eingefroren werden.
Aave zieht in seiner Multi-Chain-Strategie die Konsequenzen und will auf sechs Blockchains keine neuen Märkte mehr betreiben. Laut dem Governance-Vorschlag ist die Aktivität auf Sonic, Scroll, zkSync, Metis, Soneium und Aptos zu gering geworden. Auf diesen Netzwerken liegen zusammen rund 98 Millionen $ (85,4 Millionen €) an Deposits. Parallel dazu sollen 50 Low-Adoption-Asset-Märkte und 21 abgelaufene Pendle Principal Tokens auf elf Aave-Deployments auslaufen.
Warum sich das nicht mehr rechnet
Im Mittelpunkt des Vorschlags steht die Wirtschaftlichkeit. Die sechs Deployments kommen zusammen auf weniger als 5.000 $ (4.360 €) pro Quartal. Bei Metis, Soneium und Aptos liegt der Wert sogar unter 1.000 $ (871 €). Nach Angaben von Aave reicht das nicht aus, um die laufenden Kosten für Preisfeeds, Liquidationsmechanismen und das Monitoring je Markt zu rechtfertigen.
Auch die Nutzung hat sich deutlich abgeschwächt. Bei Soneium sind die Deposits um 95 % gefallen, Aptos hat 94 % der verfügbaren Liquidität verloren und zkSync liegt nach einem Rückgang um 88 % nur noch bei etwa 844.000 $ (735.400 €). Scroll sank um 86 % auf rund 2 Millionen $ (1,7 Millionen €), Metis um 79 % und Sonic, das größte der betroffenen Netzwerke, um 74 % auf knapp unter 8 Millionen $ (7 Millionen €).
Zum Vergleich verweist der Vorschlag auf Aaves Ethereum-Mainnet, das laut den Angaben mehr als 142 Millionen $ (124 Millionen €) pro Jahr einnimmt. Base liegt demnach bei rund 4,7 Millionen $ (4,1 Millionen €). Die sechs Netzwerke machen inzwischen nur noch einen kleinen Teil der Gesamtbilanz aus: etwa 13 Millionen $ (11,3 Millionen €) an Deposits stehen rund 14 Milliarden $ (12,2 Milliarden €) über 23 Chains gegenüber.
Was mit den Nutzern passiert
Offene Positionen sollen nicht unmittelbar geschlossen werden. Geplant ist aber, die Märkte für neue Deposits, Kredite und die Nutzung von Sicherheiten einzufrieren. Zusätzlich will Aave die Limits auf ein Token zurücksetzen, 99 % der Borrower-Interest an die Treasury abführen und einen Basiszins von 5 % einführen, damit die verbleibende Aktivität schrittweise ausläuft.
Der Zeitpunkt passt zu einer breiteren Neuausrichtung bei Aave. Bereits im Dezember hatte die Aave Chan Initiative vorgeschlagen, die Deployments auf zkSync, Metis und Soneium zurückzufahren. Begründet wurde das damit, dass diese Gruppe aus ihrer Sicht keinen Product-Market-Fit gezeigt habe. Künftige Launches sollten demnach an mindestens 2 Millionen $ (1,7 Millionen €) Jahresumsatz geknüpft werden. Auch das V4-Upgrade von Aave mit einem Liquidity-Hub-Modell und geteilter Liquidität spricht für eine weitere Abkehr von einzelnen Pools pro Chain.
Bedeutung für Europa
Für Kryptonutzer in Europa zeigt der Schritt, dass DeFi-Protokolle nicht unbegrenzt auf immer mehr Chains expandieren können. Selbst ein großes Protokoll wie Aave konzentriert Kapital, Liquidität und operative Ressourcen inzwischen stärker auf Netzwerke, die tatsächlich Nachfrage anziehen. Das dürfte auch für andere DeFi-Projekte relevant sein, wenn sie ihre Multi-Chain-Strategie und ihr Risikomanagement aufsetzen.
Aaves Fokus auf profitable Märkte passt zudem zu den breiteren Diskussionen im DeFi-Sektor über ungenutztes Kapital. In einer jüngeren Analyse zu idle liquidity wurde berechnet, dass brachliegende Liquidität auf großen DEXen Hunderte Millionen an entgangenen Fees verursachen kann.