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Aptos – Blockchain-Wunder oder leere Versprechen?

Das Blockchain-Projekt Aptos hat am 17. Oktober den Start seines Mainnets angekündigt.

Aptos – Blockchain-Wunder oder leere Versprechen?

Das Blockchain-Projekt Aptos hat am 17. Oktober den Start seines Mainnets angekündigt. Das sehr ehrgeizige Projekt wurde von Ex-Entwicklern von Diems (vormals Libra) ins Leben gerufen, nachdem die Facebook-Stablecoin in den Schrank gestellt wurde.

Das Projekt konnte mehr als 300 Millionen Dollar bei Investoren wie Andreessen Horowitz (a16z), FTX Ventures und Coinbase Ventures einsammeln. Das Projekt wird derzeit auf ungefähr vier Milliarden Dollar geschätzt.

Aptos will Solana als die "schnelle" Blockchain ablösen. Die vollendete Blockchain soll bis zu 160.000 Transaktionen pro Sekunde erreichen, dreimal so schnell wie Solana auf seinem Top-Niveau. Die jüngste Markteinführung war jedoch weniger überzeugend und wirft Fragen auf.

Das Lieblingsthema des Risikokapital-Ökosystems?

Aptos hat einen zweideutigen Ruf. Nicht nur haftet ihm die Facebook-Vergangenheit hartnäckig an. Es wird auch behauptet, dass es eine große Gefahr gibt, dass Kleinanleger als Kanonenfutter für die Gewinne großer Investoren dienen könnten, wenn der APT-Token an die Börse geht. Aptos wurde fast ausschließlich mit seriösem Risikokapital finanziert. Daher wird es in der Kryptobranche oft spöttisch als der "VC-Darling" bezeichnet, d. h. die Lieblinge des Risikokapitalgebers. Eine öffentliche Verkauf gab es bislang noch nicht.

Was in diesem Zusammenhang verdächtig wirkt, ist, dass wichtige Informationen über die Token-Verteilung bis kurz vor dem Start unbekannt waren. Große Krypto-Börsen, von denen einige selbst Investoren sind, möchten den gehypten Token natürlich sowieso handeln.

Inzwischen hat das Projekt ein Überblick über die Tokenomics veröffentlicht. Ungefähr die Hälfte der Tokens ist bereits internen Projekten zur Förderung des Ökosystems zugewiesen, der Rest liegt bei genannten Investoren und dem Team selbst.

Eine volle 82 Prozent des Gesamtangebots sind ebenfalls bereits gestaked. Ein künstliches Token-Defizit kommt häufig bei neueren Blockchain-Projekten vor. Die daraus resultierende anfängliche Preissteigerung sorgt für Euphorie, bevor nach einigen Monaten mehr Tokens freigegeben werden und das Angebot stark verwässert.

Blockchain der neuen Generation?

Doch bisher ließ Aptos sich von der Kritik nicht abschrecken. Die Tokenomics seien mit der Gemeinschaft im Blick konzipiert, sagen sie, und die Blockchain laufe nach Tag eins "wie geplant", so der Beitrag auf X des Projekts.

Aptos wurde von Mo Shaikh und Avery Ching gegründet, die zuvor an Diem gearbeitet haben. Was mit dem gescheiterten Facebook-Projekt nicht möglich war, hoffen sie nun mit Aptos zu erreichen. Das Team will seine jahrelange Erfahrung in der traditionellen Techbranche auf Web 3.0 anwenden und die "sicherste und skalierbarste Layer-1-Blockchain" schaffen.

Dies soll durch einen neuen Ansatz der Blockchain-Programmierung möglich gemacht werden. "Parallele Ausführung" ist der Name dieses Transaktionsverarbeitungs-Typs, der es ermöglichen soll, bis zu 160.000 Ausführungen pro Sekunde zu erreichen. Außerdem soll die neue Programmiersprache "Move" die Arbeit aller Entwickler erleichtern und sie von Solana oder Ethereum abwerben.

Zu Beginn war davon jedoch offenbar wenig zu merken. Laut einem Nutzer zählte der Block-Explorer lediglich vier Transaktionen pro Sekunde (TPS). Das wäre langsamer als Bitcoin.

Laut Paradigm Engineer war es auch bedenklich, dass Aptos kurz vor dem Start seine Discord-Server deaktivierte, wodurch es Nutzern unmöglich war, mit dem Team zu kommunizieren. Eine "notwendige Maßnahme", um die Community vor Betrügern zu schützen, wie Beitrag auf X.

Laut den Entwicklern ist die anfangs niedrige Transaktionsgeschwindigkeit lediglich eine Folge der noch geringen Aktivität auf der Blockchain. Kurz nach dem Start sei dies normal, heißt es in einem Discord-Beitrag. Mit zunehmender Nutzung sollte sich auch die Geschwindigkeit erhöhen.

Marketing oder Massenadoption?

Wie immer bleibt unklar, ob Aptos wirklich mit Solana konkurrieren kann oder ob der Enthusiasmus so schnell wieder verfliegen wird wie bei früheren "Blockchain-Revolutionen". Die Erinnerung an die stark gehypte und mehr als misslungene Einführung des "Internet Computer Protocol" (ICP) drängt sich auf.

Die Aptos-Blockchain ist vielleicht noch nicht ausgereift genug. Nach fast vier Jahren Entwicklung ist es schwer von einer übereilten Einführung zu sprechen. Aber die Behauptung, dass der Markteintritt voreilig wirkt, ist nicht unbegründet. Der konkurrierende "Mysten Labs" ist derzeit ebenfalls in der Endphase der Entwicklung seiner Blockchain namens "Sui".

Auch dieses Projekt zählt ehemalige Meta-Entwickler im Team und arbeitet mit der Programmiersprache Move. Es ist möglich, dass Aptos sich beeilt hat, sich als Pionier mit einem früheren Start zu positionieren – auf Kosten einer breiteren Funktionalität.

Wie dem auch sei, müssen sich beide Projekte in der bestehenden Blockchain- und Crypto-Community beweisen. Ob die ehemaligen Facebook-Entwickler das Blockchain-Triptychon wirklich gelöst haben oder nur ihre Marketingerfahrung zu ihrem Vorteil nutzen, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich aus der Anpassung von Aptos zeigen.


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