Bessent stellt Krypto im US-China-Technologiestreit neben KI
Bessent sieht Stablecoins als Stütze für den Dollar und will mehr Klarheit bei der Krypto-Aufsicht und bei Bankbeziehungen. Die Aussagen passen in den breiteren US-China-Konflikt rund um KI, Chips und digitale Assets.

Wichtigste Erkenntnisse
- Scott Bessent stellte Krypto im technologischen Wettbewerb zwischen den USA und China neben KI und Chips.
- Er sagte, Stablecoins könnten den Dollar stärken und möglicherweise zusätzliche Nachfrage nach US-Staatsanleihen schaffen.
- Bessent rief zu mehr Klarheit bei der Aufsicht und beim Debanking für Kryptounternehmen auf.
Scott Bessent hat Krypto auf eine Stufe mit KI und Chips im technologischen Wettstreit zwischen den USA und China gestellt. Der US-Finanzminister sagte auf der Swell-Konferenz von Ripple, dass digitale Assets die globale Rolle des Dollars stärken könnten. Außerdem sprach er sich für mehr Klarheit bei der Aufsicht und beim Debanking aus.
Dollar und Technologie
Bessent sprach am Dienstag mit Ripple-Chef Brad Garlinghouse und sagte, dass die Macht hinter Reservewährungen historisch oft aus militärischer Stärke entstanden sei, sich aber zunehmend in Richtung technologischer Führungsrolle verschiebe. Seiner Ansicht nach bleiben die USA militärisch dominant, doch das geopolitische Gewicht des Landes werde immer häufiger durch Technologie bestimmt.
Dabei zeichnete er einen klaren Unterschied zwischen den US- und den chinesischen Tech-Ökosystemen. Unternehmen und Länder müssten sich seiner Ansicht nach zwischen verschiedenen KI-Systemen und Halbleitertechnologien entscheiden, und digitale Assets gehörten ebenfalls dazu. Bessent sagte, dass die Finanzinfrastruktur, die Länder wählen, Einfluss auf die Reichweite des Dollars haben könne.
Stablecoins als Dollarhebel
Der Minister verknüpfte seine Aussagen ausdrücklich mit Stablecoins. Er sagte, diese Tokens könnten den Dollar stützen, indem sie Menschen in Ländern mit hoher Inflation oder starken Währungsschwankungen einen leichteren Zugang zu US-Dollar verschaffen.
Bessent sagte außerdem, dass mehr als 90% der Stablecoins durch US-Dollar gedeckt seien und dass Emittenten oft US-Staatsanleihen als Reserve hielten. Wenn die Nutzung weiter wachse, könnte das seiner Ansicht nach die Nachfrage nach diesen Anleihen erhöhen und so zu einer zusätzlichen Finanzierungsquelle für das US-Finanzministerium werden.
Die breitere politische Linie der Trump-Regierung nahm bereits zuvor mit dem GENIUS Act Gestalt an, der im Juli 2025 einen bundesweiten Rahmen für Stablecoins festlegte. Das Gesetz regelt unter anderem Lizenzen für Emittenten, Reserveanforderungen, Rückzahlungsprozesse und die Offenlegung von Informationen. Das gibt der Branche mehr Orientierung, während der US-Markt weiterhin auf einen breiteren gesetzlichen Rahmen für Krypto wartet.
Mehr Druck auf die Aufsichtsbehörden
Damit rückte auch die politische Seite des Themas in den Vordergrund. Das Scheitern des Clarity Act im September 2026 hinterließ laut Bessent eine Lücke bei der Abgrenzung zwischen der SEC und der CFTC. Er nannte das enttäuschend, sagte aber, dass das Finanzministerium gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden dennoch Schritte unternehmen könne.
Bessent bezeichnete die SEC und die CFTC als „gute Partner“ und sagte, ihre Regeln könnten mehr Klarheit für Kryptounternehmen schaffen, auch wenn solchen Regeln die dauerhafte Wirkung von Gesetzen fehle. Er ging auch auf Debanking ein, also darauf, dass Banken Kryptounternehmen den Zugang zu Dienstleistungen verwehren. Seiner Ansicht nach können Aufsichtsbehörden Best Practices und Leitplanken aufsetzen, um eine Wiederholung zu verhindern.
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem relevant, dass Washington Krypto hier nicht mehr nur als Markt sieht, sondern auch als Teil der Wirtschaftspolitik. Das könnte für Stablecoin-Emittenten, Anlageinstrumente und Kryptounternehmen wichtig sein, die von US-Regeln und Bankbeziehungen abhängen.