Bitcoin-Halter riskieren bei möglichem BIP-110-Fork Replay-Attacken
Kommt es zu einer Kettenspaltung, können signierte Transaktionen auf beiden Ketten erneut ausgeführt werden. Dadurch besteht das Risiko, dass echte BTC statt der Fork-Coins verschoben werden. Vor allem größere Holder sollten ihre Balances deshalb strikt trennen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bitcoin-Halter könnten an diesem Wochenende einem Replay-Attacken-Risiko ausgesetzt sein, falls ein BIP-110-Fork tatsächlich eine Kettenspaltung auslöst.
- Eine signierte Transaktion für Fork-Coins kann auch auf Bitcoin erneut ausgesendet werden, wodurch unbeabsichtigt echte BTC mitbewegt werden.
- BIP-110 hat bislang kaum Unterstützung unter Minern, doch Nodes mit der entsprechenden Software könnten ab Block 961.632 Blocks ohne Markierung ablehnen.
Bitcoin-Halter könnten an diesem Wochenende mit einem unerwarteten Risiko konfrontiert sein, falls ein neuer Fork rund um BIP-110 tatsächlich zu einer Kettenspaltung führt. Wer die neuen Coins verkaufen möchte, ohne beide Balances sauber voneinander zu trennen, läuft Gefahr, versehentlich echte BTC statt der Fork-Coins zu verschieben. Für viele Holder dürfte es deshalb vorerst am sichersten sein, nichts zu unternehmen.
Warum Verkaufen riskant sein kann
Das Kernproblem besteht darin, dass beide Ketten in der Anfangsphase dieselben Transaktionen akzeptieren. Eine signierte Transaktion zum Versenden von Fork-Coins kann dadurch auch auf Bitcoin selbst erneut ausgesendet werden. Der Käufer erhält dann nicht nur die neuen Coins, sondern auf derselben Adresse auch denselben Betrag an echten BTC. Dieses Phänomen wird als Replay-Attacke bezeichnet.
Laut Bitcoin-Entwickler Kevin Loaec, der in dieser Woche auf X auf das Risiko hingewiesen hat, könnten vor allem größere Holder betroffen sein. Dabei wird eine Wallet nicht vollständig geleert, allerdings verlassen die tatsächlich bewegten Coins die Wallet als echte Bitcoin. Zusätzlich fallen auf beiden Ketten Transaktionsgebühren an.
Was BIP-110 verändert
BIP-110 ist ein Vorschlag aus dem Jahr 2025, der nicht-finanzielle Daten vorübergehend aus Bitcoin-Transaktionen heraushalten soll, damit mehr Blockspace für finanzielle Transaktionen frei bleibt. Die Aktivierung soll über Miner-Signalling erfolgen, doch die Unterstützung liegt laut dem aktuellen Stand bei unter 1 Prozent. Das erhöht das Risiko von Verwirrung, falls die Regeln dennoch ohne breiten Konsens durchgesetzt werden.
Die vorgeschlagene Schwelle ist hoch: 1.109 markierte Blocks innerhalb von 2.016 Blocks, also 55 Prozent. Dieser Weg wirkt derzeit blockiert, doch der Vorschlag enthält noch einen zweiten Mechanismus. Ab Block 961.632, voraussichtlich an diesem Wochenende, würden Nodes mit BIP-110-Software Blocks ohne Markierung ablehnen, auch wenn Miner nicht zugestimmt haben.
Warum das für Holder relevant ist
Für europäische Krypto-Leser zeigt sich daran, wie sich eine technische Änderung bei Bitcoin direkt auf Verwahrung und Transaktionssicherheit auswirken kann. Kommt es zu einer Spaltung, erhalten Holder zunächst auf beiden Ketten dieselbe Balance, während die zweite Kette möglicherweise wenig oder gar nichts wert ist. Erst später, ab Block 965.664, würden die eigentlichen BIP-110-Regeln für Transaktionsdaten greifen. Dadurch kann es vorübergehend schwieriger werden, die beiden Balances sicher voneinander zu trennen.
Solche Protokollunsicherheiten treten bei Bitcoin-Forks immer wieder auf. Bitcoin’s BIP-110-Vorschlag hatte bereits zuvor kaum Unterstützung, was die Gefahr von Verwirrung rund um die Einführung zusätzlich erhöht.
Der genaue Zeitpunkt hängt außerdem davon ab, wie schnell Blocks gefunden werden. Deshalb könnte das verpflichtende Signalling-Fenster einen Tag früher oder später beginnen als derzeit erwartet. Die Lage ist damit vor allem eine Frage der Vorsicht und nicht der schnellen Reaktion.