Bitcoin hinkt Aktien hinterher, Analysten sehen aber Erholung
Hashdex und Charles Schwab verweisen auf mehr institutionelle Infrastruktur, Stablecoins und tokenisierte Assets, während der Bitcoin-Zyklus nach dem Halving weiter eine Rolle spielt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Bitcoin notiert knapp unter $62.000 und bleibt damit hinter den Rekorden am Aktienmarkt zurück, während US-Techfonds von der KI-Hype profitieren.
- Hashdex führt die Schwäche vor allem auf eine Verschiebung von Kapital zurück, während institutionelle Infrastruktur, regulatorische Klarheit und On-Chain-Aktivität weiter zunehmen.
- Charles Schwab sieht die langsame Erholung von Bitcoin im Einklang mit früheren Post-Halving-Zyklen, inklusive möglichem Verkaufsdruck rund um $95.000 Produktionskosten.
Bitcoin notiert weiterhin knapp unter $62.000 (€54.200) und bleibt damit deutlich hinter den neuen Höchstständen an den Aktienmärkten zurück. Vor allem US-Techfonds profitieren derzeit von der KI-Hype. Zwei aktuelle Einschätzungen von Hashdex und Charles Schwab deuten jedoch darauf hin, dass diese Lücke nicht zwingend struktureller Natur ist, sondern vor allem zeigt, wohin Kapital momentan fließt.
Kapital sucht anderswo Rendite
Nach Einschätzung von Samir Kerbage, Chief Investment Officer bei Hashdex, sagt die jüngste Schwäche im Krypto-Markt mehr über die aktuelle Allokation der Anleger aus als über die Verfassung des Sektors. In seinem Midyear-Ausblick schreibt er, dass Aufmerksamkeit und Markt-Narrative die Geldströme lenken und dass derzeit vor allem KI-Infrastruktur, IPO-Pipelines und Makro-Positionierungen rund um Zinserwartungen Kapital anziehen.
Gleichzeitig verdeckt diese Verschiebung aus Sicht von Hashdex mehrere Entwicklungen, die die langfristige Krypto-These stützen dürften. Die institutionelle Infrastruktur wächst weiter bei Banken, Brokern und Zahlungsanbietern. Zudem hat sich die regulatorische Klarheit in den USA verbessert und könnte weiter zunehmen, falls der Kongress in diesem Sommer den CLARITY Act verabschiedet.
Auch on-chain bleibt das Bild lebhaft. Das Transaktionsvolumen von Stablecoins lag in der ersten Jahreshälfte bereits über dem Niveau des gesamten Jahres 2025, tokenisierte Real-World Assets (RWAs) legten in diesem Jahr um mehr als 60% zu und die Transaktionen im Krypto-Ökosystem erreichten im zweiten Quartal ein Rekordniveau. Kerbage spricht deshalb von einer ungewöhnlich großen Lücke zwischen Marktkapitalisierung und On-Chain-Aktivität, die sich auf Dauer kaum unbegrenzt halten dürfte.
Halving-Muster bleibt sichtbar
Charles Schwab kommt zu einer ähnlichen Einschätzung, richtet den Blick aber vor allem auf den historischen Bitcoin-Zyklus. Jim Ferraioli, Director Digital Currencies Research and Strategy bei Schwab, sagt, dass die langsame Erholung zu früheren Phasen nach einem Halving passt, auch wenn viele Anleger erwartet hatten, dass institutionelle Adoption und Spot-ETFs das Vierjahresmuster endgültig aufbrechen würden.
Ein Halving halbiert ungefähr alle vier Jahre die Belohnung für Miner und verlangsamt damit den Zufluss neuer Bitcoin. In früheren Zyklen folgten darauf oft kräftige Kursanstiege. Ferraioli weist jedoch darauf hin, dass Bitcoin historisch mehr als ein Jahr gebraucht hat, um wieder über die Produktionskosten der weniger effizienten Miner zu steigen. Diese Kosten schätzt er aktuell auf rund $95.000 (€83.000), während die durchschnittlichen Einstiegskosten der Anleger bei etwa $80.000 (€69.900) liegen. Das könnte zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen, sobald Positionen wieder ins Plus drehen.
Ferraioli bezeichnet den Vierjahreszyklus nicht als Naturgesetz, sondern als ein Muster, das im Marktverständnis tief verankert ist. Aus seiner Sicht könnte der Einfluss jedes weiteren Zyklus kleiner werden, je reifer Bitcoin wird und je stärker die Volatilität nachlässt.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem wichtig, dass sich die Debatte nicht nur um den Preis dreht, sondern auch um die Marktstruktur. Wenn der institutionelle Zugang über ETFs, Banken und Broker weiter zunimmt, könnte sich verändern, wie Bitcoin auf makroökonomische Faktoren wie Zinserwartungen und Risikobereitschaft reagiert. Gleichzeitig zeigt das Wachstum von Stablecoins und tokenisierten Assets, dass Nutzung und Kursentwicklung nicht immer im Gleichschritt verlaufen. Das macht den Markt weniger linear als in früheren Zyklen.