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Bitcoin nähert sich einer Bodenzone, während On-Chain-Daten abkühlen

Glassnode erkennt mehrere Bodensignale, doch schwache ETF-Ströme und ein vorsichtiger Derivatehandel bremsen bislang eine echte Trendwende. Auch der MVRV Z-Score und Langzeit-Holder deuten weiter auf anhaltenden Bear-Market-Druck hin.

Bitcoin nähert sich einer Bodenzone, während On-Chain-Daten abkühlen

Wichtigste Erkenntnisse

  • Bitcoin notiert bereits seit Anfang Februar unter dem True Market Mean und der Short-Term Holder Cost Basis, was zu einer späten Bear-Market-Phase passt.
  • Glassnode sieht zwar erste Bodensignale, doch die institutionellen Ströme bleiben schwach und der Derivatemarkt signalisiert weiter Abwärtsrisiken.
  • Der MVRV Z-Score nähert sich historischen Bodenbereichen, während Bitcoin nach dem jüngsten Druck auf riskante Anlagen bei rund 62.904 $ notierte.

On-Chain-Daten deuten bei Bitcoin zunehmend auf eine späte Phase des Bärenmarkts hin. Ein belastbarer Boden ist nach Einschätzung von Glassnode aber noch nicht bestätigt. Zwar sprechen mehrere Indikatoren für einen möglichen Bodenbildungsprozess, doch andere Signale sind bislang zu schwach, um bereits von einer klaren Trendwende zu sprechen.

Späte Phase des Rückgangs

Glassnode schreibt in seinem neuesten Bericht, dass Bitcoin seit Anfang Februar sowohl unter dem True Market Mean als auch unter der Short-Term Holder Cost Basis handelt. Laut dem Unternehmen liegen diese Marken bei 76.600 $ (67.200 €) beziehungsweise 72.200 $ (63.300 €). Damit bewegt sich die Kryptowährung seit fünf Monaten unter diesen Durchschnittswerten, was in der Bitcoin-Historie nur selten über einen so langen Zeitraum zu beobachten war.

Nach Einschätzung von Glassnode passt dieses Muster zu einem Marktumfeld, in dem neue Käufer strukturell unter den Einstandspreisen der jüngeren Marktteilnehmer und des breiteren aktiven Markts einsteigen. Das Unternehmen wertet das häufig als Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung, auch wenn daraus noch keine eindeutige Bestätigung für eine bereits vollzogene Trendwende folgt.

Auch der Verkaufsdruck von Langzeit-Holdern bleibt erhöht. Der Anteil des gesamten realisierten Verlusts, der dieser Gruppe zugerechnet wird, stieg auf Basis eines 30-Tage gleitenden Durchschnitts auf 43 %, nach 15 % im Februar. Zuletzt erreichte die Kapitulation fast 280 $ Millionen (246 € Millionen) pro Tag und damit den höchsten Stand seit Dezember 2022.

Signale, die noch fehlen

Neben dem Druck auf der On-Chain-Seite bleibt auch die institutionelle Nachfrage verhalten. Die Abflüsse aus Spot Bitcoin ETFs sind zwar von einem Höchststand im Juni auf 88,9 $ Millionen (78 € Millionen) pro Tag zurückgegangen, insgesamt bleiben die Mittelströme aber negativ. Am Derivatemarkt zeigt sich ebenfalls Vorsicht: Das Put/Call-Verhältnis liegt bei 0,56 und damit auf dem niedrigsten Wert von 2026, während Skew und Volatilität weiterhin auf zusätzliche Abwärtsrisiken hindeuten.

Glassnode zufolge braucht der Markt zunächst eine weitere Abkühlung beim Kapitulationsdruck, stabilere institutionelle Zuflüsse und idealerweise eine nachhaltige Rückkehr über den True Market Mean, bevor sich ein Regimewechsel überzeugend beurteilen lässt. Eine weitere häufig genutzte Bewertungskennzahl, der MVRV Z-Score, ist inzwischen auf rund 0,27 gefallen und nähert sich damit historischen Bodenbereichen. Das kann auf eine niedrigere Bewertung hindeuten.

Warum Juli relevant bleibt

Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem wichtig, dass die aktuelle Schwäche nicht isoliert betrachtet werden sollte. Historisch gesehen verzeichnete Bitcoin in früheren Bear Markets Rückgänge von 77 % bis 86 %, während der aktuelle Rückgang vom Hoch im Oktober 2025 bei rund 53 % liegt. Die Korrektur fällt damit zwar weniger tief aus, sagt aber noch nichts darüber aus, wann der Markt tatsächlich dreht.

Gleichzeitig weist CryptoQuant darauf hin, dass der Juli für Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren häufig ein positiver Monat war. In Bear-Market-Jahren wie 2018 und 2022 legte der Kurs im Juli jeweils um etwa 20 % beziehungsweise 17 % zu. Das aktuelle Bild bleibt dennoch gemischt: Der Bull Score Index liegt bei 20 und damit deutlich unter dem Niveau von 60, das laut CryptoQuant für eine nachhaltige Rally nötig ist. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte Bitcoin nahe 62.904 $ (55.200 €), nachdem neue US-amerikanische Angriffe auf Iran riskante Anlagen unter Druck setzten und einen Teil der Erholung vom 57.700 $ (50.600 €)-Boden wieder auslöschten.

Die schwachen ETF-Ströme fügen sich in ein breiteres Muster nachlassender institutioneller Nachfrage ein. In einer jüngsten Analyse über schwache ETF-Ströme und niedrigeres Open Interest wurde bereits deutlich, dass sich die Bitcoin-Erholung bislang schwer damit tut, von einer breiten Marktteilnahme getragen zu werden.


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