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Bitcoin unter Druck nach Ethereum-Fusion

Mit dem Erfolg der Fusion würde Ethereum 99,9 Prozent weniger Energie verbrauchen.

Bitcoin unter Druck nach Ethereum-Fusion

Mit dem Erfolg der Fusion würde Ethereum 99,9 Prozent weniger Energie verbrauchen. Bitcoin wird inzwischen zunehmend zum Ziel von Kritikern wegen des Proof of Work.

Donnerstag ist der Ethereum-Merge gelungen. Eine Umstellung vom energieintensiven Proof of Work (PoW) auf das Konsensverfahren Proof of Stake (PoS) sollte den Energieverbrauch um 99,9 Prozent reduzieren. Nun steht Bitcoin unter Druck. Die Kritik: der Stromverbrauch ist zu hoch, die CO2-Auswirkungen schädlich für die Umwelt und die PoW-Technologie zu veraltet.

Seitenhiebe von allen Seiten

Bitcoiners haben in letzter Zeit viele frisierte und angreifende Bemerkungen zu verdauen gehabt. Zwischenzeitlich gibt es zahlreiche Studien, Arbeiten und Debatten über PoW versus PoS. Eines hat sich verändert: Behörden, Regierungen und Umweltorganisationen spielen nun auch eine führende Rolle.

Greenpeace USA startete im März die Petition "Change the Code, not the Climate". Die Änderung zu "Proof of Stake" wurde in diesem Zusammenhang vorgeschlagen. Offenbar haben Politiker im EU-Parlament hier ein Beispiel genommen: Im Verlauf des MiCA-Verfahrens wurde auch über einen Konsensus-Schalter gesprochen.

EZB und das Weiße Haus machen sich Sorgen um den Energieverbrauch

Wissenschaftler der Europäischen Zentralbank (EZB) haben in diesem Sommer jeweils zwei Bitcoin-Berichte veröffentlicht. Der erste Bericht untersucht den enormen Energieverbrauch von "bestimmten Kryptowerten, die schätzungsweise jährlich eine ähnliche Energiemenge verbrauchen wie einzelne Länder wie Spanien, die Niederlande oder Österreich". Alle wissen, welche "Krypto-Assets" damit gemeint sind: Bitcoin.

Der zweite Dokument verweist auf die "Suche nach dem heiligen Gral grenzüberschreitender Zahlungen". Aber auch hier wird rasch deutlich: Bitcoin ist das nicht. Ein Kritikpunkt bleibt erneut der hohe, beweisbasierte Energieverbrauch.

Vor Kurzem forderte das Weiße Haus in einem Bericht über die Klimaauswirkungen der Crypto-Industrie ebenfalls eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs der Branche. Laut dem Bericht haben die Klima-Ziele der USA höchste Priorität: Die Emissionen von Treibhausgasen sollen bis 2030 um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Dazu sollen "Staaten, Gemeinden und die Crypto-Industrie gemeinsam in die Entwicklung und Nutzung umweltfreundlicher Kryptotechnologien eingebunden werden". Das Nichterreichen der Ziele soll zu einem Verbot von Proof of Work führen.

Bitcoin bleibt Proof of Work

Auf dem Berliner Socratic Lab, einer monatlichen Bitcoin-Veranstaltung in Berlin, war das Konzept des Proof-of-Authority des Wissenschaftsteams der Bank von Italien im August das Thema. Nach einem Lachen wurde das nächste Programmpunkt besprochen.

Dasselbe Verhalten zeigt der umtriebige Michael Saylor, der gerade auf die Forderung des Weißen Hauses reagiert hat. In einem Brief erklärt er, er glaube, dass die wiederkehrende Energiediskussion Teil der Lobbyarbeit konkurrierender mit Proof of Stake basierender Kryptoprojekte sei.

Aber nicht alle Bitcoin-Befürworter sind so hart wie der Gründer von MicroStrategy. Crypto-Experte Matthias Reder erklärt, wie er über die Fusion denkt:

''Ich denke, Bitcoin gehört in jedes vernünftige Portfolio. Dennoch schaue ich mir auch die Fusion an und muss ehrlich sagen, dass ich froh wäre, wenn sie stattfindet. Denn für mich ist Konkurrenz im Bitcoin- und Blockchain-Bereich äußerst wichtig. Natürlich kann man jetzt sagen, dass Bitcoin und Ethereum überhaupt nicht miteinander konkurrieren. Aber es gibt definitiv Konkurrenz innerhalb der Kryptoszene. Es gibt Konkurrenz für Unternehmen, Risikokapitalgeber und die klügsten Köpfe in diesem Raum. Konkurrenz ist also essenziell für Innovation. Aus dieser Sicht sehe ich die Fusion als positiv''.

Wie die Merge letztlich Bitcoin, seinen Energieverbrauch und Proof of Work beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Währenddessen hilft ein Blick auf den Flippening Index. Obwohl dieser in den letzten Monaten stark gestiegen ist, hat Ethereum es dieses Jahr nicht geschafft, mehr als 54 Prozent der Marktkapitalisierung der Nummer-Eins-Kryptowährung zu erreichen. Für Bitcoin-Befürworter ist eine Änderung des Konsensmechanismus genauso unvorstellbar wie das Flippen: Denn Bitcoin ohne Proof of Work ist kein Bitcoin.


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