BitMart-Gründer weist Audit-Forderung nach Beschwerden über blockierte Guthaben zurück
BitMart sagt, dass das Konto gehackt wurde, doch Nutzer melden weiterhin blockierte Auszahlungen. Der Fall erhöht den Druck auf die Exchange von den Kaimaninseln, die zuvor bereits von einem großen Hack getroffen wurde.

Wichtigste Erkenntnisse
- BitMart-Gründer Sheldon Lee wies nach Beschwerden über blockierte Guthaben und unklare Reserven eine Forderung nach einer unabhängigen Prüfung zurück.
- Nutzer melden, dass Auszahlungen weiterhin festhängen, während Mitarbeiter Berichten zufolge auf ihr Juligehalt warten.
- BitMart hatte zuvor angekündigt, die Aktivitäten zurückzufahren, und erlitt 2021 bereits schwere Reputationsschäden durch einen Hack über rund $150 Millionen.
BitMart-Gründer Sheldon Lee hat eine Aufforderung, die Bücher offenzulegen, beiseitegeschoben, während Nutzer berichten, dass sie weiterhin nicht an ihre Guthaben kommen und Mitarbeiter angeblich auf ihr Juligehalt warten. Die Diskussion rund um die Krypto-Exchange dreht sich damit nicht nur um einen geplanten Rückzug aus dem Geschäft, sondern auch um die Frage, ob Kundenguthaben und Verpflichtungen noch vollständig nachvollziehbar sind.
Vorwürfe rund um Auszahlungen
Auf dem chinesischen X-Account von BitMart erschien eine Nachricht, in der Lee und Geschäftspartner Yi Li aufgefordert wurden, Wallets, Assets, Liabilities und verfügbare Reserven unabhängig prüfen zu lassen. Laut Lee sei dieses Konto gehackt worden und die Vorwürfe seien erfunden. Er sagte, BitMart habe Beweise gesammelt und wolle in den USA Anzeige erstatten, zusätzlich zu einem rechtlichen Schreiben an X für technische und datenforensische Untersuchungen.
Das Timing macht den Fall besonders heikel. BitMart sagte im vergangenen Monat, dass es die Aktivitäten zurückfährt und der 26. August der letzte Handelstag sein soll, doch mehrere Nutzer melden, dass Auszahlungen weiterhin blockiert sind. Ein Nutzer namens BeardStaff sagte, dass seine Guthaben seit dem 26. Juli nicht erreichbar seien und dass ein VIP-Manager ihn aus Telegram entfernt habe, als die Auszahlungen ins Stocken gerieten.
Druck auf BitMart nimmt zu
Die Forderung, eine unabhängige dritte Partei die Bilanz prüfen zu lassen, passt in eine breitere Vertrauenskrise rund um die Exchange. BitMart, 2017 gegründet und auf den Kaimaninseln ansässig, ist in mehr als 180 Ländern aktiv und musste bereits nach einem großen Hack im Jahr 2021 schwere Reputationsschäden hinnehmen, bei dem laut früheren Berichten rund $150 Millionen (€129 Millionen) aus Hot Wallets gestohlen wurden.
Diese Vorgeschichte macht die aktuellen Beschwerden für Nutzer und Gläubiger besonders brisant. Auch Onchain-Analyst ZachXBT schaltete sich in die Diskussion ein und erklärte, dass eine Partei mit ausreichender Liquidität die Guthaben einfach zurückgeben sollte, statt vage Erklärungen zu posten. Die Distressed-Investment-Firma Echo Base sagt außerdem, BitMart ein finanziertes Restrukturierungsangebot gemacht zu haben, einschließlich Debtor-in-Possession-Finanzierung und Equity at Emergence, doch laut CEO Roshan Dharia hat die Exchange darauf noch nicht reagiert.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Leser zeigt dieser Fall, wie schnell ein angekündigter Rückzug in eine Diskussion über Custody, Transparenz und Auszahlungen umschlagen kann. Gerade bei einer großen Exchange mit Kunden in vielen Ländern kann Unklarheit über Reserven und Verpflichtungen zusätzlichen Druck von Nutzern, Gegenparteien und möglicherweise auch Aufsichtsbehörden erzeugen. Es ist auch eine Erinnerung daran, dass frühere Vorfälle wie Hacks oder verzögerte Entschädigungen das Vertrauen in eine Plattform lange belasten können.
BitMarts Probleme passen in eine breitere Reihe von Börsenschließungen und Kundenforderungen in der Branche. Bei BitMEX mussten Nutzer zuvor ebenfalls eine schnelle Abwicklung erleben, bei der Auszahlungen sofort unter Druck gerieten.