Bitwise hält Circle trotz Stablecoin-Wachstum für unterbewertet
Rasmussen sieht USDC und das Circle Payments Network als Beleg dafür, dass Stablecoins mehr werden als nur ein Token. Das Marktwachstum und strengere US-Regeln könnten Circles Rolle als Infrastruktur-Anbieter stärken.

Wichtigste Erkenntnisse
- Ryan Rasmussen hält Circle trotz des starken Stablecoin-Wachstums weiterhin für zu niedrig bewertet. Er sieht Potenzial für einen Markt, der von 300 $ Milliarden auf 3 $ Billionen bis 5 $ Billionen anwachsen könnte.
- Aus seiner Sicht profitiert Circle nicht nur von Reserve-Erträgen, sondern auch von der Zahlungsinfrastruktur. Gleichzeitig haben USDC-Umlauf und Transaktionsvolumen deutlich zugelegt.
- Rasmussen betrachtet Circles Compliance-Struktur und die Arc blockchain als wichtige Gradmesser dafür, ob Stablecoin-Zahlungen und Infrastruktur weiter skalieren können.
Bitwise-Researcher Ryan Rasmussen ist der Meinung, dass Anleger Circle weiterhin zu vorsichtig bewerten, obwohl stablecoins nach seiner Einschätzung zu einem Markt im Billionenbereich heranwachsen könnten. Im Gespräch mit CoinDesk’s Public Keys sagte er, Circle profitiere nicht nur von steigenden Reserve-Einnahmen, sondern erschließe sich mit Zahlungsinfrastruktur auch einen zweiten Wachstumskanal.
Stablecoins auf dem Weg in den Billionenbereich
Rasmussen zeichnete das Bild eines Marktes, der ausgehend von rund 300 $ Milliarden (260 € Milliarden) auf 3 $ Billionen (2,6 € Billionen) bis 5 $ Billionen (4,3 € Billionen) wachsen könnte. In diesem Szenario sieht er Circle früh positioniert, zumal die US-Regulierung für Stablecoins seiner Einschätzung nach klarer wird. Der Markt unterschätze noch, wie gut Circle in einem Segment aufgestellt sei, das erst am Anfang einer breiteren Skalierung stehe.
Dazu passt aus seiner Sicht die jüngste Entwicklung von Circles USDC. Im Q2 2025 lag die durchschnittliche Umlaufmenge des Stablecoins bei 61 $ Milliarden (52,8 € Milliarden), was einem Anstieg von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Q3 2025 kletterte das On-Chain-Volumen auf 9,6 $ Billionen (8,3 € Billionen), während das Circle Payments Network USDC-Transfers im Wert von 31 $ Milliarden (26,8 € Milliarden) abwickelte. USDC ist inzwischen nativ auf 30 Blockchain-Netzwerken verfügbar.
Mehr als nur Reserve-Einnahmen
Rasmussens zentrales Argument lautet, dass Circle nicht nur Stablecoins ausgibt, sondern zugleich die Infrastruktur bereitstellt, über die diese Tokens bewegt werden. Diese zusätzliche Ebene sei vom Markt „very mispriced“, sagte er. Sein Vergleich mit Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard macht deutlich, dass er Circle nicht nur als Emittenten, sondern als potenziellen Infrastruktur-Anbieter mit breiterem Geschäftsmodell sieht.
Auch den Wettbewerb bewertet er nicht automatisch als Nachteil für Circle. Zwar arbeiten Banken, Konsumunternehmen und andere etablierte Anbieter an eigenen Stablecoin-Lösungen, doch laut Rasmussen könnte der Gesamtmarkt schnell genug wachsen, damit mehrere Akteure profitieren. Als Hinweis darauf verwies er auf Initiativen wie OpenUSD, die zeigen sollen, dass das Interesse großer Unternehmen zunimmt. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf den Ausbau der Stablecoin-Infrastruktur, etwa durch die Übernahme von BVNK durch Mastercard.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Interessierte ist das vor allem deshalb relevant, weil sich die Debatte um Stablecoins immer stärker auf Infrastruktur, Compliance und Vertrieb verlagert und nicht mehr nur auf den Token selbst. Circles Compliance-Struktur mit unter anderem FinCEN-Registrierung und Money-Transmission-Lizenzen in allen 50 Bundesstaaten zeigt, wie wichtig regulierter Zugang für institutionelle Kanäle geworden ist. Sollten Stablecoins weiter in den Zahlungsverkehr vordringen, könnte das auch beeinflussen, wie europäische Anbieter über Settlement und grenzüberschreitende Transaktionen denken.
Als nächsten Prüfstein nannte Rasmussen Circles Arc blockchain. Die Layer-1 soll zeigen, ob das Unternehmen auch jenseits der Stablecoin-Ausgabe Wert auf Infrastrukturebene schaffen kann. Das Testnet von Arc ging im Oktober 2025 mit mehr als 100 teilnehmenden Unternehmen live. Für Rasmussen ist das ein Hinweis auf ernsthaftes Interesse, auch wenn offen bleibt, wie schnell sich diese Nutzung in Circles Wirtschaftlichkeit niederschlägt.