Coinbase will Bitcoin schon jetzt auf die Quantenbedrohung vorbereiten
Coinbase weist auf Risiken bei ECDSA und Schnorr hin und plädiert für Post-Quantum-Kryptografie. Auch alte Wallets und inaktive Coins bekommen dabei zusätzliche Aufmerksamkeit.

Wichtigste Erkenntnisse
- Coinbase will, dass Bitcoin schon jetzt Schritte in Richtung Quantensicherheit geht, noch bevor Quantencomputer eine direkte Bedrohung für Wallets darstellen.
- Das Unternehmen warnt, dass zukünftige Quantencomputer ECDSA und Schnorr theoretisch untergraben könnten, und plädiert deshalb für Post-Quantum-Kryptografie.
- Coinbase will einen gestaffelten Übergang mit flexiblen Adressen, dem Erhalt alter und neuer Coins sowie Aufmerksamkeit für inaktive Coins und die Migration alter Wallets.
Coinbase will, dass Bitcoin jetzt mit der Vorbereitung auf Quantencomputer beginnt, noch bevor diese eine echte Bedrohung für Wallets darstellen. Die an der Nasdaq notierte Krypto-Exchange, die für Kunden wie Banken, Vermögensverwalter und Hedgefonds rund 5 % aller Bitcoin verwahrt, sagt, dass die Branche nicht warten sollte, bis das Risiko tatsächlich eintritt.
Das passt zur breiteren Diskussion über die Sicherheit digitaler Guthaben. Auch Wallet- und Transaktionsdaten können bereits mehr preisgeben, als viele Nutzer denken, ganz abgesehen von einer künftigen Quantenbedrohung.
Warum Coinbase jetzt warnt
Im Kern geht es um die Frage, ob ein zukünftiger Quantencomputer stark genug sein könnte, um eine Bitcoin-Wallet zu knacken und Coins abzuziehen. Coinbase weist darauf hin, dass einige Schätzungen eine solche Maschine innerhalb weniger Jahre für möglich halten, auch wenn es sie heute noch nicht gibt.
Das Unternehmen erklärt auch, warum das technisch relevant ist. Bitcoin nutzt derzeit ECDSA und Schnorr für digitale Signaturen. Diese sind mit heutigen Computern sicher, aber ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte theoretisch aus einem öffentlichen Schlüssel einen privaten Schlüssel ableiten.
Nach aktuellen Schätzungen würde eine solche Maschine etwa 4.000 logische Qubits benötigen, was bei den heutigen Fehlerraten Millionen physischer Qubits entspräche. Das zeigt vor allem, dass die Bedrohung noch nicht unmittelbar ist, aber ernst genug, um schon jetzt auf Post-Quantum-Kryptografie umzusteigen.
Was Coinbase ändern will
Coinbase sagt, dass ein Upgrade mehr leisten müsse, als nur einen neuen Signaturtyp hinzuzufügen. Bitcoin müsse nach Ansicht des Unternehmens sowohl alte als auch neue Coins schützen können, in den begrenzten Platz des Netzwerks passen und auch auf normalen Computern nutzbar bleiben.
Deshalb plädiert die Exchange für flexible Adressen und einen gestaffelten Übergang. Ein möglicher Zwischenschritt ist ein 1-von-2-Setup, bei dem eine Transaktion noch mit einem klassischen Schlüssel oder mit einem Post-Quantum-Schlüssel signiert werden kann. So könnten Nutzer früher umsteigen, ohne dass alle gleichzeitig migrieren müssen.
Außerdem will Coinbase, dass Bitcoin Wallets berücksichtigt, die Status speichern müssen, dass aber immer auch zustandslose Alternativen daneben bestehen bleiben. Darüber hinaus nennt das Unternehmen robuste Software, gute Unterstützung für Multi-Party Computation und einen Plan für ältere Wallet-Formate, die später noch migrieren können müssen.
Alte Coins bleiben ein eigenes Problem
Ein schwieriger Punkt ist nach Ansicht von Coinbase, was mit vergessenen oder lange inaktiven Coins geschehen soll. Bei einigen alten Adressen sind öffentliche Schlüssel bereits auf der Blockchain sichtbar, wodurch sie in einer Zukunft mit Quantencomputern besonders verwundbar sein könnten.
Die Exchange will diese Debatte von dem technischen Upgrade selbst getrennt sehen. Das ist auch für europäische Krypto-Leser relevant, weil das NIST 2024 bereits drei Post-Quantum-Standards festgelegt hat und die G7 Cybersecurity Working Group zuvor gewarnt hatte, dass Organisationen jetzt mit dem Umstieg beginnen müssen. Coinbase nennt außerdem das Risiko von 'harvest now, decrypt later', bei dem Angreifer Daten oder Coins schon heute sammeln, um sie später zu nutzen.
Für Bitcoin bedeutet das vor allem, dass die Diskussion über Quantensicherheit nicht mehr nur theoretisch ist. Die Frage ist nicht, ob sich die Branche vorbereiten muss, sondern wie schnell das gehen kann, ohne bestehende Nutzer auszuschließen.