Krypto-Bereinigung beschleunigt sich: Mehr als 100 Projekte scheitern
RootData sieht eine breite Konsolidierung bei Exchanges, DeFi, NFT-Marktplätzen und Layer-2s. Viele Teams aus dem Bullmarkt von 2021 bis 2025 schaffen es nicht mehr, weil Finanzierung und Volumen austrocknen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Mehr als 100 Krypto-Projekte sind 2026 laut Daten von RootData eingestellt worden, insolvent gegangen oder ohne große Ankündigung vom Markt verschwunden.
- In der letzten Juliwoche haben BitMEX, BitMart, Movement Labs und Storj Labs geschlossen oder mussten aufgeben.
- Besonders betroffen sind Exchanges, Wallets, DeFi-Protokolle, NFT-Marktplätze und Layer-1-Blockchains, darunter Moonbeam.
Mehr als 100 Krypto-Projekte sind 2026 laut Daten von RootData bereits eingestellt worden, insolvent gegangen oder still und leise vom Markt verschwunden. Die Serie an Schließungen nimmt weiter Fahrt auf. Allein in der letzten Juliwoche haben mit BitMEX, BitMart, Movement Labs und Storj Labs vier bekannte Namen dichtgemacht oder einen Insolvenzantrag gestellt.
Breite Bereinigung im Krypto-Sektor
Der Rückzug zieht sich durch nahezu alle Bereiche des Kryptomarkts. Betroffen sind Exchanges, Wallets, DeFi-Lending-Protokolle, NFT-Marktplätze und Layer-1-Blockchains. Sogar eine komplette Polkadot-Parachain, Moonbeam, wurde am 31. Juli dauerhaft abgeschaltet. Nutzer, die ihre Assets nicht rechtzeitig übertragen hatten, blieben dadurch mit festhängenden Positionen zurück.
Nach dem bereitgestellten Marktkontext passt diese Entwicklung zu einer breiteren Konsolidierungsphase: In der ersten Hälfte von 2026 haben bereits mehr als 60 Projekte aufgegeben. Viele der betroffenen Teams wurden genau in den Bull-Zyklen von 2021 bis 2022 sowie Anfang 2025 aufgebaut. Damals war Kapital reichlich vorhanden und die Nutzerzahlen stiegen schnell. Inzwischen sind die Handelsvolumina jedoch abgeflaut, während die Finanzierung deutlich knapper geworden ist. Auch die allgemeine Marktschwäche spricht dafür: Im zweiten Quartal ist der gesamte Kryptomarkt um 12,6 % gefallen, während die Volumina zurückgingen.
Bei Ethereum steht vor allem der Layer-2-Bereich unter Druck. Diese Netzwerke legten 2023 stark zu, nachdem die Technologie die Transaktionskosten spürbar gesenkt und den Start eigener Chains erleichtert hatte. Weil das Aufsetzen einer Chain immer einfacher wurde, entstand jedoch ein überfüllter Markt mit vielen General-Purpose-Layer-2s und wenig klarer Differenzierung.
Tokenmodelle geraten an ihre Grenzen
Die Schließungen machen auch deutlich, wie anfällig viele Projekte waren, wenn der eigene Token die wichtigste Finanzierungsquelle darstellte. Teams zahlten Entwickler in Tokens, subventionierten Liquidität in Tokens und finanzierten Audits auf demselben Weg. Solange diese Tokens einen Wert hatten, funktionierte das Modell noch. Viele Altcoins haben in der jüngsten Bear Market jedoch 70 % bis 90 % ihres Werts verloren.
Nicht jedes Projekt verschwindet dabei auf den ersten Blick. Tally, eine DAO-Tooling-Plattform, die Governance für mehr als 500 Protokolle unterstützt hat, verarbeitete zwar mehr als 1 $ Milliarde (0,9 € Milliarden) an Zahlungen und half dabei, bis zu 80 $ Milliarden (69,4 € Milliarden) an Onchain-Value abzusichern, stellte den Betrieb aber dennoch ein. Auch Step Finance und Everclear sind trotz echter Produktnachfrage oder hoher Volumina verschwunden. Das zeigt, dass Nutzung in diesem Markt ohne ausreichende Einnahmen nicht ausreicht.
Die aktuelle Welle an Schließungen unterscheidet sich damit vom Crash 2022, als Terra, Celsius und FTX über eine einzige Kette von Ansteckungseffekten zusammenbrachen. Diesmal gibt es keinen einzelnen Auslöser. Vielmehr handelt es sich um eine breite Neubewertung von Projekten mit zu wenig Cashflow oder unklarem Product-Market-Fit.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem relevant, dass die Marktauslese offenbar härter ausfällt als in früheren Zyklen. Projekte, die fast nur auf Tokenwert oder kurzfristigen Hype gesetzt haben, bekommen weniger Spielraum für eine Erholung. Protokolle mit echten Einnahmen und aktiven Nutzern halten sich dagegen meist besser. Dadurch wirkt die aktuelle Bereinigung weniger spektakulär als eine einzelne große Implosion, könnte für die nächste Phase des Kryptomarkts aber strukturell wichtiger sein.