BitMart erwägt teilweise Wiederaufnahme und Auszahlungen an Gläubiger
BitMart hat White & Case für eine Restrukturierung hinzugezogen, nachdem zuvor ein Schließungsplan angekündigt worden war. Die Exchange lässt nun auch Auszahlungen an Gläubiger und eine gestaffelte Wiederaufnahme von Teilen des Geschäfts offen.

Wichtigste Erkenntnisse
- BitMart prüft eine Restrukturierung mit einer gestaffelten Wiederaufnahme von Teilen des Geschäfts und Auszahlungen an Gläubiger.
- Das Unternehmen hat White & Case als Berater eingesetzt und will am 9. September einen Fahrplan teilen.
- Die Schließungsankündigung belastete BMX, das innerhalb von 24 Stunden um etwa 58 % fiel und in diesem Jahr 83 % niedriger notiert.
Die Krypto-Exchange BitMart prüft eine Restrukturierung, bei der eine gestaffelte Wiederaufnahme von Teilen des Geschäfts mit Auszahlungen an Gläubiger kombiniert werden könnte. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende, weniger als vier Wochen nachdem das Unternehmen erklärt hatte, den Betrieb einzustellen.
Restrukturierung nach Schließungsplan
BitMart teilte in einer Erklärung mit, dass der Plan möglicherweise eine geordnete, gestaffelte Wiederaufnahme bestimmter Aktivitäten sowie Auszahlungen an Gläubiger umfasst. Das Unternehmen hat White & Case als Berater für die Restrukturierung eingesetzt und erwartet, am 9. September einen Fahrplan zu teilen.
Der Verweis auf Gläubiger ist neu in der öffentlichen Kommunikation von BitMart. In der Schließungsmeldung vom 26. Juli nannte das Unternehmen nur die operativen Umstände, das Marktumfeld und die künftige Strategie als Gründe für die Schließung, ohne eine konkrete Ursache zu nennen.
BitMart hatte zuvor bereits neue Registrierungen, Einzahlungen und Handelsaufträge gestoppt und Futures-Konten in den Reduce-only-Modus versetzt. Nach neun Jahren am Markt kündigte das Unternehmen außerdem an, dass der gesamte Handel am 26. August enden soll, während die Plattformaktivitäten am 31. Januar 2027 eingestellt werden sollen. Auszahlungen bleiben vorerst möglich, allerdings nur unter zusätzlichen Compliance-Prüfungen.
BMX geriet unter Druck
Die Schließungsankündigung belastete auch den hauseigenen BMX-Token von BitMart. Der Kurs fiel damals innerhalb von 24 Stunden um etwa 58 % und liegt in diesem Jahr inzwischen 83 % im Minus.
Für europäische Krypto-Leser ist vor allem relevant, dass sich eine große Krypto-Exchange nicht nur für einen Rückzug entscheidet, sondern nun auch offenlässt, dass Teile des Betriebs doch wieder aufgenommen werden könnten. Solche Restrukturierungen können viel darüber aussagen, unter welchem Druck Exchanges in einem schwachen Markt arbeiten, vor allem wenn Kunden noch Guthaben offen haben.
Das passt zu den breiteren Sorgen rund um BitMart selbst: Nutzer beklagen schon länger blockierte Auszahlungen und fordern mehr Klarheit über das Verhältnis zwischen Guthaben und Verbindlichkeiten, wie auch in der jüngsten Diskussion über die Prüfungsforderung nach Beschwerden über blockierte Guthaben deutlich wurde.
Was das für Nutzer bedeutet
BitMart wurde 2017 gegründet und hat seinen Sitz auf den Kaimaninseln. Die Plattform gibt an, in mehr als 180 Ländern aktiv zu sein. Diese breite internationale Reichweite macht die Abwicklung von Guthaben und eine mögliche Wiederaufnahme besonders sensibel, weil Nutzer aus mehreren Rechtsräumen mit unterschiedlichen Regeln konfrontiert sein können.
Das Unternehmen geriet bereits zuvor nach einem großen Sicherheitsvorfall im Dezember 2021 unter Druck, bei dem Hacker laut früheren Berichten rund 150 Millionen Dollar (128 Millionen Euro) aus Hot Wallets erbeutet haben sollen. Danach folgte 2022 auch eine Aufsicht durch die US-FTC, was die Aufmerksamkeit für die Plattform weiter erhöhte.