Fairmint warnt: Tokenized Stocks drohen digitale Papierkrise
Fairmint-Chef Joris Delanoue warnt, dass fragmentierte Ledgers und SPV-Strukturen das rechtliche Eigentum an tokenisierten Aktien verschleiern könnten, gerade jetzt, da der Markt schnell wächst.

Wichtigste Erkenntnisse
- Fairmint-Chef Joris Delanoue warnt, dass tokenized stocks zu einer digitalen Fragmentierung von Eigentumsregistrierungen führen können.
- Er vergleicht die Lage mit Wall Streets Papierkrise aus den 1960er-Jahren und verweist auf Risiken rund um Eigentum, Stimmrechte und Dividenden.
- Fairmint setzt sich für offene Standards und Interoperabilität ein, während der Markt für tokenized equities schnell wächst.
Der schnelle Aufstieg von tokenized stocks könnte nach Einschätzung von Fairmint-Chef Joris Delanoue in einer digitalen Version von Wall Streets Papierkrise aus den 1960er-Jahren enden. Seine Warnung lautet, dass neue Systeme für tokenisierte Aktien die Ownership Records gerade wieder fragmentieren könnten, und das genau in einer Phase, in der der Markt stark wächst.
Lehre aus den 1960er-Jahren
In den späten 1960er-Jahren lief der Handel an der Wall Street so stark an, dass die Abwicklung von physischen Aktienurkunden ins Stocken geriet. Back Offices kamen nicht hinterher, Unterlagen gingen verloren und Settlement Failures häuften sich. Die New York Stock Exchange schloss 1968 sogar mittwochs für einen Teil des Jahres, damit die Unternehmen den Rückstand aufholen konnten.
Diese Phase führte später zu einer Neugestaltung der amerikanischen Post-Trade-Infrastruktur, unter anderem mit zentralen Securities Depositories und der Gründung der Depository Trust Company. Laut Delanoue ist das eine nützliche Lehre für den heutigen Kryptomarkt, wo tokenized stocks immer häufiger als digitaler Zugang zu traditionellen Aktien angeboten werden. Auch heute geht es um dieselbe Frage: Wie verhindert man, dass Eigentum und Abwicklung wieder fragmentieren? In dieser Debatte spielt die Entwicklung von tokenized securities eine wichtige Rolle, weil sie zeigt, wie bestehende Marktinfrastruktur digitale Wertpapiere verarbeiten kann.
Wo es jetzt schiefgehen kann
Delanoue warnt vor allem vor einer Mischung aus Krypto-Exchanges, SPV-Strukturen, Token-Wrappers und eigenen Ledgers. Wenn diese Systeme nebeneinander bestehen bleiben, kann seiner Ansicht nach unklar werden, wer rechtlicher Eigentümer ist und wer nur wirtschaftlich exponiert ist. Das ist relevant für Themen wie Stimmrechte, Dividendenausschüttungen und Ansprüche auf Assets, falls ein Issuer oder eine SPV in Schwierigkeiten gerät.
Er betont, dass ein Token nicht automatisch Equity ist, Equity aber sehr wohl ein Token sein kann. Fairmint versucht deshalb, das Aktionärsregister direkt onchain zu verankern, als SEC-registrierter Transfer Agent. Das Unternehmen sagt, seit 2019 mehr als $1,6 Milliarden (€1,4 Milliarden) an Equity native onchain verarbeitet zu haben.
Der breitere Markt wächst derweil schnell. Der weltweite Markt für tokenized equities ist auf rund $2 Milliarden (€1,7 Milliarden) gestiegen, von weniger als $500 Millionen (€427 Millionen) am Ende des ersten Quartals. Das ist zwar noch wenig im Vergleich zu den mehr als $100 Billionen (€85,5 Billionen) an traditionellen Aktien, zeigt aber, dass die Nachfrage zunimmt.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem der Zugang zu US-Aktien ein wichtiges Thema. Delanoue sagt, dass die Nachfrage außerhalb der USA groß ist, gerade bei Anlegern, die über tokenized stocks bei Namen wie Apple, Microsoft, Nvidia und Tesla mitmachen wollen. Wenn die Branche keine gemeinsamen Standards vereinbart, könnte Fragmentierung seiner Ansicht nach die weitere Ausrollung solcher Produkte bremsen.
Deshalb setzt sich Fairmint für offene Standards zwischen Trading Systems, Issuern, Broker-Dealern und Transfer Agents ein. Das Unternehmen hat seinen Onchain-Securities-Standard als Open Source veröffentlicht. Laut Delanoue ist Interoperabilität der nächste große Test für tokenized stocks, noch bevor der Markt weiter auseinanderdriftet.