Krypto-Abbau beschleunigt sich nach Jahren teurer Finanzierung
Mehr als 100 Projekte sind in diesem Jahr bereits gestoppt oder insolvent gegangen, während Venturekapital sich in Richtung Stablecoins und Infrastruktur verschiebt. Der Abbau legt die schwache Finanzierung aus den Boomjahren offen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Mehr als 100 Krypto-Projekte sind 2026 bereits gestoppt, insolvent gegangen oder verschwunden, wegen schwacher Treasuries, fallender Altcoins und weniger Venturekapital.
- Laut Ryan Kirkley waren viele Projekte in 2020 und 2021 schon durch zu hohe Bewertungen und Runden verwundbar, die nicht immer vollständig bezahlt wurden.
- Venturekapital verschiebt sich zu kleineren Deals und etablierten Namen, während Bitcoin bei rund 64.100 Dollar notierte und 61.200 Dollar als entscheidende Unterstützungszone gilt.
Die Welle an Krypto-Schließungen im Jahr 2026 ist laut Ryan Kirkley, dem Chef von Global Settlement Network, kein Zufall, sondern die späte Folge davon, wie viele Projekte sich in den Boomjahren finanziert haben. Mehr als 100 Projekte sind in diesem Jahr bereits gestoppt, insolvent gegangen oder praktisch verschwunden, während schwache Token-Treasuries, fallende Altcoins und weniger Venturekapital die Unternehmen ohne nachhaltiges Geschäftsmodell offenlegen.
Zu teure Runden brechen auf
Kirkley sagt, dass viele Projekte während des Finanzierungsbooms von 2020 und 2021 schon zum Scheitern verurteilt waren. Seiner Ansicht nach führte das Einsammeln von Geld zu zu hohen Bewertungen dazu, dass Teams nur noch überleben konnten, wenn sie zu Milliardenunternehmen heranwuchsen, während der Umsatz oft nicht einmal annähernd dort lag.
Diese Dynamik wurde seiner Einschätzung nach durch den Kryptomarkt selbst verstärkt. Eine große Finanzierungsrunde konnte nicht nur das Image eines Projekts aufwerten, sondern auch den Tokenkurs und die Aufmerksamkeit von Privatanlegern anheizen. Dadurch entstand ein Anreiz, Runden so vorteilhaft wie möglich darzustellen, selbst wenn der tatsächliche Geldeingang weniger sicher war, als die Ankündigung vermuten ließ.
Kirkley sagte außerdem, dass Global Settlement Network selbst gesehen habe, dass Investoren zugesagte Beträge am Ende nicht immer bezahlt hätten. Das unterstreicht seiner Ansicht nach, wie groß der Unterschied zwischen einer angekündigten Runde und dem Geld sein kann, das tatsächlich auf dem Konto landet.
Kapital verschiebt sich zu Gewinnern
Die breiteren Finanzierungsdaten passen in dieses Bild. Galaxy Research meldete, dass Venture-Investoren im ersten Quartal 2026 rund 4 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) in 355 Krypto- und Blockchain-Deals steckten, also ungefähr die Hälfte des Betrags aus dem vierten Quartal 2025. Die Zahl der Deals ging deutlich weniger stark zurück, was darauf hindeutet, dass vor allem die Megadeals weggefallen sind.
Auch die Zusammensetzung des Marktes verändert sich. In den ersten Monaten von 2026 fiel die durchschnittliche Dealgröße bei primären Krypto-Investitionen um mehr als 40 Prozent gegenüber der zweiten Hälfte von 2025. Das bedeutet, dass viele Projekte, die 2023 und 2024 Geld eingesammelt haben, nun ihre Reserven schwinden sehen, ohne dass bereits ein selbsttragender Umsatzstrom gegenübersteht.
Besonders im Gaming-Bereich ist der Rückgang deutlich. Die Zahl der Finanzierungsrunden in diesem Sektor stürzte im ersten Quartal 2026 von 141 im Jahr 2024 auf nur 5 ab, ein Zeichen dafür, dass Investoren selektiver werden und Kapital häufiger in Richtung etablierter Namen oder Übernahmen fließt.
Was das für Bitcoin bedeutet
Kirkley sieht den Markt inzwischen in einem milden Bear Market, mit Bitcoin rund um eine wichtige Unterstützungszone. Er nannte 61.200 Dollar (52.800 Euro) als entscheidend; wenn dieses Niveau bricht, könnte seiner Ansicht nach erzwungener Verkauf durch gehebelte Marktteilnehmer folgen und möglicherweise Raum in Richtung 41.000 Dollar (35.400 Euro) entstehen. Bitcoin notierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei rund 64.100 Dollar (55.300 Euro).
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem relevant, dass der Sektor nicht nur schrumpft, sondern sich auch verschiebt. Kirkley verweist auf Stablecoins, Neobanken und institutionelle Wallet- und Settlement-Infrastruktur als die Teile des Marktes, die am ehesten zu echter Nachfrage zu passen scheinen. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Abbau, dass nicht jede Krypto-Idee automatisch überlebt, sobald der Markt reifer wird.