Crypto-VCs setzen auf spätere Phasen, sagt Truth Ventures
Laut Truth Ventures fließt derzeit der Großteil des Kapitals in spätere Krypto-Runden, während gerade frühe Teams in DeFi, Layer-2 und Tooling schwerer an Finanzierung kommen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Crypto-Venture-Capital verschiebt sich zu größeren, späteren Deals; im vergangenen Quartal zog die spätere Phase 57% des Kapitals an.
- Pre-seed-Deals machten nur 19% der abgeschlossenen Transaktionen aus, während Investoren vor allem auf Traktion und bewährte Unternehmen warten.
- Laut Truth Ventures liegen die besten Chancen weiterhin in der Founding Stage, mit Fokus auf ein echtes Problem, frühe Nachfrage und ein nachhaltiges Modell.
Crypto Venture Capital verlagert sich immer stärker auf größere, spätere Deals, und das ist laut Varun Datta von Truth Ventures kein Zeichen von Disziplin, sondern von Herdenverhalten. In seinem Beitrag für Crypto Long & Short weist er darauf hin, dass Unternehmen in der späteren Phase im vergangenen Quartal 57% des Kapitals anzogen, während Pre-seed-Deals nur 19% der abgeschlossenen Transaktionen ausmachten.
Kapital sucht Sicherheit
Datta stellt diese Verschiebung dem Bild gegenüber, das Venture Capital gern von sich selbst zeichnet: früh einsteigen, Unsicherheit akzeptieren und gerade dort Wert finden. Nach seiner Einschätzung passiert derzeit oft das Gegenteil. Fonds warten, bis ein Unternehmen Traktion hat, eine bekannte Kategorie geworden ist und andere Investoren bereits ein Term Sheet vorgelegt haben. Das senkt die Unsicherheit, erhöht aber auch den Preis und den Wettbewerb um dieselbe Gruppe bewährter Unternehmen.
Die Zahlen, auf die er sich bezieht, stammen aus dem Q1-2026-Krypto-Venture-Capital-Bericht von Galaxy Research. Darin heißt es, dass Investoren rund $1,1 Milliarden (€1 Milliarde) in nur acht neue Crypto-Venture-Fonds allokieren, der niedrigste Quartalswert seit dem dritten Quartal 2020. In der ersten Hälfte von 2026 flossen insgesamt $13,3 Milliarden (€11,5 Milliarden) in 435 Finanzierungsrunden, doch die Verteilung blieb schief: Kapital konzentrierte sich auf bestimmte Sektoren und Unternehmen, während die Zahl der Deals deutlich unter dem Höchststand von 2022 lag.
Wo die frühen Chancen liegen
Laut Datta liegen die interessantesten Chancen weiterhin in der Founding Stage, wo viel Krypto-Infrastruktur aufgebaut wird, bevor der Markt ausgereift ist. Er verweist dabei auf frühere Zyklen, in denen Layer-2-Netzwerke, DeFi-Protokolle und wichtige Developer-Tools bereits Geld erhielten, bevor ihr Markt überhaupt wirklich existierte. Außerdem weist er darauf hin, dass KI im Jahr 2025 61% der weltweiten Venture-Capital-Investitionen anzog, wodurch Krypto-Gründer weniger Aufmerksamkeit von Investoren bekamen.
Für europäische Krypto-Leser ist das relevant, weil die Finanzierung früher Teams oft etwas darüber verrät, wo die nächste Welle an Produkten und Infrastruktur entsteht. Die Verschiebung hin zu größeren, späteren Runden kann bedeuten, dass junge Projekte mehr Mühe haben, Kapital aufzunehmen, während etablierte Namen leichter Geld anziehen. Gleichzeitig zeigt der Zufluss traditioneller Finanzakteure, dass Crypto Venture Capital immer enger mit dem breiteren Finanzsektor verflochten ist. Das zeigt sich auch im Aufstieg der Tokenisierung, bei der Akteure wie Wall Street macht Tokenisierung zur strategischen Priorität zunehmend auf Blockchain-Infrastruktur für bestehende Finanzprodukte setzen.
Drei Dinge, auf die du achten solltest
Datta sagt, dass Anleger in dieser Phase vor allem auf drei Signale achten sollten. Erstens auf ein echtes Problem, etwa rund um Zahlungen, Liquidität, Interoperabilität, Compliance oder Developer Experience. Zweitens auf frühe Nachfrage, etwa wenn Entwickler ein Tool weiter nutzen oder Kunden beim Produkt mitdenken. Drittens auf ein Modell, das mehrere Marktzyklen überstehen kann, mit nachhaltiger Ökonomie, einer durchdachten Token-Struktur und einem klaren Weg zur Distribution.
Sein Kernpunkt ist einfach: Wer wartet, bis Unsicherheit verschwindet, verpasst oft gerade das größte Aufwärtspotenzial. Nach Dattas Einschätzung ist es nicht die Aufgabe von Venture Capital, Risiko wegzuwischen, sondern zu bestimmen, welche Risiken es wert sind, eingegangen zu werden.