Finst

Etherealize warnt vor einem Rennen um permissioned Blockchains

Raman nennt Consortium Chains unter anderem von Circle, Stripe und Digital Asset ein Risiko für die Interoperabilität. Laut Etherealize bleibt eine offene Ethereum-Basisschicht entscheidend für tokenisierte Assets und DeFi.

Etherealize warnt vor einem Rennen um permissioned Blockchains

Wichtigste Erkenntnisse

  • Vivek Raman von Etherealize warnt, dass der Vormarsch permissioned Blockchains das Kernversprechen von Krypto unter Druck setzt.
  • Nach seiner Einschätzung bleibt eine offene Ethereum-Basisschicht nötig für Interoperabilität, Liquidität und breite Teilnahme ohne Genehmigung.
  • Er nennt Consortium Chains wie Canton Network, ARC und Tempo attraktiv für Privatsphäre, aber möglicherweise fragmentierend für die institutionelle Adoption.

Die Wiederbelebung privater, abgeschotteter Blockchains setzt nach Einschätzung von Vivek Raman, Mitgründer und CEO von Etherealize, das Kernversprechen von Krypto unter Druck. Er bezeichnet die aktuelle Welle von Consortium Chains als "race to the bottom" und sagt, dass eine offene Basisschicht nötig bleibt, um Interoperabilität und Liquidität zu erhalten.

Offenes Netzwerk als Basis

Etherealize versucht, traditionelle Finanzakteure zu Ethereum zu ziehen. Laut Raman ist das relevant, weil Ethereum bereits als Basisschicht für Milliarden Dollar an tokenisierten Assets und als Settlement-Layer für einen großen Teil von DeFi dient. In seiner Sicht gehört dazu ein offenes Mainnet, auf dem Transaktionen sichtbar sind und auf dem sich Parteien nicht erst eine Genehmigung holen müssen, um mitzumachen.

Raman stellt Ethereum als öffentliches Fundament dar, vergleichbar mit HTTP im Internet. Darüber können seiner Ansicht nach durchaus permissioned Ebenen liegen, etwa auf App-Ebene oder über L2s, aber die Basisschicht muss offen bleiben. Genau diese Struktur macht es möglich, verschiedene Parteien und Anwendungen miteinander kommunizieren zu lassen, was bei geschlossenen Netzwerken schwieriger ist.

Consortium Chains gewinnen an Boden

Die Debatte findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem permissioned Systeme wieder an Popularität gewinnen. Raman verweist dabei auf Digital Assets Canton Network, Circles Stablecoin-Zahlungsprojekt ARC und Stripes Tempo als Beispiele für sogenannte Consortium Chains. Solche Netzwerke versprechen mehr Privatsphäre und weniger Gegenparteirisiko, Eigenschaften, die für den traditionellen Finanzsektor attraktiv sind.

Gleichzeitig ist die Idee nicht neu. Frühere Enterprise-Initiativen wie R3 und Hyperledger zogen ebenfalls Banken und große Unternehmen an, verloren später aber an Dynamik, als ein Teil dieser Parteien wieder absprang. Laut Raman zeigt das, dass der Markt erneut dieselbe Abwägung zwischen Kontrolle und Offenheit trifft.

Bedeutung für Europa

Für europäische Krypto-Beobachter ist die Debatte relevant, weil die Wahl zwischen offenen und permissioned Netzwerken bestimmt, wie weit tokenisierte Assets und institutionelle Produkte tatsächlich skalieren können. Eine offene Infrastruktur kann die Verbindung zwischen Parteien einfacher machen, während geschlossene Systeme eher mehr Fragmentierung bringen können. Das Ergebnis dieses Wettbewerbs könnte daher beeinflussen, wie schnell institutionelle Krypto-Adoption in der Praxis Gestalt annimmt.

BlackRock und Regulierung

Raman sieht BlackRocks neue Ethereum-basierte Fonds als Zeichen dafür, dass sich der Markt in Richtung offener Netzwerke bewegt. Er verknüpft das auch mit regulatorischer Klarheit und nennt den GENIUS Act als Rahmen für Stablecoins in den USA. Seiner Ansicht nach fließt institutionelles Geld eher in Schienen, die niemand besitzt, während Consortium Chains weiterhin von Mitgliedschaft und Genehmigung abhängen.

BlackRock hat diesen Schritt kürzlich gemacht, indem das Unternehmen tokenisierte Anteilsklassen für Geldmarktfonds auf Ethereum gestartet hat, was die institutionelle Nachfrage nach öffentlicher Infrastruktur weiter unterstreicht.

Etherealize selbst wurde im Januar 2025 mit einem Grant von Ethereum-Gründer Vitalik Buterin und der Ethereum Foundation unterstützt. Später im selben Jahr sammelte das Unternehmen in einer Series-A-Runde weitere 40 Millionen Dollar (34,6 Millionen Euro) ein und konnte damit seine Rolle beim institutionellen Rollout von Ethereum weiter ausbauen.


Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine finanzielle, anlagebezogene, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen können unvollständig, ungenau oder veraltet sein und sollten nicht als solche herangezogen werden. Nichts auf dieser Website sollte als Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Kryptowährungen angesehen werden. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Verlustrisiken verbunden.