Ethereum-Vorschlag könnte Staking-Rewards halbieren
Das Konzept von Justin Drake und Mitautoren könnte die ETH-Ausgabe und die Staking-Anreize spürbar verändern, mit Folgen für Validatoren, Lido und die Verteilung der Erträge auf Ethereum.

Wichtigste Erkenntnisse
- Ethereum-Foundation-Researcher Justin Drake und fünf Mitautoren wollen die Staking-Rewards senken, sobald die Hälfte aller ETH gestakt ist.
- Laut BeInCrypto würde die jährliche Reward auf etwa 1,1 % sinken, gegenüber 2,6 % aktuell, während ein Teil der Reward regelmäßig verbrannt wird.
- Der Vorschlag ist noch nicht endgültig und muss erst noch durch Redakteure, Client-Teams und ein Netzwerk-Upgrade, bevor sich etwas ändert.
Ethereum-Foundation-Researcher Justin Drake und fünf Mitautoren wollen die Belohnung für das Staking von ETH neu justieren. Ihr Konzeptvorschlag sieht vor, diese Reward zu senken, sobald die Hälfte aller ETH gestakt ist. Für Staker würde das geringere Erträge bedeuten, während Nicht-Staker relativ gesehen einen etwas größeren Anteil am gesamten ETH-Angebot behalten.
Wie der Vorschlag funktioniert
Im Kern geht es um eine Anpassung der Ausgabe. Ethereum vergütet Teilnehmer derzeit dafür, das Netzwerk abzusichern: ETH staken, Transaktionen prüfen und dafür neue ETH erhalten. Nach den Berechnungen von BeInCrypto läge die neue Reward bei rund 1,1 % pro Jahr, verglichen mit 2,6 % derzeit.
Das ist deshalb relevant, weil die Belohnung bei Proof-of-Stake nicht nur aus neuer Ausgabe besteht, sondern auch aus Transaktionsgebühren und MEV, also dem zusätzlichen Ertrag aus der Reihenfolge von Transaktionen. Seit Ethereum im September 2022 von Proof of Work auf Proof of Stake umgestellt hat, hat sich diese Struktur grundlegend verändert, während das energieintensive Mining weggefallen ist.
Die Autoren wollen außerdem, dass ein Teil der Reward regelmäßig verbrannt wird. Je mehr ETH gestakt wird, desto größer fällt dieser Anteil aus. Beim aktuellen Stand würden 56 % der Reward verschwinden; bei 60,25 Millionen ETH würde der komplette Betrag entfernt.
Wer den Druck zuerst spürt
Auf dem Papier trifft die Grenze zunächst vor allem große Betreiber, doch laut den Berechnungen dürfte es noch eine Weile dauern, bis dieser Punkt erreicht ist. BeInCrypto hat die Formel auf Lido angewendet und kam zu dem Ergebnis, dass sich Wachstum noch bis etwa 49 Millionen ETH gestakt lohnt, also fast 8 Millionen mehr als derzeit.
Das ist auch vor dem Hintergrund eines Marktes relevant, in dem Staking schon länger unter Druck steht, weil immer mehr Teilnehmer dazukommen. Die Validator-Yields sind im Zeitverlauf von über 4 % auf rund 2,7 % gefallen, gerade weil immer mehr ETH gestakt wird. Das Pectra-Upgrade im Mai 2025 brachte mit 0x02 compounding validators zudem eine zusätzliche Funktion, die Belohnungen automatisch reinvestieren können und bis zu 2.048 ETH pro Validator erlauben.
Der Vorschlag betrifft nicht nur große Staker. Auch kleinere Teilnehmer würden geringere Erträge sehen, während Verluste unverändert bleiben. Dadurch dauert es länger, sich nach einer Offline-Phase zu erholen. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass Validatoren weiterhin MEV-Einnahmen behalten, diese die neue Burn aber nicht vollständig ausgleichen.
Warum das für ETH wichtig ist
Für Ethereum-Anleger und Netzwerkteilnehmer ist das vor allem eine Frage der Anreize. Niedrigere Staking-Rewards könnten die Verteilung der Erträge im Netzwerk verschieben, während die insgesamt gestakte Menge an ETH seit Jahren steigt. Gleichzeitig zeigt der Aufstieg von Restaking-Protokollen, dass viele Staker bereits heute nach zusätzlichem Yield jenseits der Basisbelohnung suchen, was die Sensibilität für solche Vorschläge erhöht.
Der Plan ist noch nicht endgültig. Bevor sich etwas ändert, muss er erst durch Redakteure, Client-Teams und schließlich ein Netzwerk-Upgrade. Im Moment ist das vor allem ein Hinweis darauf, dass die Debatte über Ausgabe, Staking und Netzwerksicherheit auf Ethereum wieder an Fahrt gewinnt.