Goldman Sachs, Wells Fargo und Morgan Stanley sehen Tokenisierung als Chance
Goldman, Wells Fargo und Morgan Stanley sehen tokenisierte Assets und Zahlungen als Wachstumschance. Die Banken testen bereits Anwendungen für Handel, grenzüberschreitende Zahlungen und Wealth Management.

Wichtigste Erkenntnisse
- Goldman Sachs sieht Tokenisierung vor allem als Chance für mehr Handelsaktivität, neue Produkte und möglicherweise neue Kunden.
- Wells Fargo nutzt tokenisierte Einlagen bereits für grenzüberschreitende Zahlungen, die innerhalb von zwei Minuten oder weniger ankommen.
- Morgan Stanley erwartet, dass Tokenisierung eher mehr Nachfrage nach Beratung und Wealth-Management-Dienstleistungen schaffen kann.
Tokenisierung bekommt an der Wall Street immer mehr Aufmerksamkeit, und die größten US-Banken sehen darin vor allem Chancen. Goldman Sachs, Wells Fargo und Morgan Stanley erklärten in dieser Woche im Rahmen ihrer Quartalszahlen, wie die Technologie neue Handelsmöglichkeiten, schnellere Zahlungen und zusätzliche Beratungsarbeit bringen kann. Konkrete Umsatzprognosen nannten sie noch nicht.
Goldman sieht Handel wachsen
Bei Goldman Sachs lag der Fokus auf Trading. CEO David Solomon wurde gefragt, ob Tokenisierung, DeFi und Prediction Markets die Handelserlöse der Bank schmälern könnten. Seiner Ansicht nach kann sie auch mehr Aktivität bringen.
Solomon verglich den Aufstieg der Tokenisierung mit dem Wechsel zum elektronischen Aktienhandel vor fast 50 Jahren. Damals gab es ebenfalls die Sorge, dass Handelsdesks an Bedeutung verlieren würden, doch Goldman passte sich an und sah das Aktiengeschäft gerade wachsen. Seiner Ansicht nach können Tokenisierung und breitere Vertriebskanäle erneut für mehr Produkte, mehr Aktivität und möglicherweise neue Kunden sorgen.
Die Bank arbeitet seit Jahren an digitaler Infrastruktur. Goldman entwickelte GS DAP, seine eigene Plattform für tokenisierte Assets, bereits 2022 und arbeitete zuvor an der Tokenisierung von Anleihen, Geldmarktfonds und Immobilien. Im Juli nahm die Bank außerdem an einem Test mit einem Tokenisierungsdienst der Depository Trust & Clearing Corporation teil, die einen großen Teil der Abwicklung im US-Wertpapiermarkt übernimmt. Solomon sagte dabei allerdings, dass die Aktivität bislang noch klein sei.
Wells Fargo nutzt tokenisierte Einlagen
Wells Fargo ist in der Praxis schon weiter. Die Bank verarbeitet grenzüberschreitende Zahlungen mit tokenisierten Einlagen, wobei das Geld innerhalb von zwei Minuten oder weniger auf dem Konto des Begünstigten ankommt. CFO Michael Santomassimo betonte, dass dieses System bereits produktiv läuft, auch wenn es sich noch um kleine Volumina handelt.
Für Wells Fargo liegt die Chance vor allem bei internationalen Zahlungen. Die Bank verfügt über ein weniger großes internationales Filialnetz als einige Wettbewerber, und tokenisierte Einlagen können helfen, mehr grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr anzuziehen, ohne erst überall physisch präsent sein zu müssen.
Die Bank schaut sich außerdem tokenisierte Wertpapiere, Real-World Assets und Krypto-Trading für Vermögenskunden an. Wann diese Dienste verfügbar sein werden, sagte Santomassimo nicht.
Warum das relevant ist
Die Aussagen von Goldman, Wells Fargo und Morgan Stanley passen zu einer breiteren Bewegung am US-Markt. Auch Aufsichtsbehörden und große Handelsplattformen schauen sich tokenisierte Aktien auf öffentlichen Blockchains immer ernster an, mit Plänen, die 24/7-Handel und schnellere Dividendenverarbeitung unterstützen sollen. Für europäische Kryptonutzer zeigt das, dass Tokenisierung nicht länger nur eine Nischenidee ist, sondern immer häufiger Teil der Strategie etablierter Finanzakteure wird.
Auch die Frage, wo der wirtschaftliche Wert dieser Verschiebung landet, spielt breiter im Markt eine Rolle. Forscher von Citrini wiesen bereits darauf hin, dass der Gewinn vor allem davon abhängt, welche Netzwerke, Protokolle und Plattformen die Handels- und Abwicklungsströme für sich gewinnen.
Morgan Stanley legte derweil den Schwerpunkt auf Beratung. CFO Sharon Yeshaya sagte, dass eine Welt, in der Assets schneller und einfacher bewegt werden, gerade mehr Bedarf an Begleitung schaffen könnte. Die Bank sieht Tokenisierung damit vor allem als zusätzliche Chance innerhalb von Wealth Management und institutionellen Dienstleistungen, nicht als Bedrohung für das bestehende Modell.