Polygon Labs kauft Coinme und richtet den Fokus auf Zahlungen
Mit Coinme holt sich Polygon einen regulierten US-Zahlungsanbieter ins Haus, während das Unternehmen über Stablecoin- und Fiat-Konvertierungen gegen Visa und Stripe antritt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Polygon Labs hat Coinme übernommen und will damit weiter vom Blockchain-Infrastruktur-Anbieter hin zu regulierten Zahlungsaktivitäten wachsen.
- Das Unternehmen will 2027 profitabel werden und konzentriert sich auf Konvertierungen zwischen Krypto, Stablecoins und traditionellem Geld.
- Polygon muss noch beweisen, dass Kunden nicht nur die Blockchain, sondern auch die eigene Zahlungsschicht nutzen wollen.
Polygon Labs hat die Übernahme von Coinme abgeschlossen und macht damit einen weiteren Schritt in seinem Versuch, über Blockchain-Infrastruktur hinauszuwachsen. Das Kryptounternehmen will mit seinen regulierten Zahlungsaktivitäten 2027 profitabel werden, während es sich auf einen Markt konzentriert, der derzeit von Visa und Stripe dominiert wird.
Von Infrastruktur zu Zahlungen
Mit Coinme bekommt Polygon Labs einen US-amerikanischen, regulierten Crypto-Payments-Anbieter in die eigenen Reihen. Dadurch kann das Unternehmen selbst Konvertierungen zwischen Krypto, Stablecoins und traditionellem Geld abwickeln, ohne jedes Mal einen Dritten zu brauchen, wenn Geld in eine Blockchain hinein- oder aus ihr herausbewegt werden soll.
Laut CEO Marc Boiron verändert das auch die Rolle von Polygon. Das Unternehmen will nicht mehr nur die Technologie liefern, mit der Geld bewegt wird, sondern auch die Gebühreneinnahmen einnehmen, die mit dem Umwandeln und Weiterleiten dieses Geldes verbunden sind. Diese Einnahmequelle ging zuvor oft an andere Parteien.
Der Schritt passt zur Einführung des Open Money Stack im Januar. Dieses Framework soll Stablecoin-Zahlungen unterstützen und grenzüberschreitende Transfers einfacher machen. Polygon sagt, dass es damit nicht nur Infrastruktur bereitstellt, sondern auch eine eigene Zahlungsschicht aufbaut.
Der Wettbewerb bleibt groß
Die Ambitionen sind klar, aber der Abstand zu den etablierten Namen ist noch groß. Visa verarbeitete im Geschäftsjahr 2025 mehr als $12,3 Billionen (€10,9 Billionen) an Zahlungen, während Stripe auf $1,9 Billionen (€1,7 Billionen) kam. Polygon steht bei diesem Weg noch ganz am Anfang.
Gleichzeitig bewegt sich auch die breitere Zahlungswelt in Richtung Stablecoins. Visa hat sein Stablecoin-Abwicklungsnetzwerk bereits auf unter anderem Polygon ausgeweitet und arbeitet außerdem an einer Plattform, mit der Banken und Fintechs Stablecoins ausgeben, verwalten und abwickeln können. Stripe baut ebenfalls weiter an Stablecoin-Zahlungen, während Swift gemeinsam mit großen Banken Blockchain-Infrastruktur entwickelt.
Für europäische Krypto-Beobachter ist das relevant, weil es zeigt, wie schnell Stablecoins eine Rolle im Zahlungsverkehr außerhalb des Kryptomarkts selbst bekommen. Auch in Europa nimmt diese Entwicklung zu: Ein Bankenkonsortium erhielt kürzlich die Genehmigung von De Nederlandsche Bank, einen Euro-Stablecoin auszugeben, was den Wettbewerb um digitale Zahlungen weiter verschärfen könnte.
Was Polygon jetzt beweisen muss
Polygon sagt, dass es bereits Kunden für die Plattform hat, darunter Tazapay, Mesh, Toku und Kira. Dennoch befindet sich die einheitliche Integration noch in der technischen Vorschau und ist für Kunden daher noch nicht allgemein verfügbar.
Die Kernfrage ist jetzt nicht mehr, ob Unternehmen Polygons Blockchain nutzen wollen, sondern ob sie auch Polygon Labs selbst einsetzen wollen, um Geld zu bewegen. Damit ist die Übernahme von Coinme vor allem ein strategischer Schritt: Polygon versucht, mehr Kontrolle über den gesamten Zahlungsfluss zu bekommen, statt nur die zugrunde liegende Chain bereitzustellen.