Sind CBDCs die Lösung?
Während Bitcoin langsam nach oben klettert, haben amerikanische Banken Schwierigkeiten und geraten mehrere Stablecoins ins Wanken.

Während Bitcoin langsam nach oben klettert, haben amerikanische Banken Schwierigkeiten und geraten mehrere Stablecoins ins Wanken. Die Frage ist daher, ob das aktuelle Finanzsystem modernisiert werden muss. Aber was sind die finanziellen Folgen der CBDCs? Und kommt der digitale Euro nach Europa?
Digitale Geld – was ist neu daran?
Digitales Geld ist nicht einfach digitales Geld. Während Fiatgeld von Geschäftsbanken ausgegeben wird, wäre der digitale Euro eine Art dritte Form von Zentralbankgeld (CBDCs) – neben Bargeld und Bankeinlagen. Genauso wie Bargeld würde es direkt von der Zentralbank in Umlauf gebracht.
Im Gegensatz dazu werden Kryptowährungen mit stabilem Wert, die sogenannten Stablecoins, von privaten Unternehmen ausgegeben. Der jüngste Verlust an Vertrauen in BUSD und USDC hat die Ansicht der CBDC‑Befürworter, dass Investoren in der Kryptobranche diesem überhöhten Emittentenrisiko privater Unternehmen ausgesetzt sind, möglicherweise nur verstärkt.
Die Zukunft gestalten oder kontrollieren?
Aber sind CBDCs die Lösung für alles? Vor allem Krypto‑Enthusiasten verbinden „legitim kodiertes Geld“ eher mit dem Verlust von Anonymität als mit illegalen Transaktionen. Man verweist oft auf autoritäre Länder wie China, wo CBDCs häufig eingesetzt werden, um Bürger und Unternehmen zu kontrollieren:
Im März integrierte die „Super‑App“ WeChat die digitale Yuan neben WeChatPay als zusätzliche Zahlungsmethode. Im Dezember 2022 hatte Alipay bereits die Integration des Renminbi‑Akzeptanznetzes angekündigt. WeChat hat mehr als 1,3 Milliarden Nutzer.
Florida gilt hingegen als kryptofreundlicher US‑Bundesstaat: Angesichts der angespannten Bankenkrise in den USA hat der Gouverneur am 20. März sich vermutlich für ein Verbot von amerikanischem Zentralbankgeld ausgesprochen.
Letztendlich spielt das politische Stimmungsbild der jeweiligen Regierung eine ausschlaggebende Rolle bei der Frage, welchem Zweck Zentralbankgeld dienen soll.
Und wie steht die EU zu CBDCs?
Im Dezember 2022 haben die EU‑Staaten eine Einigung erzielt über einen gemeinsamen Regelkatalog für eine digitale Brieftasche der EU. Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, eine Wallet‑Lösung für die Bürger bereitzustellen. Für die Bürger selbst bleibt die Nutzung jedoch freiwillig.
In einer Art In‑App‑Wallet könnten Nutzer eine Vielzahl von Anträgen digital bearbeiten, von Geburtsurkunden bis zu mobilen Führerscheinen. Die EU‑Staaten hoffen, dass dies der Anfang eines einheitlichen digitalen Datenaustauschs im europäischen Binnenmarkt ist.
Die EZB will in diesem Herbst über die Einführung der digitalen Euro als Ergänzung zu Bargeld abstimmen. Ein passender digitaler Euro als Folge der passenden digitalen EU‑Brieftasche ist daher nicht aus der Luft gegriffen. Trotz vieler Kritik scheint die EU das gesamte CBDC‑Vorhaben durchzuziehen.
Fazit: CBDCs der Anfang einer neuen Finanzordnung?
Die Einführung von CBDCs für Privatpersonen hätte weitreichende geopolitische und finanzielle Folgen. Es ist unklar, welches Modell die EZB bei der Einführung wählen wird, welche Rolle die Zentralbank, Geschäftsbanken und externe Finanzdienstleister spielen.
Zudem lässt sich nicht absehen, wie Verbraucher während der Einführungsphase nach dem digitalen Euro fragen werden. Eine zu starke Nachfrage könnte die bisher kontrollierte Geldpolitik der EZB ins Wanken bringen und eine Zinsvolatilität auslösen.
Angesichts der jüngsten Pleiten wie der Silicon Valley Bank (SVB) in den USA und der Rettungsbemühungen rund um Credit Suisse in der Schweiz ist dies derzeit kein ungefährliches Unterfangen.
Auf der anderen Seite könnten CBDCs die finanzielle Inklusion fördern und bürokratische Zahlungsprozesse automatisieren. Ein Ersatz für CBDCs für Privatanwender könnte die Modernisierung der sogenannten Wholesale‑CBDCs (Interbanken‑Abrechnungen) sein.
Dieser weniger revolutionäre Ansatz könnte einerseits die breite Einführung von Kryptowährungen beschleunigen und andererseits den Druck auf Regierungen erhöhen, strengere Vorschriften einzuführen.