Kraken strebt über Litauen eine europäische Banklizenz an
Über Litauen will Kraken eine seltene europäische Banklizenz erhalten, zusätzlich zu früheren Lizenzen in den USA und den VAE. Das könnte die Grenze zwischen Krypto-Börse und klassischer Bank weiter verwischen.

Wichtigste Erkenntnisse
- Kraken arbeitet an einer vollständigen europäischen Banklizenz und sieht Litauen dabei als mögliche Jurisdiktion.
- Sollte die Lizenz erteilt werden, wäre Kraken die einzige Krypto-Börse mit einem solchen Bankstatus.
- Der Schritt fügt sich in die breitere Lizenzstrategie der Muttergesellschaft Payward ein, zusätzlich zu früheren Lizenzen in den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Kraken arbeitet an einer vollständigen Banklizenz für Europa und betrachtet Litauen dabei als möglichen Standort, wie eine mit den Plänen vertraute Person berichtet. Für die Krypto-Börse, die sich zugleich auf einen Börsengang in den Vereinigten Staaten vorbereitet, wäre das ein bemerkenswerter Schritt: eine Genehmigung, die üblicherweise vor allem klassischen Banken vorbehalten ist.
Litauen als Weg
Dass Litauen als Option im Raum steht, dürfte kein Zufall sein. Das Land hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort für Fintech-Unternehmen entwickelt, die eine europäische Banklizenz anstreben. Ein Grund dafür ist, dass die Bank of Lithuania mehrere Anbieter zugelassen hat. Unter anderem haben Revolut und verschiedene weitere Finanzunternehmen dort eine Bank- oder spezialisierte Banklizenz erhalten.
Sollte Kraken die Lizenz bekommen, wäre das Unternehmen die einzige Krypto-Börse mit einem solchen Status. Damit würde sich Kraken regulatorisch in eine ähnliche Richtung bewegen wie Revolut, das über eine spezialisierte Banklizenz in Europa unter anderem Zahlungskonten, Verbraucherkredite und Aktienhandel im EWR anbieten kann.
Kraken wollte sich zu den Plänen nicht äußern. Ein Sprecher der Bank of Lithuania erklärte, dass das Lizenzverfahren für Marktteilnehmer vertraulich sei.
Breite Lizenzstrategie
Die europäische Banklizenz passt zu einer breiter angelegten Strategie der Muttergesellschaft Payward, weltweit weitere Genehmigungen zu sichern. Im März 2026 erhielt Kraken Financial als erste Digital-Asset-Bank Zugang zur Zahlungsinfrastruktur der Federal Reserve und rückte damit auf dieselben Schienen wie traditionelle Finanzinstitute. Im Mai kam zudem eine VARA-Autorisierung in den Vereinigten Arabischen Emiraten hinzu.
Der Fokus auf mehr Lizenzen zeigt, dass Kraken nicht nur auf Wachstum im Krypto-Segment setzt, sondern auch auf eine breitere Rolle in regulierten Finanzmärkten. Für europäische Kryptonutzer ist dabei vor allem relevant, dass eine vollständige Banklizenz die Trennlinie zwischen einer Krypto-Börse und einem klassischen Finanzinstitut weiter verwischen könnte.
Bedeutung für Europa
Für europäische Nutzer und Aufseher ist das Thema vor allem deshalb relevant, weil es zeigt, wie Krypto-Unternehmen ihre Angebote zunehmend über Banklizenzen strukturieren. Das kann Einfluss darauf haben, wie schnell ein Anbieter Produkte einführen darf, welche Aufsichtsanforderungen gelten und wie umfangreich das Angebot am Ende ausfällt. Gleichzeitig bleibt das Verfahren vertraulich, weshalb weder Ausgang noch Zeitplan derzeit klar sind. In Europa fügt sich diese Entwicklung in einen breiteren Trend ein, bei dem Unternehmen ihre Lizenzstrategie schärfen, wie bei Coinbase eröffnet MiCA-Hub in Luxemburg, Binance zieht sich aus Griechenland zurück.