Vanguard sucht Führungskraft für Digital Assets
Der Vermögensverwalter prüft Tokenization, Stablecoins und Custody, bleibt aber bei einem vorsichtigen Ansatz ohne direkte Produktlancierung.

Wichtigste Erkenntnisse
- Vanguard sucht einen Leiter für Digital Assets, der die Strategie rund um Krypto und Blockchain-Technologie steuern soll.
- Die Rolle umfasst unter anderem Tokenization, Stablecoins, digitale Wallets, Custody und blockchain-gestützte Abwicklung.
- Vanguard hat seine Haltung im Dezember gelockert und lässt Kunden mit Kryptowährungs-ETFs und Mutual Funds handeln.
Vanguard hat eine Stelle für einen Leiter für Digital Assets ausgeschrieben. Die Senior-Position soll die Strategie des Vermögensverwalters rund um Krypto und Blockchain-Technologie prägen. Der Schritt deutet darauf hin, dass sich der Konzern, der der Branche lange eher distanziert gegenüberstand, weiter öffnet, ohne damit bereits eine eigene Produktlancierung anzukündigen.
Neue Rolle mit breitem Aufgabenbereich
Die Position ist bei Vanguard Personal Wealth angesiedelt und verlangt eine Führungskraft, die die Digital-Asset-Strategie des Unternehmens entwickelt, konkrete Chancen identifiziert und die Umsetzung über Produkt, Technologie, Operations, Legal und Compliance koordiniert. Zusätzlich soll die Person das Senior Management über Entwicklungen im Digital-Asset-Markt informieren und Vanguard in Gesprächen mit Aufsichtsbehörden sowie Branchenverbänden vertreten.
In der Ausschreibung nennt Vanguard mehrere Bereiche des Ökosystems, die in den Aufgabenbereich fallen. Dazu gehören Tokenization, Stablecoins, digitale Wallets, Custody, blockchain-gestützte Abwicklung und operative Modelle. Die neue Führungskraft soll außerdem bewerten, ob Vanguard Fähigkeiten intern aufbaut, mit Drittanbietern zusammenarbeitet oder den Einstieg in bestimmte Marktsegmente zunächst zurückstellt.
Vorsichtige Kehrtwende bei Vanguard
Die Ausschreibung passt zu einer schrittweisen Neuausrichtung bei Vanguard. Der Vermögensverwalter verwaltet rund 10 $ Billionen (8,7 € Billionen) und zählte lange zu den größten institutionellen Skeptikern von Krypto. Während Anbieter wie BlackRock, Fidelity und Franklin Templeton Spot-Bitcoin-ETFs und weitere Blockchain-Initiativen auf den Markt brachten, hielt sich Vanguard bislang zurück.
Erst im Dezember lockerte das Unternehmen diese Linie etwas und erlaubte Brokerage-Kunden, mit Kryptowährungs-ETFs und Mutual Funds zu handeln. Gleichzeitig stellte Vanguard weiter klar, dass es keine eigenen Krypto-Anlageprodukte auflegen will, weil digitale Assets aus Sicht des Konzerns nicht gut zur langfristigen Anlagestrategie passen.
Auch die Ernennung von CEO Salim Ramji, der im Juli 2024 von BlackRock zu Vanguard wechselte, spricht eher für einen vorsichtigen Kurs als für einen abrupten Strategiewechsel. Schon vor seinem Amtsantritt hatte Ramji erklärt, dass Vanguards Entscheidung gegen einen eigenen Bitcoin ETF aus seiner Sicht konsequent zur Unternehmensphilosophie passe.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Beobachter ist vor allem bemerkenswert, dass ein Anbieter dieser Größenordnung nun ausdrücklich Kapazitäten rund um Tokenization, Stablecoins und Custody aufbaut. Das könnte darauf hindeuten, dass traditionelle Vermögensverwalter digitale Assets zunehmend nicht mehr nur als einzelnes Produkt betrachten, sondern als Teil einer breiteren Infrastruktur und Dienstleistung. Zugleich bleibt die Stellenausschreibung bewusst zurückhaltend formuliert, was zeigt, dass große Institute ihre Digital-Asset-Strategie weiterhin Schritt für Schritt ausarbeiten.