Liquid Network verzeichnet Abfluss von 319 Millionen Dollar nach On-Chain-Nachricht
Bei der Bitcoin-Sidechain von Blockstream blieb der Peg intakt, doch die Verschiebung von fast der gesamten Reserve wirft Fragen zur Föderation und Sicherheit auf.

Wichtigste Erkenntnisse
- Am Sonntag wurden 319 Millionen Dollar an Bitcoin aus Blockstreams Liquid Network verschoben, mit einer On-Chain-Nachricht und nur 21 Cent an Gebühren.
- Der Peg von Liquid blieb laut der Chain intakt, wodurch eine einfache Insolvenzgeschichte unwahrscheinlich erscheint.
- Blockstream hat bislang keine Erklärung für die fast vollständige Verschiebung der Reserve gegeben, was Fragen zur Sicherheit aufwirft.
Am Sonntag wurden 319 Millionen Dollar (274 Millionen Euro) an Bitcoin aus Blockstreams Liquid Network verschoben, und der Absender hinterließ dabei eine On-Chain-Nachricht. Die Transaktion kostete nur 21 Cent an Gebühren. Laut der Chain bleibt der Peg von Liquid derweil im Gleichgewicht, wodurch das Bild weniger nach einem einfachen Diebstahl und eher nach einem auffälligen Sicherheitsvorfall aussieht.
Was genau passiert ist
Die erste Bewegung wurde um 14:06 UTC abgeschlossen. Dabei gingen 3.996 BTC an eine neue Adresse, die zuvor noch nie verwendet worden war. Das entsprach etwa 95% von allem, was das Netzwerk zu diesem Zeitpunkt hielt.
Vier Stunden später folgte eine zweite Transaktion. Der Absender zahlte 269 Satoshis, etwa 21 Cent, und fügte eine Nachricht hinzu, die für alle lesbar ist. Danach wurden 0,00001 BTC an die eigene Adresse von Liquid zurückgesendet. Die übrigen 3.998,49 BTC wurden seitdem nicht mehr bewegt.
Peg bleibt intakt
Liquid arbeitet mit einem einfachen Mechanismus: Um Coins aus dem Netzwerk herauszuholen, müssen die entsprechenden Tokens zuerst vernichtet werden. Dadurch sank auch die Menge an Tokens, die die Reserve im Netzwerk deckt. Den verfügbaren Daten zufolge ist der Peg weiterhin intakt, mit 0,22 BTC übrig. Wer noch L-BTC hält, verliert also keinen Satoshi.
Das macht eine Insolvenzgeschichte unwahrscheinlich. Gleichzeitig wirft es aber Fragen auf, weil fast die gesamte Reserve in einer einzigen Bewegung eingesetzt wurde. Blockstream hat dazu bislang keine Erklärung gegeben.
Warum das relevant ist
Liquid ist eine Bitcoin-Sidechain, die schnelle und vertraulichere Transaktionen ermöglicht. Die Sicherheit beruht auf einer Föderation von Functionaries, wobei mindestens 11 der 15 Signaturen nötig sind, um BTC zu bewegen. Dieses Modell soll eine zusätzliche Sicherheitsebene bieten, macht aber auch deutlich, wie anfällig solche Bridges und Sidechains für ungewöhnliche Bewegungen sind.
Die Situation erinnert außerdem an frühere Bridge-Vorfälle im Kryptomarkt, etwa an den Ronin-Fall im Jahr 2024, bei dem ein White-Hat-Hacker eine Schwachstelle nachwies und die Gelder später nach einer Bounty zurückgegeben wurden. Solche Beispiele zeigen, dass eine On-Chain-Nachricht nicht automatisch Klarheit über die Absicht hinter einer großen Verschiebung von Geldern schafft.