MiCA zwingt Krypto-Unternehmen in Europa zum Lizenzcheck
Nur ein kleiner Teil der europäischen Krypto-Anbieter verfügt bereits über eine MiCA-Autorisierung. Damit rücken Zugang, Passporting und die Aufsicht durch ESMA und nationale Behörden jetzt stärker in den Fokus.

Wichtigste Erkenntnisse
- Seit dem 1. Juli 2026 müssen Crypto-Asset-Service-Provider in Europa über eine EU-Autorisierung verfügen oder ihre Aktivitäten zurückfahren.
- Nur rund 210 von etwa 3.000 Krypto-Unternehmen in der EU hatten im Juli 2026 eine vollständige MiCA-Autorisierung.
- MiCA stellt je nach Dienst unterschiedliche Anforderungen, während ESMA und nationale Aufseher die Durchsetzung und Register weiter ausbauen.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt für den europäischen Kryptomarkt eine neue Phase der Regulierung. Mit dem Auslaufen der letzten Übergangsfrist unter MiCA müssen Crypto-Asset-Service-Provider, die bislang noch unter nationalen Regeln tätig waren, nun eine EU-Autorisierung vorweisen oder ihre Aktivitäten zurückfahren. Für den Markt spricht das für weniger Anbieter, einen höheren Stellenwert der europäischen Lizenz und strengere Fragen rund um Zugang, Passporting und Durchsetzung.
Die Lizenz wird zum Markteintritt
MiCA ist zwar bereits seit Dezember 2024 vollständig anwendbar, bestehende Unternehmen konnten jedoch noch auf nationale Übergangsregeln zurückgreifen. Dieser Spielraum ist nun entfallen. Nach Einschätzung der befragten Marktteilnehmer wird für Nutzer dadurch deutlicher erkennbar, welche Anbieter tatsächlich unter Aufsicht stehen und welche nicht.
Mike Schwitalla von Crypto Finance Group sagte, viele Privatanleger würden erst jetzt feststellen, dass Plattformen, die sie seit Jahren nutzen, auf dem europäischen Markt möglicherweise nicht mehr aktiv sein dürfen. Deshalb achten Nutzer stärker auf den regulatorischen Status ihres Anbieters und prüfen in einzelnen Fällen auch, ob sie ihre Assets zu lizenzierten Instituten verschieben.
Auch die Marktgröße verdeutlicht die Folgen. Im Juli 2026 verfügten Schätzungen zufolge nur etwa 210 von rund 3.000 Krypto-Unternehmen in der EU über eine vollständige MiCA-Autorisierung. Das zeigt, wie groß die Compliance-Lücke trotz der einheitlichen Regeln weiterhin ist, die MiCA eigentlich schließen sollte.
Unterschiedliche Regeln je nach Dienst
MiCA behandelt nicht jedes Krypto-Unternehmen nach demselben Muster. Handelsplattformen und Broker müssen Vorgaben zu Governance, Marktverhalten, Kundeninformationen und operativen Kontrollen erfüllen. Verwahrer brauchen klare Verwahrungsrichtlinien und Kundenvereinbarungen, während Anbieter, die Kunden-Assets halten, offenlegen müssen, wie diese Assets und Gelder getrennt bleiben.
Stablecoin-Emittenten unterliegen wiederum einem eigenen Regelwerk mit Anforderungen an Reserven, Offenlegung, Einlösung und Aufsicht. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde prüft zudem, ob asset-referenced tokens und electronic money tokens als signifikant einzustufen sind, was zusätzliche Aufsicht auslösen kann. Für Berater, Orderausführer und Portfolio Manager gelten wiederum andere Pflichten. Eine MiCA-Lizenz ist daher nie eine pauschale Freigabe für alle Leistungen eines Unternehmens.
Philipp Bohrn von Bitpanda betonte, dass die Autorisierung zwar klarer macht, welche Unternehmen in Europa zugelassen, überwacht und verantwortlich sind, die finanziellen Risiken von Krypto aber nicht verschwinden lässt. Die europäischen Aufseher warnen Verbraucher weiterhin davor, dass der Schutz je nach Produkt und Dienst unterschiedlich ausfällt.
Bedeutung für Europa
Für europäische Krypto-Nutzer ist vor allem relevant, dass MiCA den Markt transparenter und zugleich selektiver macht. Die EZB hatte sich bereits früher für eine stärkere zentrale Aufsicht durch ESMA ausgesprochen, damit die Kontrolle über Ländergrenzen hinweg einheitlicher wird. Gerade weil Unterschiede zwischen nationalen Behörden sonst erneut zu Fragmentierung führen könnten, rückt damit nicht nur die Frage nach der Lizenz in den Vordergrund, sondern auch deren praktische Durchsetzung.
Für die nächste Phase dürfte genau diese Durchsetzung entscheidend sein. ESMA baut zentrale Register für autorisierte Anbieter, White Papers und nicht konforme Einheiten auf, während nationale Aufseher weiterhin einen großen Teil der unternehmensspezifischen Kontrolle übernehmen. Bohrn fasste es so zusammen: Eine Lizenz beschreibt die Kontrollen, beweist aber nicht, dass sie jederzeit funktionieren.