Euro-Stablecoins bleiben im Onchain-Markt hinter dem Dollar zurück
MiCA hat euro-gekoppelte Tokens mehr Klarheit verschafft, doch Dollar-Stablecoins bleiben der Standard in DeFi. Das gesamte Euro-Angebot liegt nun bei 711 Millionen Euro.

Wichtigste Erkenntnisse
- Der Euro ist onchain deutlich kleiner als der Dollar; Euro-Stablecoins kommen zusammen auf 711 Millionen Euro, weniger als 1% des gesamten Stablecoin-Angebots.
- Laut Ryan Connor liegen der Rückstand und die FX-Kosten vor allem an der Dollarabhängigkeit und dem Mangel an euro-denominierten DeFi-Infrastrukturen.
- MiCA hat dem Euro-Stablecoin-Markt mehr Klarheit gegeben, wodurch regulierte Tokens wie EUROP und EURCV nun das Wachstum antreiben.
Der Euro ist im Kryptomarkt nach wie vor deutlich kleiner als der Dollar. Laut Ryan Connor von RockawayX liegt das Verhältnis offchain bei etwa 3 zu 1, onchain steigt es jedoch auf mehr als 300 zu 1. Euro-gekoppelte Stablecoins kommen zusammen auf 711 Millionen Euro, weniger als 1% des gesamten Stablecoin-Angebots, umgerechnet in Dollar.
Warum die Lücke so groß ist
Connor verweist vor allem auf zwei Ursachen: die historische Abhängigkeit vom Dollar und den Mangel an euro-denominierten DeFi-Infrastrukturen. Stablecoins wurden ursprünglich für den Kryptohandel entwickelt, der in Dollar bepreist wurde, wodurch USD-Tokens automatisch zum Standard wurden. Danach entstand rund um dieselbe Dollarposition eine ganze Schicht aus Dollar-Vaults, Lending und Looping.
Dadurch entstand ein Markt, in dem Euro-Kapital schwerer mitspielen kann. Für europäische Asset Manager, Corporate Treasuries und DeFi-Nutzer, die in Euro denken, bringt ein Dollar-Vault zusätzliches FX-Risiko mit sich. Das Absichern dieser Dollar-Exponierung gegenüber dem Euro kostet laut Connor etwa 1%, was die Nettorendite schnell schmälert.
MiCA gibt Euro-Tokens mehr Spielraum
Die aktuelle Welle unterscheidet sich von der ersten Euro-Stablecoin-Phase, die 2022 bei rund 630 Millionen Euro ihren Höhepunkt erreichte und später zurückging, als EURT wegen fehlender MiCA-Compliance zurückgefahren wurde. Heute kommt das Wachstum vor allem von MiCA-regulierten Electronic-Money-Tokens wie EUROP und EURCV. Das Gesamtangebot ist inzwischen auf ein Allzeithoch von 711 Millionen Euro gestiegen.
MiCA, das seit Juni 2024 gilt, hat dem Markt mehr Klarheit über Reserven und Pflichten für Emittenten verschafft. Das hat den Euro-Stablecoin-Markt nicht plötzlich groß gemacht, aber einen klareren Rahmen für Anbieter geschaffen, die Euro-Produkte onchain ausgeben wollen. Gleichzeitig bleibt die Dominanz von Dollar-Stablecoins stark, auch wegen des Netzwerkeffekts und der bestehenden Infrastruktur darum herum.
Was das für europäische Krypto bedeutet
Für europäische Krypto-Nutzer ist das relevant, weil euro-denominierte Produkte die Lücke zwischen traditionellen Euro-Kapitalmärkten und DeFi verkleinern können. Connor nennt Euro-Vaults, native Euro-Credit und regulierte Euro-Stablecoins als die Bausteine für einen Markt, der noch klein ist, aber wächst. RockawayX verweist dabei auf Euro-Vaults auf Kamino und Morpho, wo dieser Euro-Teil des Leverage-Trades bereits aufgebaut wird.
Auch das breitere politische Umfeld spielt eine Rolle. Die Europäische Zentralbank untersucht weiterhin einen digitalen Euro, was zeigt, dass Europa die Kontrolle über digitales Geld und Zahlungsinfrastruktur für wichtig hält. Für den Kryptomarkt unterstreicht das vor allem, wie groß die Nachfrage nach Euro-Rails ist, die genauso nutzbar werden wie der Dollar-Standard, der seit Jahren dominiert. Zuvor hatte Revolut bereits einen MiCA-konformen Euro-Token auf den Markt gebracht, was zeigt, dass auch große Fintech-Anbieter auf diese Nachfrage reagieren.