ESMA stellt Polymarket und Kalshi in der EU infrage
ESMA stellt fest, dass Event Contracts von Polymarket und Kalshi in der EU ohne Zustimmung angeboten werden. Die Aufsicht verweist außerdem auf schwache Geo-Blocks und Risiken rund um MiFID II, MiCA und Glücksspielregeln.

Wichtigste Erkenntnisse
- ESMA sagt, dass Polymarket und Kalshi keine EU-Zulassung haben, um Event Contracts in der EU zu vermarkten und zu verkaufen.
- Die Aufsicht zweifelt an Geo-Blocks, weil Nutzer über ein VPN dennoch Zugriff erhalten können.
- ESMA warnt außerdem vor Insiderhandel und Marktmanipulation auf Prediction Markets, vor allem auf DLT-Plattformen.
Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA sagt, dass die größten Prediction-Market-Plattformen keine EU-Zulassung haben, um Event Contracts zu vermarkten und zu verkaufen. Die Aufsicht stellt auch die Geo-Blocks infrage, die Polymarket und Kalshi nutzen, um Nutzer in einigen Mitgliedstaaten auszuschließen. Laut ESMA sind diese Beschränkungen nicht wasserdicht, weil Nutzer über ein VPN dennoch Zugriff erhalten können.
Regeln unterscheiden sich je nach Vertrag
In einem Bericht vom Donnerstag schreibt die in Paris ansässige Aufsichtsbehörde, dass Event Contracts je nach ihren Merkmalen unter verschiedene Regime fallen können. Einige Verträge können unter MiFID II als Finanzinstrument gelten. Blockchain-basierte Verträge, die nicht darunter fallen, können stattdessen unter MiCA fallen. Andere Varianten können nach nationalem Recht als Glücksspielprodukt eingestuft werden.
ESMA sagt, dass Marketing und Verkauf von Event Contracts in der EU deshalb grundsätzlich eine EU-Zulassung erfordern. Diese haben die größten Prediction-Market-Plattformen nach Einschätzung der Aufsicht derzeit nicht. Wenn Verträge als Finanzinstrument eingestuft werden, fallen sie in der Regel unter die Regeln für Derivate und unter nationale Produktinterventionsmaßnahmen für binäre Optionen, die den Verkauf an Privatanleger verbieten.
Mehr Aufmerksamkeit für Missbrauch
Die Aufsicht äußerte auch Sorgen über Insiderhandel und Marktmanipulation auf Prediction Markets. Vor allem DLT-Plattformen wie Polymarket könnten anfällig sein, weil begrenzte Identitätskontrollen und pseudonyme Teilnahme es schwieriger machen, verdächtigen Handel zu erkennen. ESMA wies dabei darauf hin, dass Maßnahmen der Plattformen gegen Missbrauch oft erst im Nachhinein greifen.
Diese Sorgen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Prediction Markets in Europa mehr Aufmerksamkeit bekommen. In Spanien leitete das Verbrauchsministerium im Mai bereits ein Sanktionsverfahren gegen Polymarket und Kalshi wegen des Fehlens der erforderlichen Glücksspiellizenz ein, woraufhin die Websites im Land blockiert wurden. ESMA erinnerte Unternehmen im Juli ebenfalls an bestehende Regeln für binäre Optionen, während das weltweite Interesse an Prediction Markets weiter zunahm. Auch in den USA bleibt die Diskussion über Aufsicht über diesen Markt aktuell, da Kalshi mit Bundesstaaten aneinandergerät, während die CFTC an neuen Regeln für Event Contracts arbeitet.
Warum das relevant ist
Für europäische Krypto- und Web3-Unternehmen ist das relevant, weil Prediction Markets oft auf Blockchain-Infrastruktur und Smart Contracts aufbauen. Wenn Aufsichtsbehörden solche Produkte schneller als Finanzinstrument, Glücksspielprodukt oder MiCA-Bestandteil einstufen, kann das bestimmen, welche Regeln gelten und wo Plattformen aktiv sein dürfen oder nicht. ESMA sagt allerdings, dass der Markt in der EU noch relativ klein ist, auch wenn Anbieter wie Eurex, Euronext, CME Group, Cboe, ICE und Nasdaq nach Einschätzung der Aufsicht wachsendes Interesse an ähnlichen Produkten und Infrastrukturen zeigen.