Ondo startet SEC-Modell für tokenisierte BlackRock-ETF
Über Ethereum und Oasis Pro TA setzt Ondo einen SEC-konformen Schritt mit tokenisierten IVV- und Micron-Positionen, während Broadridge die Governance übernimmt.

Wichtigste Erkenntnisse
- Ondo Finance hat tokenisierte Versionen von BlackRocks iShares Core S&P 500 ETF und Micron-Aktien über Ethereum gestartet.
- Die Ausgabe läuft über Oasis Pro TA, während Broadridge die Stimmrechte, regulatorischen Offenlegungen und die Kommunikation mit den Aktionären übernimmt.
- Ondo bezeichnet das als ersten Produktions-Rollout des SEC-Modells für custodial Tokenisierung und sagt, dass das Produkt für US-Anleger noch nicht verfügbar ist.
Ondo Finance hat tokenisierte Versionen von BlackRocks iShares Core S&P 500 ETF und Micron Technology-Aktien in einer Struktur eingeführt, die an das bestehende amerikanische Wertpapier-System angebunden werden soll. Die Emission erfolgt über Ethereum und knüpft an den jüngsten SEC-Ansatz für tokenisierte Wertpapiere von Drittanbietern an. Damit rückt Ondo von einem Testlauf in eine produktive Umsetzung vor.
Wie die Struktur funktioniert
Die tokenisierten Wertpapiere werden über Oasis Pro TA ausgegeben, einen bei der SEC registrierten Transfer Agent, den Ondo im vergangenen Jahr übernommen hat. Broadridge übernimmt dabei das Proxy Voting, die regulatorischen Offenlegungen und die Kommunikation mit den Aktionären. So sollen Token-Inhaber dieselben Governance-Rechte erhalten wie Anleger, die die Papiere über einen klassischen Broker halten.
Wichtig ist außerdem, dass die zugrunde liegenden IVV- und Micron-Aktien in der traditionellen Custody-Kette verbleiben. Oasis Pro TA mintet darauf aufbauend eins zu eins tokenisierte Ansprüche auf Ethereum, während regulierte Custodians, Broker-Dealer und Transfer-Agent-Kontrollen die Transferbeschränkungen überwachen. Nach Angaben von Ondo handelt es sich um den ersten Produktions-Rollout des SEC-Modells für custodial Tokenisierung.
Warum das jetzt relevant ist
Der Start fällt in eine Phase, in der tokenisierte Aktien sowohl in der Krypto-Welt als auch in der traditionellen Finanzbranche deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die SEC hat im Januar klargestellt, dass tokenisierte Wertpapiere unter die bestehenden bundesweiten Wertpapiergesetze fallen. Der Schwerpunkt liegt damit auf Compliance statt auf einem eigenen Regelwerk für Blockchain-Aktien.
Für europäische Krypto-Anleger ist vor allem interessant, dass große Marktteilnehmer Tokenisierung inzwischen in bestehende Marktstrukturen einbetten wollen, statt parallel dazu neue Systeme aufzubauen. Das könnte die Debatte darüber beschleunigen, wie handelbare Anlageinstrumente auf der Blockchain aussehen, wenn Aufseher, Transfer Agents und Infrastruktur-Anbieter weiterhin auf dieselben Regeln setzen.
Breiteres Tokenisierungs-Momentum
Ondo betont, dass das Produkt für US-Anleger derzeit noch nicht verfügbar ist. Zugleich verweist das Unternehmen darauf, dass Tokenisierung, also die Überführung traditioneller Assets in Blockchain-Tokens, durch 24/7-Handelbarkeit, schnellere Abwicklung und einfachere Übertragungen zwischen Plattformen an Dynamik gewinnt.
Das Krypto-Unternehmen meldet zudem, dass inzwischen mehr als $1 Milliarden (€0,9 Milliarden) an tokenisierten Stocks und ETFs aufgebaut wurden, verteilt auf mehr als 430 Wertpapiere. Auch im breiteren Markt bewegen sich Robinhood, DTCC, Nasdaq und die New York Stock Exchange in Richtung Tokenisierungs-Initiativen. Das zeigt, dass die Grenze zwischen Krypto-Infrastruktur und regulierten Märkten weiter verschwimmt. Dazu passt auch die breitere US-Debatte darüber, wie tokenisierte Wertpapiere innerhalb der bestehenden Gesetzgebung getestet und skaliert werden können.